Studie: Staatsschulden der Schweiz steigen auf 200 % des BIP

Der demografische Wandel in der Schweiz lässt die Kosten für die Renten explodieren. Schon 2019 können die Beiträge die Kosten des Rentensystems nicht mehr decken. Eine Studie bescheinigt der Schweiz eine ähnlich hohe Staatsverschuldung wie Japan.

Eine Studie der Großbank UBS beziffert die Staatsschulden der Schweiz auf über 202,9 Prozent des BIP. Eine ähnlich hohe Staatsverschuldung hat nur noch Japan. Die Studie rechnet die Verpflichtungen aus der Krankenkasse und der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) mit ein. Diese „implizite Staatsschuld“ der Schweiz beträgt demzufolge 167,4 Prozent des BIP. Zu dieser Zahl müsse die aktuelle Staatsverschuldung von 35,5 Prozent des BIP noch addiert werden, so die Volkswirte der UBS. Die Gesamtschulden belaufen sich dann auf über 1,2 Billionen Franken.

„Seit dem Scheitern der 11. AHV-Revision und der Ablehnung der Herabsetzung des Umwandlungssatzes im Jahre 2010 ist die Kluft zwischen Reformbedarf und Reformfähigkeit weiter gewachsen,“ sagt Andreas Schlatter, Mitglied der eidgenössischen Kommission für die berufliche Vorsorge und Leiter von UBS Global Asset Management Schweiz.

Die implizite Staatsschuld berechnet sich aus dem zukünftigen Missverhältnis der Ausgaben- und Einnahmenentwicklung des öffentlichen Haushalts. In der Altersvorsorge werden die Beiträge und Rentenzahlungen jeder Generation unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung verglichen. Der Zusammenhang zwischen der Altersvorsorge und dem öffentlichen Haushalt sei naheliegend: „Rentenversprechen, die nicht aus dem Vorsorgesystem heraus finanziert werden können, sind schliesslich eine Verpflichtung des Staates“, sagt Veronica Weisser, Ökonomin und Vorsorgeexpertin von UBS.

Die Studie „Schweizer Altersvorsorge und Generationenbilanz: Lasten in die Zukunft verschoben“ zeigt deutlich, dass die implizite Staatsverschuldung der Schweiz das Niveau der tatsächlich ausgewiesenen expliziten Schulden massiv übersteigt.

Die Finanzierungslücke in der AHV beträgt 173,4 Prozent des Schweizer BIP, das entspricht etwa einer Billion Schweizer Franken. Die jüngeren Jahrgänge werden übermäßig stark belastet. Denn die Lücke soll durch eine Mehrwertsteuererhöhung ab 2025 geschlossen werden. Die Mehrbelastung für eine Person des Jahrgangs 2010 beläuft sich dann auf 1590 CHF pro Jahr.

Je weiter man zurückrechnet, desto deutlicher wird das Bild von der Kostenexplosion bei der Altersvorsorge. Wer 1980 geboren wurde, musste schon 890 Franken mehr zahlen, als Schweizer des Geburtenjahrgangs 1949.

Das zeigt sich auch bei den Rentnern. Rentner höheren Alters sind deutlich bessergestellt. „Zum Beispiel hat eine heute 85-jährige Person (Jahrgang 1929) eine Minderbelastung von etwa 680 Franken pro Lebensjahr gegenüber dem heute 65-jährigen Neurentner“, heißt es in einer Mitteilung der UBS.

„Bei einer Finanzierungslücke in dieser Grössenordnung kann von einer nachhaltigen Finanzierung der AHV keine Rede sein“, sagt Bernd Raffelhüschen, Leiter des Forschungszentrums Generationenverträge. Zukünftige Generationen werden sich daher auf höhere Belastungen einstellen müssen.

Das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenbeziehern wird immer ungünstiger für die zahlende Generation. Statt wie aktuell fast vier Beitragszahler pro über 64-Jährigen werde es 2060 lediglich zwei Erwerbsfähige pro Rentnerin oder Rentner geben.

Bei den öffentlichen-rechtlichen Pensionskassen gebe es zudem eine Unterdeckung von rund 50 Milliarden Franken. Die Rentenversprechen sind also nicht vollständig finanziert.

Kommentare

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  1. Kurt Stöckly sagt:

    Im Grundsatz stimme ich „Elisa“ zu. Von wem wurde die UBS, die nota bene mit 60 Milliarden vor dem Abgrund gerettet werden musste, gerettet? Ach so, klar die UBS hätte unser Wirtschaftssystem mitgerissen. Dem ist beizupflichten. Warum hat dann die Regierung nach dieser Notrettung (die nicht demokratisch legitimiert war und mit Notrecht durchgeführt wurde) nicht wenigstens einen Verwaltungsrat ins oberste Gremium der Bank durchgedrückt? Klar, da stand ja Kaspar Villiger, der Alt-Bundesrat bereit um das Präsidium ad iterim zu übernehmen. Honni soi qui mal y pense!

    Dieser ganze Rentenquatsch wurde also von diesem „vertrauenswürdigen“ Bankinstitut verfasst! Da wundert mich eigentlich gar nix mehr! Zu einem andern Schluss können die ja gar nicht kommen und es gibt immer wieder Leute, die solchen Schwachsinn glauben…

  2. Rolf sagt:

    @ Herr Stiller
    Ich habe Ihre Antwort an Elisa gelesen und kann sie nicht nachvollziehen. Sie sagt mit keiner Silbe, dass die Fakten ‚falsch‘ seien. Sie sagt lediglich, und das nun mit meinen Worten, dass die Regierungen von z.B. Deutschland und der Schweiz nicht in Berlin und Bern sondern in Frankfurt und Zürich sitzen. Und die Politiker sind lediglich die Handlanger derjenigen, die sich an 90 % der Gesellschaft bereichern (ohne z.T. auch nur eine Minute zu arbeiten).

    Was meinen Sie, warum steigen die Staatsverschuldungen aller Nationen ins unermessliche? Die drei wirtschaftsstärksten Nationen (USA, D, J) sind jene Nationen, welche mit Abstand am höchsten verschuldet sind. Paradox, nicht? Und WER sind die Gläubiger? Kennen Sie die Antwort?

  3. Heinz Stiller sagt:

    @Elisa. Und was wollen Sie uns jetzt mit diesen paar hohlen Phrasen sagen? Wenn die im Artikel aufgeführten Fakten Ihrer Meinung nach falsch sind, dann belegen Sie es mit konkreten Angaben aus Ihrer Sicht, anstatt einfach nur herumzuschwätzen.

  4. Elisa sagt:

    Die DWN sollte solche Nachrichten kritischer überprüfen. Die Schweizer sind nicht die Schweizer Regierung und auch nicht die Schweizer Banken!!!
    Die Schweizer müssen sich, wie Bürger anderer Europäischer Nationen, dem Diktat der Bankkonzerne und Wirtschaftskonzerne wie auch dem Einfluss der lobbyierten Politiker ausgesetzt sehen. Eine manipulative zielgerichtete Informationspolitik – wie es dieser Artikel zeigt – gehört zu deren Strategie.