Massenrückruf bei Toyota: Auch Fahrzeuge in Deutschland betroffen

Weltmarktführer Toyota ruft 6,58 Millionen Autos in Werkstätten zurück. 92.338 Fahrzeuge sind in Deutschland betroffen. Für Toyota häufen sich die Rückruf-Aktionen.

Der zunehmende Konkurrenzdruck in der Autobranche führt immer häufiger zu Qualitätsmängeln und zwingt die Hersteller vermehrt zu Massenrückrufen. Nach der Opel-Mutter General Motors beorderte nun auch Weltmarktführer Toyota wegen technischer Mängel erneut weltweit mehr als sechs Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. In Deutschland sind mehr als 90.000 Autos betroffen, wie der japanische Konzern am Mittwoch mitteilte. In Nordamerika seien 2,34 Millionen Halter angeschrieben worden, in Europa insgesamt 825.000.

Die Gründe für den größten Rückruf von Toyota an einem einzigen Tag seit 2012 sind vielschichtig und betreffen insgesamt 27 Modelle. Bei den Kleinwagen Yaris und Urban Cruiser, die zwischen Januar 2005 und August 2010 produziert wurden, könne es Probleme an den Sitzschienen oder mit einem Befestigungspunkt der Lenksäule geben, teilte Toyota mit. Beim Geländewagen RAV4 und beim Pick-up Hilux, die zwischen Juni 2004 bis Dezember 2010 hergestellt wurden, könne es zu einem Bruch im Fahrzeugkabelbaum kommen. Das könne auch die Funktion von Airbags einschränken. Es gebe jedoch keine Unfälle, die im Zusammenhang mit der Rückrufaktion stünden. In Deutschland sind nach Angaben von Toyota insgesamt 92.338 Fahrzeuge betroffen. Die hohe Zahl führt Toyota darauf zurück, dass Qualitätsmängel inzwischen sofort öffentlich gemacht würden.

Risiko von Rückrufen gestiegen

Insgesamt nimmt in der Pkw-Branche die Zahl der Rückrufe zu, weil in der Produktion aus Kostengründen mehr gleiche Teile verwendet werden und mehr Elektronik in den Fahrzeugen steckt. Wenn es bei einem Lieferanten zu Problemen kommt, sind davon schnell viele Fahrzeuge betroffen. Das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach führt die Massenrückrufe auf die ehrgeizigen Wachstumsziele der Hersteller zurück. Hinzu komme eine zunehmende technische Komplexität der Fahrzeuge durch Antiblockierhilfen, Airbags, Fahrerassistenzsysteme sowie Navigations-, Telefon- und Internetdienste. Für Toyota ist es schon die dritte Rückrufaktion (mehr hier).

Dies dürfte durch die Vernetzung von Autos und das autonome Fahren noch zunehmen, wenn der Computer zeitweise das Steuer übernimmt, fürchten Experten. Gleichzeitig verkürzen die Hersteller die Entwicklungszyklen, um in immer kürzeren Abständen neue Modelle auf den Markt zu bringen. Die Analyse zeige, dass insbesondere hohe Wachstumsziele dazu verleiten könnten, die Qualitätsanforderungen zu vernachlässigen, warnt CAM-Leiter Stefan Bratzel.

Toyota selbst begründete die hohe Zahl der betroffenen Autos mit den Erfahrungen aus früheren Rückrufaktionen (hier). Wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten hatte der Konzern allein zwischen 2009 und 2011 mehr als zehn Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen. Mitte März einigte sich der Autobauer mit dem US-Justizministerium, in den USA 1,2 Milliarden Dollar Strafe zu zahlen. Toyota war die Probleme nur zögerlich angegangen. Die Rückrufe führten mit dazu, dass Toyota zeitweise die Weltmarktführung verlor, weil die Kundschaft Autos des japanischen Herstellers misstraute. Toyota hatte lange den Ruf, besonders zuverlässig zu sein. Inzwischen führen die Japaner die Weltliga der Autobranche vor GM und Volkswagen wieder an.

Nach den bitteren Erfahrungen der Jahre nach 2009 habe der Konzern die Schwelle für die Bekanntgabe von Mängeln deutlich gesenkt. „Wenn da auch nur ein Fitzelchen ist, reagieren wir sofort“, sagte ein Sprecher von Toyota Deutschland. Im Oktober 2012 hatte der Konzern weltweit mehr als sieben Millionen Halter angesprochen, um Fehler an elektrischen Fensterhebern zu beheben.

General Motors hatte erst jüngst nach massiver Kritik von US-Politikern in der Affäre um eine tödliche Pannenserie höchste Transparenz versprochen. Vorstandschefin Mary Barra musste sich bei Anhörungen im Kongress dafür rechtfertigen, dass GM mehr als zehn Jahre gebraucht habe, um die ersten Autos wegen Problemen mit dem Zündschloss zurückzurufen. Bei Unfällen, die auf fehlerhafte Zündungen zurückgeführt werden, sollen mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen sein. Mittlerweile wurden 2,6 Millionen Fahrer deswegen angeschrieben.

Auch bei anderen Herstellern kommen Rückrufe häufiger vor. Ford hatte jüngst 434.700 Halter vor allem in Nordamerika wegen verschiedener technischer Probleme angeschrieben. In einem Fall könnten Rostschäden dazu führen, dass die Lenkkontrolle beeinträchtigt wird. BMW rief Anfang April 232.000 Autos wegen möglicherweise defekter Verschraubungen im Motorraum zurück (hier). Ob der Rückruf auf andere Länder ausgeweitet wird, werde geprüft, erklärte BMW damals. Volkswagen hatte im Herbst weltweit 2,6 Millionen Autos mehrerer Marken zurückgerufen (hier). Es war eine der größten Aktionen dieser Art in der Geschichte des Wolfsburger Konzerns.

 

Kommentare

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  1. gnni sagt:

    Da fällt mir spontan Fight Club ein:

    „Nehmen wir folgendes Szenario: Ein Wagen ist mit normaler Geschwindigkeit auf nasser Fahrbahn unterwegs und kommt ins Schleudern.
    Das Hinterachs-Differenzial blockiert, der Wagen fährt gegen einen Baum, alle Insassen verbrennen.

    Frage an dieser Stelle: Sollen wir eine Rückruf-Aktion starten? In diesem Fall ist es meine Aufgabe, ‚DIE FORMEL‘ anzuwenden. ‚DIE FORMEL‘ lautet: Man nehme die Menge der zugelassenen Fahrzeuge A, die anzunehmende Defektrate B und die durchschnittlichen Kosten einer außergerichtlichen Einigung C.

    A mal B mal C ergibt X.

    Ist X kleiner als die Kosten einer Rückrufaktion – wird keine durchgeführt.“

    In Toyotas Fall war X wohl größer 😀

  2. Tacheles sagt:

    Nicht’s ist uns möglich – Toyota!