Volkswirte erwarten steigende Inflation durch hohe Lohn-Abschlüsse

Steigende Löhne sollen dafür sorgen, dass das Inflationsziel bald weit überschritten wird. Städte und Kommunen werden die hohen Personalkosten durch höhere Gebühren und Steuern kompensieren, sagen Volkswirte voraus. Wenn mehr Geld im Umlauf ist, werden Geschäfte zusätzlich an der Preisschraube drehen.

In vielen europäischen Ländern geht die Angst vor einer Deflation um. Während in Krisenstaaten wie Griechenland und Spanien die Preise fallen und die Europäische Zentralbank deshalb an ihrer Niedrigzinspolitik festhält, sagen Experten für Deutschland eine merklich anziehende Inflation voraus. Ein Grund dafür sind die aktuell hohen Tarifabschlüsse (mehr hier) und die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns (hier). Unternehmen und Kommunen dürften versuchen, höhere Personalkosten weiterzugeben, indem sie Preise und Gebühren anheben. 2015 könnte die Teuerungsrate deshalb Richtung drei Prozent marschieren, erwartet beispielsweise das Kieler Institut für Volkswirtschaft (IfW). Derzeit liegt sie bei nur einem Prozent.

„Wir bewegen uns in Deutschland in Richtung eines inflationären Booms„, sagt IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide. „Konjunktur und Arbeitsmarkt laufen gut, was den Unternehmen ermöglicht, höhere Personalkosten an die Kunden weiterzureichen.“ Und die Löhne und Gehälter dürften sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr kräftig anziehen, wie die ersten Tarifabschlüsse zeigen:

Die 2,1 Millionen Beschäftigten von Bund und Ländern erhalten in diesem und im kommenden Jahr über fünf Prozent mehr. Die 550.000 Beschäftigten in der Chemieindustrie freuen sich über ein Plus von 3,7 Prozent in diesem Jahr (mehr hier). In der boomenden Baubranche wird ein noch höherer Abschluss erwartet: Die IG Bau fordert sieben Prozent für die mehr für die 760.000 Beschäftigten.

„Wir werden 2014 und 2015 die höchsten Lohnsteigerungen seit Jahren sehen“, ist sich Scheide sicher. Dazu trägt auch der gesetzliche Mindestlohn bei. Derzeit arbeiten nach Angaben des Tarifarchivs des gewerkschaftsnahen WSI-Instituts etwa 5,3 Millionen Beschäftigte für Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro – besonders in Branchen wie der Landwirtschaft, der Floristik und dem Bewachungsgewerbe sind solche Niedriglöhne weit verbreitet. Sie bekommen ab 1. Januar 2015 mindestens 8,50 Euro die Stunde. Ob Spargel oder der Haarschnitt: vieles dürfte dann mehr kosten.

Auch die gute Beschäftigungslage treibt die Löhne. „Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt„, sagt Josef Kaesmeier vom Vermögensverwalter MFI Asset Management. „Die Unternehmen sind bereit, in Personal zu investieren, damit die Geschäfte auch weiter brummen können.“ Das sieht Ökonom Christoph Swonke von der DZ Bank genauso. „Wegen des aufkommenden Fachkräftemangels spielt die Beschäftigungssicherung eine immer größere Rolle“, erklärt der Experte. „Das wird die Löhne nach oben treiben. Die Unternehmen werden versuchen, die höheren Personalkosten weiterzugeben.“

Bei den Kommunen sieht es nicht anders aus. Der am Dienstag erzielte Tarifabschluss kostet sie gut 4,5 Milliarden Euro. Die Personalkosten machen mit knapp 55 Milliarden Euro bereits jetzt mehr als ein Viertel der Ausgaben der Städte und Gemeinden aus. Schon 2013 wollten drei Viertel aller Kommunen ihre Steuern und Gebühren erhöhen, fand die Beratungsgesellschaft EY bei einer Umfrage heraus. In diesem Jahr dürften es nicht weniger werden.

Höhere Löhne wecken Begehrlichkeiten – auch bei Unternehmen, deren Personalkosten nicht steigen. Denn auch sie bekommen mit, dass durch die ordentlichen Lohnabschlüsse mehr Geld im Umlauf ist. Die Versuchung ist deshalb groß, an der Preisschraube zu drehen. Zumal im Exportgeschäft die Chancen dafür eher schlecht stehen. Im Gegenteil: Im Februar senkten die deutschen Firmen ihre Exportpreise bereits den zehnten Monat in Folge, da die Nachfrage beispielsweise in der Euro-Zone wegen der sehr hohen Arbeitslosigkeit schwächelt. Auf dem boomenden Heimatmarkt lässt sich das zumindest teilweise wieder ausgleichen (mehr zu den Preisen in der Industrie – hier).

Das IfW, die DZ Bank und MFI Asset Management sagen eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,5 Prozent für 2014 voraus. In den vergangenen 20 Jahren lag der Wert nur einmal höher: 2008 mit 2,6 Prozent. „Das heißt, dass wir in einzelnen Monaten dann auch mal wieder eine Drei vor dem Komma sehen können“, sagt MFI-Experte Kaesmeier. Deflation ist dann für Deutschland kein Thema mehr (hier).

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Kommentare

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  1. jagenau sagt:

    über 3% ???????

    Dann liegt sie jetzt bei -7% ????

  2. popper sagt:

    Ja hoffentlich, sonst kommen wir aus der Deflation nicht heraus.

  3. Gegen die Verstaatlichung meines Lebens - mit allen Mitteln! sagt:

    Sozialkostenbelastende Rentner werden durch eine Inflationssteigerung bei der vorhandenen langjährigen Rentenerhöhungsentwicklung ausgehungert, das haben die Verantwortlichen vergessen in die Inflationslobeshymne einzubringen.

  4. Eddi sagt:

    Die Deutschen Wirtschaft Nachrichten haben am 29.03.14 ein sehr interessanten Artikel über die Lohnentwicklung seit 1993 in Deutschland veröffentlicht. Kann ich nur empfehlen. Es wird mal aufgezeigt wie sich die Löhne gegenüber der Produktivität in Deutschland entwickelt haben und wie das Volk an der Produktivitätssteigerung teilhaben konnte.
    Resultat:der arbeitende Mensch schaut in D-Land in die Röhre.

  5. crisu sagt:

    DRINGENDE INFORMATION AN ALLE KREDITNEHMER ! Pressekonferenz Kreditopferverein

    Klagen gegen Banken sind jetzt möglich :
    Banken betrügen durch Vortäuschung von Refinanzierungskosten,
    erzeugen Geld aber selbst. LIBOR/ Euribor Skandal macht alle Kreditverträge ungültig.

    http://www.banken-volksbegehren.at/videoblog/227-kreditopferverein-pressekonferenz-26022014

  6. Jupp Hirsenkoetter sagt:

    Um festzustellen oder vorherzusagen, dass Kommunen und Stadte die extrem hoeheren Lohn-,Gehalts- und Pensionskosten durch drastische Steigerungen der Gebuehren und Hebesaetze quasi alternativlos kompensieren oder sogar ueberkompensieren, braucht man keinen Volkswirt, gesunder Menschenverstand reicht dazu aus!
    Wie denn sonst?
    Auf zwei produktive Arbeitnehmer zu Facharbeiterloehenen kommen jetzt schon fast 1/2 Rentner & 1/2 Staatsbediensteter incl der Long-life-Pensionaere und Hartzer!

    Da werden fuer unproduktive Taetigkeiten die Mindestloehne drastisch erhoeht, aber fuer die freie Wirtschaft um jeden Penny gefeilscht.

    8.50 Euro / h = 1350.00 Euro / Monat !
    Wo liegen die Mindestloehne im offentlichen, unproduktiven Service-Dienst?
    Wie hoch sind die Renten incl der Zusatzversicherungen im oeffentlichen Dienst?

    Das passt nicht ( mehr) zusammen!