Maschinenbauer sehen viel Wachstumspotenzial in Afrika

Der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebauer, Reinhold Festge, sieht Afrika als wichtigen Wachstumsmarkt an. Der Absatz von deutschen Maschinen stieg dort im letzten Jahr um elf Prozent. Afrika dürfe auch in Zukunft nicht nur der Konkurrenz aus China und den USA überlassen werden, so Festge.

Das starke Wirtschaftswachstum in vielen Staaten Afrikas lockt immer mehr Maschinenbauer auf den Kontinent. „Wir sehen große Chancen in Afrika“, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Reinhold Festge, der Nachrichtenagentur Reuters auf der Hannover Messe. „Es gibt dort enorme Rohstoff- und Energiefunde, die es den Afrikanern erlauben, in Infrastruktur, in Wirtschaftswachstum zu investieren.“ Dieses Feld dürften die Deutschen nicht Konkurrenten aus China, den USA, Italien oder Frankreich überlassen, die dort bereits vorpreschten.

Festge, der seit Herbst vergangenen Jahres den Verband führt, weiß, dass er bei einigen Herstellern noch Überzeugungsarbeit leisten muss. „Wir müssen nachhelfen“, sagte der VDMA-Präsident. 2013 sei der Absatz von Maschinen „Made in Germany“ in Afrika um elf Prozent auf 4,4 Milliarden Euro gestiegen. Dennoch ist der Absatz in die über 50 Staaten Afrikas zusammen noch geringer als der in das Nachbarland Niederlande. Besonders stark gefragt seien in Afrika Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Bau- und Baustoffmaschinen sowie die Fördertechnik. Große Chancen gebe es für Landmaschinen, die Energieerzeugung oder Anlagen für Trinkwasser oder Abwasser.

Wichtigster Einzelmarkt für die Maschinenbauer ist bislang Südafrika. Erhebliche Potenziale sieht die Branche in Algerien, Nigeria, Ghana, Angola und in ostafrikanischen Ländern wie Kenia, Tansania und Äthiopien. Wegen politischer Unruhen sei das Geschäft in nordafrikanischen Staaten wie Libyen und Ägypten zuletzt etwas abgeflacht. Dies könne sich nach einer Beruhigung der Lage aber wieder ändern.

„Das ist ein erwachender Kontinent, das ist ein schwieriger Kontinent. Da fangen wir auch ganz ganz unten an“, räumt Festge ein, fügt aber hinzu: „In dem kleinsten Land gibt es für die deutsche Industrie immer eine Chance, etwas zu verkaufen.“ Afrika habe einen enormen Nachholbedarf, von dem die Maschinenbauer profitieren könnten. Das Image eines von Krieg, Krankheiten und Korruption geplagten Kontinents stimme nicht mehr. Das Wirtschaftswachstum in vielen Ländern führe zu einer größeren Mittelschicht. Die Zahl der Privatfirmen nehme zu und auch die Nachfrage nach verarbeiteten Produkten. „Wenn Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn Industrie ins Land kommt, gibt es Konsumsteigerung. Die Leute wollen satt werden“, sagte Festge. Zudem wollten viele Länder ihre Rohstoffe wie Öl, Gas, Bergbauerzeugnisse oder Agrarprodukte im eigenen Land weiterverarbeiten – und genau hier kämen die deutschen Maschinenbauer ins Spiel.

Ein Problem sei für viele Unternehmen noch die Absicherung der Geschäfte. Hermes-Bürgschaften seien für die Aufträge oftmals nicht zu bekommen. Die überwiegend mittelständisch geprägte Maschinenbaubranche, zu der auch börsennotierte Konzerne wie ThyssenKrupp und Gea gehören, habe nur begrenzte Möglichkeiten. „80 Prozent aller VDMA-Mitgliedsfirmen haben weniger als 200 Beschäftigte. Von denen können Sie nicht erwarten, dass die jetzt freiwillig auf eigene Rechnung und eigenes Risiko nach Afrika gehen.“ Der Verband suche mit der Bundesregierung nach Lösungen. „Wir brauchen ein Zeichen von der Bundesregierung.“

Für den Aufbau einer eigenen Produktion vor Ort sei es für die meisten deutschen Firmen noch zu früh, betont Festge. „Wir sollten den Afrikanern erstmal mit Lieferungen helfen, auf die Beine zu kommen.“ Als zweites wollten die Anlagenbauer die Menschen im Umgang mit den Maschinen schulen. „Das Dritte ist, dass wir in Afrika einen ordentlichen Service aufbauen, damit die Sachen, die wir ihnen liefern, auch eine Langfristigkeit haben.“ Der Aufbau einer Produktion könne dann später folgen.

Kommentare

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  1. Marcos sagt:

    Scheinbar begreift es die Industrie immer noch nicht. Das „Erwachen“ des Kontinents hat damit zu tun, dass man sich z.B. China zuwendet weil es sich bemüht fertige Produkte, Infrastruktur, Krankenhäuser u.s.w. herzustellen. Wozu noch mit mitleidserregenden Videos zeigen wie ein Brunnen gebaut wird, wenn man direkt ein ganzes Kanalisationssystem schaffen kann?

    „Der Aufbau einer Produktion könne
    dann später folgen.“

    Nein, Herr Festge, er hat schon begonnen. Ohne ein imperialistisches Europa dass dem Hungernden lieber einen Fisch schenkt als ihm das Angeln beizubringen!

  2. Loewe2101 sagt:

    Die Idee ist gar nicht so verkehrt. Ich würde sie sogar noch ausweiten: Die Milliarden von Euro, die in der Asylindustrie versenkt werden, werden dazu genutzt, in Afrika RICHTIGE Entwicklungshilfe zu leisten.
    Agrarindustrie fördern, Menschen ausbilden und Europa von angeblichen Asylanten befreien.
    Ich fürchte nur, daß unsere linksgrüne Asylindustrie damit ein Problem hat. Denn dann gibts mit „Asylanten“ nix mehr zu verdienen….und was bitte ist „Arbeit“?

  3. jojo sagt:

    ist doch toll wenn duetsche maschinen nach afrika verkaufen.
    dank target II werden die dann von Michel bezahlt und alle sind glücklich.