Deutsche Autobauer sind abhängig vom Absatz in China

Audi, BMW und Mercedes verkaufen so viel in China wie nie zuvor. Stretch-Limousinen und Geländewagen sind besonders gefragt. Mit dem schwachen Absatzmarkt in Europa steigt die Abhängigkeit von der Kauflaune der Chinesen. Deutsche Autobauer dominieren den Markt in China. Jedoch besitzen nur 5 Prozent der Chinesen ein eigenes Fahrzeug.

Wenige Wochen vor der Automesse in Peking präsentieren die deutschen Premiumhersteller einen Rekordabsatz im größten Automarkt der Welt. Die Nase vorn in China hat bei der Stückzahl nach wie vor die Volkswagen-Tochter Audi, gefolgt von BMW und Mercedes von Daimler. Von Januar bis März lieferten alle drei Hersteller so viele Fahrzeuge aus wie nie zuvor. Audi meldete am Freitag ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf gut 124.000 Wagen mit den vier Ringen am Kühler. Auch BMW und Mercedes erreichten mit 101.000 (plus 25 Prozent) und 67.000 (plus 48 Prozent) Bestmarken im ersten Quartal.

Die Abhängigkeit der deutschen Autobauer von der Kauflaune der Konsumenten im Reich der Mitte ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Manche Experten sehen darin ein Problem heraufziehen, wenn die jahrelang stark wachsende Wirtschaft Chinas einbrechen sollte oder politische Konflikte wie aktuell zwischen dem Westen und Russland in der Krim-Krise das Geschäft treffen sollten. Der Erfolg auf dem Riesenmarkt ist aber entscheidend für die Wachstumsziele der Premiumhersteller. Daimler hat sich vorgenommen, bis 2020 wieder die Nummer eins weltweit zu sein, liegt derzeit aber hinter BMW und Audi auf Platz drei. Die VW-Tochter hat dasselbe Ziel. Beide bauen ihr Vertriebsnetz in China stark aus.

Die betuchte Kundschaft Chinas, die sich an Ostern auf der Automesse in Peking die Neuheiten der Hersteller anschauen kann, legt vor allem Wert auf Platz im Auto. So sind Audi und Mercedes mit Nobelkarossen in Langversion wie dem Audi A6 und der E-Klasse erfolgreich. Auch Geländewagen sind gefragt.

Die Massenproduzenten stellen die Verkaufszahlen der Luxusklasse allerdings in den Schatten. So verkaufte die Opel-Mutter General Motors im ersten Quartal 919.000 Autos, zwölf Prozent mehr als im vergangenen Jahr. So wie GM verkaufte auch Volkswagen im vergangenen Jahr fast ein Drittel aller Fahrzeuge in China.

Für Daimler war das erste Quartal insgesamt das absatzstärkste der Unternehmensgeschichte. In den ersten drei Monaten schlugen die Schwaben mit 374.000 Pkw rund 15 Prozent mehr los als vor Jahresfrist. Im März stiegen die Auslieferungen um 13,3 Prozent auf gut 158.000 Stück, wie der Konzern weiter mitteilte. Starke Zuwächse verzeichneten die neue E- und S-Klasse. Weitere Impulse erwarte Mercedes von der neuen C-Klasse und dem kleinen Geländewagen GLA, die seit einigen Wochen in Europa ausgeliefert werden, wie Vertriebschef Ola Källenius erklärte. Zum Premierenwochenende im März hätten die Händler in ganz Europa eine halbe Million Besucher gezählt.

In Europa steigerte Mercedes die Verkaufszahlen im März wie auch im ganzen ersten Quartal um rund 7,5 Prozent. Das lag vor allem an der hohen Nachfrage in Großbritannien. Auf dem Heimatmarkt Deutschland stieg der Absatz im ersten Quartal um 5,4 Prozent – damit blieb Daimler die zulassungsstärkste Premiummarke.

Deutsche Autobauer führend auf dem chinesischen Markt

Deutsche Autobauer sind in China spitze. Mit einem Marktanteil von 20 Prozent sind sie die führende westliche Autobaunation vor Ort. Seit 2010 ist China der weltweit größte Automobilmarkt – und zudem äußerst profitabel. Die westlichen Autobauer dominieren in China, zusammen machen sie rund 60 Prozent des Marktes aus. Und dieser wächst: Zwischen 2008 und 2010 haben sich die Neuzulassungen verdoppelt, seitdem verzeichnet der Markt ein etwas langsameres, aber stetiges Wachstum. In 2013 sind die neu registrierten Fahrzeuge um 16 Prozent auf über 17,5 Millionen PKW gestiegen, für 2014 prognostiziert Euler Hermes bis zu 19 Millionen Neuzulassungen. Gute Aussichten für die meisten Autobauer.

Status: Nur 5 Prozent der Chinesen haben ein Auto

„Autos sind in China ein wichtiges Statussymbol“, sagte Ulrich Nöthel, Euler Hermes Vorstand. „Wer ein Auto hat, hat den sozialen Aufstieg geschafft, je luxuriöser, desto besser. Wohlhabende Chinesen zögern also nicht beim Erwerb von teuren Modellen und umfangreicher Sonderausstattung. Der dortige Markt hat außerdem noch viel Aufwärtspotenzial: Nur etwa 5 Prozent der 1,3 Milliarden Chinesen besitzen derzeit ein eigenes Auto – in Europa sind es hingegen 60 Prozent. Zudem hat Chinas Regierungschef Li dem Smog und der Umweltverschmutzung den Kampf angesagt und Anfang März angekündigt, dass in diesem Jahr rund sechs Millionen Autos von den Straßen verschwinden sollen, deren Abgasausstoß zu hoch sei. Diese sollen durch effizientere Technik ersetzt werden. Das zeigt, wie gut die langfristigen Wachstumsaussichten der Automobilbranche im Reich der Mitte sind. Unsere Statistik zeigt, dass deutsche Autobauer schon heute davon profitieren.“

Kraftfahrzeuge und insbesondere Fahrzeugteile waren im Jahr 2013 mit einem Anteil von über 17% am Gesamtexport der Bundesrepublik der Exportschlager:

„Insgesamt exportierten deutsche Automobilfirmen im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 190 Milliarden Euro ins Ausland“, sagte Thomas Krings, Risiko-Vorstand bei Euler Hermes. „China ist seit Jahren eine der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften. Insgesamt sehen wir bei Exporten nach China ein moderates Ausfallrisiko und bewerten das Land entsprechend gut. Das gleiche gilt für die Automobilbranche – sowohl in Deutschland als auch in China.“

95% der Fahrzeuge, auch die der westlichen Autobauer, werden in China hergestellt. In der Regel geschieht dies über Joint Ventures mit einheimischen Staatsunternehmen, die meist je zur Hälfte beteiligt sind (mehr hier). Diese Form der Direktinvestition ausländischer Autobauer hat die chinesische Regierung 1981 genehmigt. Dies führte in den vergangenen Jahren zwar einerseits zu rückläufigen Export von Fahrzeugen nach China, gleichzeitig jedoch auch zu steigenden Exportzahlen bei Fahrzeugteilen aus dem Westen. Die Autobauer produzieren in den Fabriken vor Ort jedoch zumeist bereits eingestellte ausländische Modelle unter chinesischem Markennamen, insbesondere, wenn diese bereits durch eine neue Autogeneration ersetzt wurde. So vermeiden die westlichen Autobauer einen Interessenskonflikt oder eine Konkurrenzsituation mit ihren eigenen imageträchtigen Marken – die nach wie vor bei den Chinesen aus Imagegründen einer großen Beliebtheit erfreuen.

Neben den Joint Ventures gibt es in China zudem mehr als 80 kleine staatliche und private Firmen mit begrenzter lokaler Reichweite und ungewissen Zukunftsaussichten – rund 80 Prozent der Hersteller verzeichnen nur schwache Umsätze. Sie sind zu klein, um bei Forschung und Entwicklung mit den westlichen Autobauern mithalten zu können. Nur etwa 15 dieser Firmen verfügen über eine Produktionskapazität von mehr als 100.000 Fahrzeugen pro Jahr.

 

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.