Arbeitslose profitieren nicht vom Beschäftigungs-Wachstum

Arbeitslosenzahl fällt im März leicht um 83.000 auf 3,055 Millionen. Doch die Arbeitslosen profitieren nicht vom Beschäftigungswachstum. Sie konkurrieren mit der höheren Erwerbstätigkeit qualifizierter Frauen, der längeren Erwerbstätigkeit Älterer und mit qualifizierten Zuwanderern.

Für die noch gut drei Millionen registrierten Arbeitslosen in Deutschland verbessern sich die Aussichten auf einen neuen Job nur langsam. „Die Chance, aus Arbeitslosigkeit in Beschäftigung zu kommen, steigt leicht an“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Dienstag in Nürnberg. Der Abbau der Arbeitslosigkeit werde aber langsamer vorankommen als der Anstieg der Beschäftigung insgesamt. Im März ging die Arbeitslosenzahl leicht zurück, blieb aber über drei Millionen. Im April dürfte diese Marke erstmals seit Dezember wieder unterschritten werden. Im Europa-Vergleich weist Deutschland zusammen mit Österreich die geringste Arbeitslosigkeit auf.

Für dieses Jahr erwartet die BA eine auf Rekordniveau steigende Erwerbstätigkeit ebenso wie eine weiter steigende sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Arbeitslose profitieren davon aber nur zum Teil. Sie stünden in Konkurrenz mit der höheren Erwerbstätigkeit qualifizierter Frauen, der längeren Erwerbstätigkeit Älterer und mit qualifizierten Zuwanderern, sagte Weise. Zwei Drittel der Arbeitslosen hätten mindestens ein Handicap, wie etwa keinen Schul- oder Berufsabschluss oder ein Alter über 50 Jahre.

Die BA will vermeiden, dass Arbeitslose zu weit abgehängt werden. Sie will sie daher stärker qualifizieren. „Strukturell haben sie nicht die Chance, dieses Beschäftigungswachstum zu nutzen“, sagte Weise. „Das ist unser Programm, diese Menschen zu befähigen, dass sie doch eine Chance haben.“

Bei der BA waren im März 3,055 Millionen Arbeitsuchende registriert. Das waren 83.000 weniger als im Februar und 43.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank im Monatsvergleich um 0,2 Punkte auf 7,1 Prozent. „Im März hat sich die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt fortgesetzt“, sagte Weise. „Neben der üblichen Frühjahrsbelebung kommt auch die gute Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt an.“ Unter Herausrechnung der Saison-Schwankungen ging die Arbeitslosenzahl um 12.000 zurück. Das ist der vierte saisonbereinigte Rückgang in Folge.

Von den 28 EU-Mitgliedsstaaten wiesen nach international vergleichbaren Berechnungen Österreich mit 4,8 Prozent und Deutschland mit 5,1 Prozent im Januar die niedrigste Arbeitslosigkeit auf, wie Eurostat mitteilte. Schlusslichter waren Spanien (25,6 Prozent) und Griechenland (27,5 Prozent).

Im Februar gab es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 41,69 Millionen Erwerbstätige und damit 314.000 mehr als vor einem Jahr. Nach Berechnungen der Bundesagentur waren im Januar 29,38 Millionen Menschen sozialabgabenpflichtig beschäftigt, 414.000 mehr als ein Jahr zuvor.

In der steigenden Zahl von Zuwanderern aus Rumänien und Bulgaren sieht die BA keine Bedrohung. Im Gegenteil: „Die Beschäftigung wird weit stärker wachsen als die Zahl der Leistungsempfänger“, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt mit Blick auf den Anteil von Rumänen und Bulgaren, die Hartz-IV-Leistungen beziehen. Die BA rechnet laut Alts Vorstandskollegen Raimund Becker mit einem Netto-Zuzug von etwa 140.000 Bürgern aus den beiden EU-Staaten, für die am Jahresanfang die letzten Schranken zum deutschen Arbeitsmarkt gefallen waren (mehr dazu – hier).

 

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Vor allem Langzeitarbeitslose profitieren nicht und niemals vom Beschäftigungs-Wachstum, weil die Job-Center (bewusst?) keine evaluierten und qualifizierten Programme zur Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess anzubieten haben. Dazu gehörte u.a. aufsuchende Sozialarbeit ebenso wie fortlaufende körperliche und geistige Ertüchtigung. Last but not least wäre ein dritter Arbeitsmarkt zu eröffnen mit Neugründungen von professionell geführten, kleinen Betrieben, wo dieses Klientel eine sinnvolle Tätigkeit finden könnte. Stattdessen verpulvert die Nürnberger Anstalt das Geld der Steuerzahler in sinnlosen Programmen von sogenannten Bildungsträgern.