Ausweitung der Lkw-Maut belastet Mittelstand und Kunden

Der regionale Wirtschaftsverkehr wird durch die Ausweitung der LKW-Maut teurer. Speditionen müssen ihre Transportpreise erhöhen. Das trifft vor allem mittelständische Betriebe. Diese müssen die höheren Preise an ihre Kunden weitergeben. Die Finanzierung neuer Infrastrukturprojekte kann durch die Belastung der Unternehmen allein nicht gestemmt werden.

Durch die von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt angekündigte Ausweitung der Lkw-Maut auf Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen Gesamtgewicht und auf weitere 1.000 Kilometer Bundesstraßen (hier) wird vor allem der regionale Wirtschaftsverkehr in Deutschland betroffen sein. Im Gegensatz zu Bundesautobahnen, auf denen der mautpflichtige Anteil gebietsfremder Fahrzeuge sich der 40 Prozentmarke nähert, sind die auf Bundesstraßen eingesetzten Fahrzeuge überwiegend mit Kennzeichen -D- im regionalen Wirtschaftsverkehr tätig (mehr zur Existenzbedrohung mittelständischer Speditionen – hier).

„Aufgrund des intensiven Preis- und Leistungswettbewerbs sind die erzielten Margen im regionalen Wirtschaftsverkehr so gering, dass eine Überwälzung zusätzlicher Mautkosten auf die Verbraucher erforderlich wird“, sagte BGL-Präsident Adalbert Wandt. Der Transport von Gütern wird ständig teurer (hier). Angesichts der Unterfinanzierung der Verkehrsinfrastruktur und der Schuldenproblematik der öffentlichen Haushalte sei die Ausweitung der Nutzerfinanzierung der bevorzugte politische Weg zur Mittelbeschaffung geworden.

Allerdings müsse allen Beteiligten klar sein, dass mit dieser Ankündigung des Ministers lediglich nur der erste Schritt auf dem Wege einer viel weitergehenden Koalitionsvereinbarung gegangen wurde. Um die Infrastruktur in Deutschland wieder auf Vordermann und das für einen Exportstandort unverzichtbare Niveau zu bringen, seien jährlich Milliardenbeträge zusätzlich über die nächsten 15 Jahre erforderlich. Wirtschaft und Verbraucher müssten sich genau wie bei der Energiewende auf neue Belastungen einstellen.

In den nächsten zehn Jahren werden die Kosten für die Instandhaltung der deutschen Infrastruktur explodieren. Das IW Köln schlägt Alarm: Bereits jetzt behindern marode Brücken und kaputte Straßen den Geschäftsbetrieb von zwei Dritteln aller Unternehmen. Die Gesamtkosten sollen 120 Milliarden Euro übersteigen. (mehr zum Thema Infrastrukturhier).

Adalbert Wandt: „Die einfache Vorstellung mancher Bürger, der Lkw zahlt für alle und alles, springt viel zu kurz und ist unrealistisch.“ Der Absatz für Lkw ist im Februar erneut gestiegen. Durch die Ausweitung der Maut werden so zusätzliche Einnahmen in die Staatskassen gespült (meh hier).

 

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Kommentare

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  1. mwb sagt:

    Was soll das?
    Die rot-grüne Öko Steuer dürfte die Wirtschaft und den Verbraucher viel stärker belastet haben. Warum wurde damals nicht genauso gejammert?

    • Gott hat einen harten linken Haken sagt:

      Damals wurde nicht nur genauso gejammert, damals wurde sogar vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt – zufrieden?

  2. Peter G. sagt:

    Was soll das Gejammer? Man sollte wirklich darüber nachdenken, ob das Hin- und Hergekarre von Personen und Waren zu Lande, zu Wasser und in der Luft in diesem Umfang nötig ist. Fracht-Luftverkehr, um Blumen aus Afrika, Spargel aus Südamerika, Trauben aus Indien usw., muss das wirklich sein? Mittlerweile erzeugt der Luftverkehr ebensoviele Emissionen wie der weltweite Autoverkehr, und das in empfindlichen Bereichen der Atmosphäre. Auch der Transport von Massengütern über das Wasser hat CO2- und Schwefelemissionen enorm gesteigert. Die Politik hat jeden Ansatz nachhaltigen Handelns über Bord geworfen und ist zu reinen Ausführungsorganen des Großkapitals geworden.

  3. Hungerleider sagt:

    Mir kommen die Tränen! Die armen belasteten Mittelstandsunternehmen! Spätestens übermorgen werden die Chefs und das Menetschment vor meiner Tür stehen und um eine milde Gabe betteln müssen.

    Die Wirklichkeit sieht anders aus:
    1. An der Preisschraube drehen, wenn überhaupt nur, dann diejenigen, die sie diktieren (Monopol), die sei weiterreichen können (Mittelstandsunternehmen an die Kunden) und aushalten müssen es die Kunden (ob Firmen oder Endverbraucher).

    2. Man könnte sich ja auch auf die einfache Frage konzentrieren:
    Was kostet den Steuerbürger mehr: die Maut, die er per Einkauf/ Geschäftsbeziehungen mittragen (oder allein tragen) muss, oder der jährliche irrsinnige Rausschmiß von Milliarden Euros für Straßenreparaturen, die durch LKWs mit bis zu 60 Tonnen auf Autobahnen und vor allem – zur Verkürzung der Mautzahlungen – auf Bundesstraßen dringend erforderlich sind.

    Einfaches Beispiel, wie es fast jeder kennt:
    LKW von Hamburg nach Dresden/ Leipzig unterwegs:
    Abfahrt Lüneburg, dann auf die B 216, weiter über die B 248 und B 71 bis zur Autobahn vor Magdeburg. Rund 200 km Bundesstraße. Autobahn-Maut für Lüneburg bis Magdeburg über Hannover (A 7) = 278 km. Bei den LKW mit 4 und mehr Achsen macht das zwischen 70 und 86 Euro aus. Mal 5.000 Fahrzeuge pro Tag = ca. 400.000 Euro, bei 10.000 LKWs ca. 800.000 Euro – pro Tag. Nimmt man mit 250 Fahr-Tagen mal, werden daraus 200 Mio Euro Mautersparnis für diejenigen LKW, die die Abkürzung über die Bundesstraßen nehmen.

    Und das gilt NUR FÜR DIESE EINE BEISPIEL-STRECKE !

    Das ist das Geschenk der Steuerzahler an die Verkehrswirtschaft. Man könnte es auch eine von den Wählern und vom Volk nicht genehmigte Subvention der Speditionswirtschaft durch die Politik nennen.

    Wenn solche Verkehrspolitik überhaupt Sinn macht, dann nur, wenn die Bundesstraßen als Ausweichstrecken VERBOTEN und dann auch KONTROLLIERT werden.

    Die anwohnenden Bürger würden es zusätzlich danken: wegen geringer werdender Gefährdung im Straßenverkehr und geringerer Lärmbelästigung und – Ausgangspunkt – weniger Baustellen auf den völlig überforderten Bundesstraßen. Dementsprechend mehr Geld für den sinnvollen Ausbau statt immer mehr Geld für Reparaturen.

    • Gott hat einen harten linken Haken sagt:

      Leider alles falsch: Die Mautsätze in Deutschland liegen nicht zwischen 24 und 30 Cent sondern betragen durchschnittlich 16 Cent; in Deutschland gelten 40 Tonnen und nicht 60. Und 10.000 Lkw am Tag auf der B71? Das wären alle 8 bis 9 Sekunden ein Lkw rund um die Uhr… Außerdem fährt man seit jeher Abkürzungen um Zeit und Sprit zu sparen (Spritsparen ist ökologisch – schon mal was davon gehört?). In der Regel verlierst Du aber Zeit, wenn Du von der Autobahn runtergehst (Ampeln usw.) und der Verbrauch geht hoch, d.h. der Transport wird teurer (Fahrer und Fahrzeuge kosten jede Minute Geld). Diese Mehrkosten übersteigen in der Regel die Mautersparnis. Übrigens fahren die Lkw nicht zum Vergnügen durch die Gegend, sondern auch um Leute wie Hungerleider einen vollen Kühlschrank zu bescheren – oder kommst Du lieber zur Autobahn und holst Deine Lebensmittel am Rastplatz ab – weil die Lkw dürfen ja nicht von der Autobahn runter, wenn es nach Dir geht… Ohne Schaum vorm Mund sieht man besser! Schönen Tag noch alle zusammen.