Krim-Krise belastet Russland-Geschäfte österreichischer Firmen

Gas und Öl, Immobilen und Stahl. Zahlreiche österreichische Unternehmen profitieren von Geschäftsbeziehungen zu Russland. Wirtschafts-Sanktionen gegen Russland gilt es zu vermeiden, um die Wirtschaft Österreichs nicht zu gefährden.

In der Krise um die Halbinsel Krim haben EU und USA bereits Kontensperren und Einreiseverbote gegen Vertraute von Präsident Wladimir Putin verhängt. Ihrer Ansicht nach verstößt der Anschluss der Halbinsel an Russland gegen Völkerrecht. Sollte der Westen bei einer weiteren Eskalation der Lage auch Wirtschaftssanktionen verhängen, könnten diese auch österreichische Unternehmen massiv treffen. Russland gehört zu den wichtigsten Handelspartnern der Alpenrepublik. Die Russland-Geschäfte einiger großer österreichischer Unternehmen wären von einer Eskalation des Konflikts betroffen.

Im Gasgeschäft ist die OMV besonders abhängig von Russland. Die Tochter EconGas, an der OMV 50 Prozent hält, bezieht einen großen Teil ihres Gases von der russischen Gazprom. Der Preis dafür war lange Zeit an den hohen Ölpreis gekoppelt, während sich die Verkaufspreise an den fallenden europäischen Marktpreisen orientiert hatten. EconGas verbuchte daher hohe Verluste. Erst ein Ende vergangenen Jahres ausgehandelter neuer Vertrag ermöglichte der Firma, das Gas günstiger einzukaufen. Diese günstigeren Konditionen gelten jedoch nur bis Ende März. Für die Zeit danach verhandelt OMV einen neuen Vertrag. Das Unternehmen teilte indes mit, dass seine Gasspeicher noch für Monate gefüllt sind (mehr hier).

Der von der OMV betriebene Gasknotenpunkt in Baumgarten ist zudem eine der größten Drehscheiben für russisches Gas. Rund ein Drittel des gesamten russischen Exports nach Westeuropa läuft über diese Gasstation und gelangt von hier nach Ungarn, Italien, Kroatien, Slowenien, Deutschland und Frankreich.

Das Unternehmen Schoeller-Bleckmann stellt Bohrköpfe und Bohrgestänge für die Suche nach Öl und Gas her und hat eine eigene Niederlassung in Russland. Darüber hinaus verkauft SBO seine Produkte an viele internationale Kunden, die dann auf russischem Territorium nach Öl und Gas suchen. Trotz der Krise erwartet das Unternehmen derzeit, dass alle ausstehenden Aufträge wie geplant über die Bühne gehen.

Die unter anderem auf Schiefergasbohrungen spezialisierte Ölbohrfirma CAToil ist in Westsibirien, am Kaspischen Meer und in der Wolga-Ural-Region aktiv. Die Auftragslage ist Firmenangaben zufolge derzeit nicht von der Krise in der Ukraine beeinträchtigt.

Nach der geplanten Abspaltung der Wohnimmobilientochter Buwog steigt Russland zum wichtigsten Einzelmarkt für die Immofinanz auf. Die Einkaufszentren, die der Konzern dort besitzt, machen dann mehr als ein Viertel des Portfolios aus. Immofinanz hatte seine Investoren daher vor möglichen Geschäftseinbußen gewarnt, sollte die Schwäche der russischen Währung Rubel anhalten. Das Unternehmen CA Immo hält in Russland einen Anteil von 35 Prozent an einem Hotel- und Bürokomplex am Flughafen in St Petersburg, von dem sich CA Immo mittelfristig trennen will.

Der Stahlkonzern Voestalpine hat zu Jahresbeginn einen Auftrag zur Lieferung von Blech für die russische Gas-Pipeline South Stream erhalten. Sie soll von Sibirien nach Südosteuropa reichen. Ob sie auch bei einer länger andauernden Krise gebaut wird, ist unklar. Die Voestalpine geht dennoch davon aus, den Auftrag wie geplant bis zum Sommer abzuschließen. Zum Ordervolumen hatte das österreichische Unternehmen keine Angaben gemacht (mehr zur Krise der europäischen Stahlindustrie – hier).

Der Industriekonzern RHI, der feuerfeste Produkte für die Stahl-, Glas- und Zementindustrie herstellt, erwirtschaftete in Russland zuletzt drei Prozent seiner Erlöse und will seine Marktpräsenz ausbauen. Der Maschinenbauer Andritz erwirtschaftet drei bis vier Prozent seines Gesamtumsatzes in Russland. Das Unternehmen Mayr-Melnhof, das Verpackungen für Konsumgüter wie Waschmittel oder die Lebensmittelindustrie herstellt, macht knapp zehn Prozent seines Umsatzes mit Russland. Die Firma hat einen eigenen Standort in St. Petersburg und beliefert den Markt auch aus anderen Ländern.

In der Bauwirtschaft erwirtschaftet der Baukonzern Strabag trotz anfänglich großer Euphorie in Russland weniger als fünf Prozent der Bauleistung. Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen mit seinem russischen Großaktionär Oleg Deripaska hat das Unternehmen auf Eis gelegt (mehr dazu – hier).

Die russische Tochter der UniCredit Bank Austria ist nach Angaben des Instituts die achtgrößte Bank des Landes. Sie hat Kredite von über zwölf Milliarden Euro vergeben und erwirtschaftete dort zuletzt rund ein Viertel des Betriebsergebnisses. Die Russland-Tochter der Raiffeisen Bank International ist nach eigenen Angaben die zehntgrößte Bank des Landes. Eine länger anhaltende Krise könnte das Institut massiv treffen. In Russland hatte die Bank zuletzt mehr als zehn Milliarden Euro an Krediten vergeben und erwirtschaftete dort gut ein Viertel ihres Betriebsergebnisses. Die Bank hat sich vorgenommen, in dem Markt künftig vor allem im Privatkundengeschäft zu wachsen.

Zuletzt profitiert der Flughafen Wien – wie die österreichische Tourismuswirtschaft – von der wachsenden Zahl russischer Gäste.

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  1. biersauer sagt:

    Nur um damit Russland zu schaden, verzichtet Tusk in Polen auf die Steuer auf eigenes Erdgas.
    Solche Blödheiten finden nicht überall statt.