Österreich könnte Verbund-Anteile an sich selbst verkaufen

Der Staat will seine Anteile an dem Energiekonzern Verbund in die Staatsholding ÖIAG verschieben. Dadurch könnten 2,6 bis 3 Milliarden Euro in die Staatskassen gespült werden. Das Wirtschaftsministerium verwaltet derzeit noch den Staatsanteil am Verbund von 51 Prozent. Durch den Vorgang würde Österreich den Energiekonzern an sich selbst verkaufen.

Österreich erwägt einem Zeitungsbericht zufolge seinen Staatsanteil von 51 Prozent am Energiekonzern Verbund in die Staatsholding ÖIAG einzugliedern. Das berichtete das Nachrichtenmagazin News am Donnerstag unter Berufung auf mehrere involvierte Strategen. Dabei bleibe zwar der Staat weiterhin Mehrheitseigentümer an dem größten österreichischen Versorger. Der Verkauf der Verbund-Aktien an die ÖIAG würde jedoch 2,6 bis drei Milliarden Euro in das Budget spülen. Die ÖIAG müsse den Kauf mit einem Kredit oder einer Anleihe finanzieren, berichtete das Blatt. Verbund und ÖIAG wollten sich dazu nicht äußern. Ein Sprecher des Finanzministeriums erklärte, es gebe Überlegungen zur Neuausrichtung der Staatsholding – allerdings noch keine konkreten Beschlüsse.

Ob mit der Transaktion auch eine weitere Privatisierung des Versorgers verbunden ist, ließ die Zeitschrift offen. In ihrem Regierungsprogramm haben sich die Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP darauf geeinigt, dass die ÖIAG ihre Anteile an Staatsfirmen auf eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie reduzieren soll. Zudem ist darin festgehalten, dass das Portfolio der Staatsholding möglicherweise erweitert wird. Derzeit hält die ÖIAG unter anderem Anteile an OMV, Telekom Austria und Österreichischer Post.

Österreichs größter Stromkonzern Verbund stellt sich auf magere Zeiten ein. Fallende Strom-Großhandelspreise infolge einer massiven Überangebots würden den Gewinn im laufenden Jahr deutlich schmälern, erklärte der teilstaatliche Konzern. „Wir haben kein Umfeld, wo eine kleine Krise da ist, sondern eine revolutionäre Veränderung, die im gesamten Sektor vonstattengeht“, sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Der Konzerngewinn werde 2014 voraussichtlich um 74 Prozent auf rund 150 Millionen Euro einbrechen, bekräftigte der Konzern.

Verbund machen ebenso wie den großen deutschen Versorgern die gefallenen Großhandelspreise (mehr hier) zu schaffen. Vor allem Deutschland produziert derzeit mehr Strom als benötigt wird – unter anderem durch die massive Förderung von Wind- und Sonnenenergie sowie die niedrigen Preise für CO2-Verschmutzungszertifikate, durch die sich der Betrieb von Kohlekraftwerken wieder lohnt. Verbund erzeugt seinen Strom hauptsächlich aus Wasserkraft. Für diese Art der Energiegewinnung gebe es im Gegensatz zur Erzeugung aus Wind- oder Sonnenkraft keine Förderung, beklagte Anzengruber.

Verbund betreibt 125 Wasserkraftwerke, die an den großen Flüssen Donau und Inn liegen. Deutschland ist für die Österreicher neben dem Heimmarkt der wichtigste Absatzmarkt. Sie sind vor allem in Süddeutschland aktiv, wo sie im vergangenen Jahr vom Energiekonzern E.ON acht Wasserkraftwerke übernommen hatten. Im Gegenzug hatten die Düsseldorfer den 50-Prozent-Anteil von Verbund am türkischen Energieunternehmen Enerjisa erhalten.

Das Geschäft mit E.ON brachte Verbund Sondereinnahmen, die die Bilanz aufhübschten. Unter dem Strich steigerte der Konzern den Gewinn 2013 um fast die Hälfte auf knapp 580 Millionen Euro. Operativ brach das Ergebnis (Ebit) jedoch wegen hoher Abschreibungen auf unrentable Gaskraftwerke um 83,7 Prozent auf 147 Millionen Euro ein.

Besondere Sorgen bereiten Verbund die Gaskraftwerke. „Gaskraftwerke sind in Europa nicht mehr wirtschaftlich betreibbar“, beklagte Anzengruber. Das Unternehmen hat das Gas über langfristige Lieferverträge im Voraus zu hohen Preisen eingekauft. Der Betrieb der Anlagen lohnt sich aber nicht mehr, weil die Strompreise so stark gefallen sind. 2013 musste Verbund daher Abschreibungen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro vornehmen. Neben dem steirischen Kraftwerke Mellach besitzt Verbund noch zwei Kraftwerke in Frankreich sowie eine Minderheitsbeteiligung in Italien. Damit die Gaskraftwerke nicht auf Dauer die Finanzen belasten, prüft Verbund Optionen für seine Gaskraftwerke. „Von einem Weiterbetrieb, über einen Verkauf bis hin zu einer Teil- oder Ganzstilllegung ist alles möglich“, sagte Anzengruber.

 

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  1. Dummheit unauslöschlich sagt:

    Huch, ein neues Perpetuum mobile ist geboren.