Weidmann: Preise steigen bald wieder schneller

Die aktuell geringen Preisanstiege in der Eurozone sind nur ein vorübergehendes Phänomen, sagt Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Die Eurozone befinde sich mitnichten in einer „deflationären Abwärtsspirale“. Daher solle sich die EZB geldpolitisch zurückhalten.

Trotz der niedrigen Inflationsrate in der Eurozone mahnt Bundesbankchef Jens Weidmann zur geldpolitischen Zurückhaltung.

Der geringe Preisauftrieb sei voraussichtlich nur ein vorübergehendes Phänomen, sagte Weidmann am Samstag auf einem Finanzkongress in Berlin. Dabei spielten insbesondere die zum Vorjahr gesunkenen Energie- und Lebensmittelpreise eine große Rolle.

„Ich bin der Überzeugung, dass Geldpolitik nur dann auf solche Faktoren reagieren sollte, wenn es zu Zweitrundeneffekten kommen sollte“, so Weidmann. Von solchen Effekten sprechen Fachleute beispielsweise, wenn sich eine Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Löhnen mit fatalen Folgen für die Wirtschaft aufbaut.

Weidmannsagte, die Eurozone sei nicht in einer „sich selbst verstärkenden deflationären Abwärtsspirale“. Es gebe auch keine Anzeichen, dass Verbraucher Käufe in Erwartung sinkender Preise zurückstellten.

Weidmann hatte jüngst in einem Interview die theoretische Möglichkeit angesprochen, dass die EZB mit dem Ankauf von Wertpapieren in großem Stil deflationäre Gefahren bekämpfen könnte. Dies hatte den Euro-Kurs gedrückt und an den Märkten Spekulationen ausgelöst, dass die EZB am Donnerstag auf die niedrige Inflation im Euro-Raum reagieren könnte.

Für die am Montag anstehenden Preisdaten aus dem Währungsraum rechnen Experten mit einer Inflationsrate von nur noch 0,6 Prozent, womit das Ziel der EZB von knapp zwei Prozent deutlich verfehlt würde.

Die EZB hatte im November den Leitzins auf das historisch niedrige Niveau von 0,25 Prozent gesenkt und damit auf den niedrigen Preisauftrieb reagiert. Sie hat damit nur noch wenig Spielraum beim Leitzins.

Bereits seit längerem wird allerdings im EZB-Rat über die Möglichkeit gesprochen, eine Art Strafzins auf bei der Zentralbank geparktes Geld zu erheben. Damit könnten Banken dazu angeregt werden, Geld in die Kreditvergabe zu investieren statt es zu horten. Dänemark hat mit diesem Instrument jedoch schlechte Erfahrungen gemacht, da Banken die Kosten an die Kunden weitergaben.

Kommentare

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  1. wolf sagt:

    Natürlich haben wir den Beginn einer Deflations-Spirale in Deutschland, während sich die Club Med-Staaten schon längst darin befinden.
    Die vielen Dumping-Löhner in Deutschland haben eben nicht viel Kohle im Sack.
    Und der supergierige Staat greift uns immer mehr ungeniert in die Taschen und schöpft Kaufkraft ab durch seinen überkandidelten öffentlichen Dienst, Beamtenapparat, eigener Neuverschuldung und Haftung von 27% für die Elends-Union der Pleitegeier.

  2. Dieter Staas sagt:

    Restriktive Lohn- und Sozialpolitik
    Eine expansive Geldpolitik und eine restriktive Lohn- und Sozialpolitik, wie sie Deutschland europaweit erzwingt, können nicht wirklich funktionieren. Das neu geschaffene Geld muss sich notwendig bei den Banken bzw. auf deren EZB-Konten stauen, weil es (außer für durch Nullzinspolitik verursachte Scheininvestitionen) keine Verwendung dafür gibt. Möglicherweise wirken speziell in Deutschland aber auch schon demographische Effekte, insbesondere die Alterung der Gesellschaft, die Japans Wirtschaft längst in eine nicht mehr zu behebende Deflationskrise gestürzt hat. Die Wirtschaft stagniert, weil eine alternde Gesellschaft eben immer weniger konsumiert. Deutschland wird sich noch für einige Zeit durch hohe Exportüberschüsse den Folgen seiner Politik entziehen können. Für Europa gilt das aber nicht. Und wenn das Preisniveau zwischenzeitlich auch mal wieder steigen sollte, die Perspektive Europas ist die alterungsbedingte und durch eine extrem restriktive Sozial- und Lohnpolitik verschärfte Deflationskrise.

  3. popper sagt:

    Der Monetarismus ist schon lange gescheitert und war im Grunde immer nur eine Option für geldpolitische Fantasten. Die EZB hat ihr Pulver weitestgehend verschossen, und weil sie weiterhin den Austeritätskurs unterstützt, muss sie zuschauen, wie Europa immer mehr in Deflation versinkt. Weidmann versucht sich und seinen Lesern Mut zu machen, indem er abwiegelt ohne stichhaltige Argumente zu haben. Ein Trauerspiel.