America Movil will Einfluss bei Telekom Austria erhöhen

Carlos Slim will die Anteile der America Movil an der Telekom Austria auf über 30 Prozent erhöhen und mehr Einfluss ausüben. Ein Vertrag zwischen der ÖIAG und America Movil soll die Anteilserhöhung besiegeln. Die beiden Großaktionäre wollen sich dazu verpflichten, wichtige Entscheidungen gemeinsam zu treffen.

Die Telekom-Austria-Großaktionäre haben ihre Allianz fast in trockenen Tüchern. Bereits zum Ende der Woche sollen die wesentlichen Eckpunkte des Vertrages zwischen America Movil und der Staatsholding ÖIAG stehen. Mit der in Grundzügen ausgearbeiteten Einigung in der Tasche will sich ÖIAG-Chef Rudolf Kemler am Freitag von seinem Kontrollgremium grünes Licht für eine Besiegelung der Partnerschaft holen. Mit dem Bündnis, das zunächst rund zehn Jahre dauern soll, wollen die beiden Großaktionäre bei der Telekom Austria den Ton angeben. „Ich bin überzeugt, dass wir hier sehr rasch zu einem Ende kommen werden. lch glaube, dass der bisherige Gesprächsverlauf Anlass zu Optimismus gibt“, sagte Kemler.

Gemeinsam kommen sie bereits auf gut 55 Prozent der Anteile: Die ÖIAG hält 28,4 Prozent, dicht gefolgt von dem vom Milliardär Carlos Slim kontrollierten Telekomkonzern America Movil mit 26,8 Prozent. Doch der mexikanische Konzern strebe künftig mindestens 30 Prozent sowie die industrielle Führerschaft bei der Telekom Austria an, um das Unternehmen konsolidieren zu können, sagte Kemler.

Von dem Aktionärspakt können beide Seiten profitieren: Für Slim ist es ein wichtiger Schritt, sich mehr Einfluss auf die Telekom Austria zu sichern: Denn im Zuge der Allianz verpflichten sich die Partner, bei wichtigen strategischen Entscheidungen an einem Strang zu ziehen und Beschlüsse nicht zu blockieren. Mit der Expansion in Europa will Slim seine Abhängigkeit vom südamerikanischen Heimatmarkt verringern. Auch an der niederländischen KPN ist der Milliardär beteiligt (mehr hier).

Österreich strebe weiterhin eine Sperrminorität von mindestens 25 Prozent plus einer Aktie an der Telekom an, sagte Kemler. Die ÖIAG wolle im Zuge der geplanten Allianz Vetorechte bei wichtigen Standort-Entscheidungen erreichen – etwa über die Konzernzentrale, oder die Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

Doch sollten die beiden Aktionäre ihre Vereinbarung festzurren, müssten sie nach österreichischem Recht den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Über Details – etwa zur Finanzierung dieses Angebots – gebe es noch keine Einigung, sagte Kemler. Zudem sei offen, ob das Bündnis von den Wettbewerbshütern in Österreich oder von den EU-Behörden geprüft werde. Grund dafür sei die Beteiligung von America Movil an KPN. „Wie die EU das einschätzt, kann ich nicht sagen. Das ist eine Grauzone“, sagte Kemler.

Um ihr künftiges Wachstum in Osteuropa zu finanzieren, könnte sich die Telekom bereits bei der am 28. Mai geplanten Hauptversammlung grünes Licht für eine Kapitalerhöhung holen. Wie groß diese ausfallen werde, stehe noch nicht fest, sagte Kemler. Abhängig sei das auch von den Wachstumsplänen des Telekom-Vorstands. Zunächst wolle die ÖIAG aber die Allianz mit America Movil unter Dach und Fach bringen.

 

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