Deutschland will Handelsbeziehungen zu China verbessern

Die bilateralen Verhandlungen zwischen Deutschland und China sollen wirtschaftliche Differenzen beseitigen. China verärgert mit Exportbeschränkungen für Rohstoffe seine Handelspartner. Deutsche Unternehmen werden von Staatsaufträgen ausgeschlossen. Die Volksrepublik hält außerdem den Kurs ihrer Währung Yuan niedrig und verschafft sich damit Preisvorteile.

China und Deutschland wollen ihre Zusammenarbeit trotz mancher Meinungsverschiedenheiten enger gestalten und auf eine breitere Basis stellen. Dem dienen 18 Verträge, die am Freitag beim Deutschland-Besuch von Staatspräsident Xi Jingping im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel in Berlin geschlossen wurden. Die engere Zusammenarbeit gilt für die Wirtschaft, die Sicherheits- und Außenpolitik sowie die Finanzpolitik.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will auch die wirtschaftlichen Bindungen Chinas zur EU insgesamt intensivieren. Die Kanzlerin sagte am Freitag nach einem Gespräch mit Chinas Staatspräsident Xi Jingping in Berlin, sie habe mit ihrem Gast darüber gesprochen, schnell ein Investitionsabkommen zwischen der EU und China abzuschließen. „Wir werden uns in Europa dafür einsetzen, dass es ein Investitionsabkommen gibt“, sagte sie. Das könnte dann den Vorläufer bilden für ein späteres Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem asiatischen Land. Deutschland wolle als Lokomotive für die Annäherung zwischen EU und China agieren, versicherte sie.

China, die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, und Europas größte Volkswirtschaft Deutschland sind seit langem enge strategische Partner. Der Warenaustausch zwischen beiden Ländern lag zuletzt bei einem Volumen von mehr als 140 Milliarden Euro. Im Gegensatz zu früheren Besuchen von Spitzenpolitikern aus China wird die Visite von Xi weit stärker von politischen Inhalten geprägt. So ist China im aktuellen Konflikt um die Ukraine auf Distanz zu Russland gegangen, als die Regierung in Moskau den Beitritt der Halbinsel Krim betrieb (mehr hier). China will künftig in der Weltpolitik eine aktivere und stärkere Rolle spielen.

Beim Besuch Xis wurden neben etlichen gemeinsamen Projekten im Automobil- und anderen Wirtschaftsbereichen auch ein wichtiges finanzpolitisches Projekt besiegelt. Vereinbart wurde zwischen den beiden Notenbanken, den Finanzplatz Frankfurt zu einer Drehscheibe im Handel mit der chinesischen Währung zu machen. „Damit wird die Abwicklung von Zahlungen in Renminbi für die deutsche Realwirtschaft viel einfacher“, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Flankierend wollen die Deutsche Börse und die Bank of China gemeinsame Produkte und Dienstleistungen für den Kapitalmarkt entwickeln. „Der Ausbau der Kooperation zwischen der Bank of China und der Deutsche Börse wird für mehr Sicherheit und Stabilität an den Kapitalmärkten sorgen und das Wirtschaftswachstum fördern“, sagte Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni.

Unter den übrigen Wirtschaftsvereinbarungen dominieren Kooperationen in der Autobranche unter Beteiligung von Volkswagen, BMW und Daimler. Auch Siemens und Bayer sind beteiligt. In China geriet in letzter Zeit nach Jahren des rasanten Wachstums der Konjunkturmotor etwas ins Stottern. Die Regierung will sich aber nach den Worten von Ministerpräsident Li Keqiang gegen das Abflauen der Wirtschaft stemmen. „Wir werden wichtige und kraftvolle Maßnahmen ergreifen, so wie wir es in der Regierung vereinbart haben“, zitierte die Nachrichtenagentur Xinhua Li.

Export und Import

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4.000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an – China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2.000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Chinesischer Markt bereitet Probleme

China verärgert mit Exportbeschränkungen für Rohstoffe seine Handelspartner. So wird die Ausfuhr der Seltene Erden gedrosselt, die beispielsweise für Computer, Handys, Windturbinen und Batterien verwendet werden. Die Volksrepublik produziert mehr als 90 Prozent des Weltmarktbedarfs und verschafft damit seinen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil. Das Schiedsgericht der Welthandelsorganisation hat dieses Vorgehen erst in dieser Woche verurteilt und damit einer Beschwerde von EU, den USA und Japan stattgegeben. China hat nun 60 Tage Zeit, um in Revision zu gehen (mehr hier).

Deutsche Unternehmen beklagen immer wieder, von vielen Staatsaufträgen ausgeschlossen zu werden. Vor allem in den Provinzen gelten oftmals hohe Schwellenwerte, ab denen ausländische Unternehmen sich an Ausschreibungen beteiligen dürfen. Formal müssen Niederlassungen deutscher Firmen in China gleichrangig behandelt werden. Tatsächlich erleben sie aber immer wieder, dass das in der Ausschreibungspraxis nicht der Fall ist.

Wechselkurs

China hält den Kurs seiner Währung Yuan künstlich niedrig und verschafft sich damit Preisvorteile im internationalen Wettbewerb. Allerdings hat das Land dem Druck der Industriestaaten schon ein Stück nachgegeben: Seit 2005 ist der Außenwert des Yuan um mehr als ein Fünftel zum Dollar gestiegen. China tut das auch aus eigenem Interesse, weil damit Importe – etwa von Rohstoffen – billiger werden und die Inflation gedämpft wird (mehr hier).

Technologie-Transfer

Ein dauerhaftes Ärgernis ist der offen geforderte oder heimlich vollzogene Technologietransfer (mehr dazu – hier). Für die Marktzulassung gerade von technologisch höherwertigen Produkten fordern die chinesischen Behörden meist detaillierte Daten, darunter auch die Offenlegung des Quellecodes von Programmen. Dazu kommt die Klage, dass geschützte Internetverbindungen zwischen den ausländischen Mutterhäusern und den Ablegern in China kaum möglich sind. Europäische Sicherheitsbehörden beschweren sich über ständige Cyber- und Spionage-Angriffe, um gezielt das Know-how westlicher Firmen zu stehlen (hier).

Patente

Die frühere Dauerklage über das Kopieren von Produkten ist vom Vorwurf einer neuen Methode zur Marktabschottung abgelöst worden. Mit einer Patentlawine stellen die Chinesen die Debatte über den Schutz geistigen Eigentums auf den Kopf (mehr dazu – hier). Mussten sich etwa Mittelständler früher sorgen, dass ihre Produkte kurz nach dem Auftritt in China von einer Handvoll Firmen nachgemacht werden, so drohen nun vermehrt Klagen von chinesischen Konkurrenten, die zumindest Teilpatente oder Gebrauchsmuster bereits angemeldet haben. Das Problem: Es werden viele Dinge patentiert, für die es nach westlichem Maßstab gar kein Patent geben dürfte – und angesichts der Masse, der Sprache und der fehlenden Datenbanken ist kaum nachzuvollziehen, was in China bereits geschützt wurde.

 

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Kommentare

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  1. eddieagle sagt:

    Zitat
    „China hält den Kurs seiner Währung Yuan künstlich niedrig und verschafft sich damit Preisvorteile im internationalen Wettbewerb“.

    Das ist ein alter Hut, den der Westen gern auspackt, weil ihm CN zu konkurrenzfähig ist.

    Der Yuan wird nicht mehr „gemanagt“ als der USD oder der EUR, nur eben anders.

    Und Deutschland ist nun wirklich das letzte Land, das sich darüber echauffieren kann:

    D hält seit Jahren seine Währung „künstlich niedrig“, indem es eine Währungsunion mit lauter Pleitestaaten führt.

    Aber die listigen Asiaten sind immer wieder gut für einen moralisierenden Wirtschaftskrimi.
    Ohne Krimi geht die Angie nicht ins Bett, nicht ins Bett, ….

  2. E-Biker sagt:

    Ja die Chinesen, sind halt die Meisten. Da kann man nichts machen, ausser sich anzupassen. Das gilt auch für die USA.