LED-Markt kurz vor dem Durchbruch?

Leuchtdiodenlampen sollen bald so günstig werden wie herkömmliche Glühbirnen. Der LED-Weltmarkt wird sich bis 2020 auf 65 Milliarden Euro mehr als versiebenfachen und danach zusammenschrumpfen. Denn LEDs halten zehn Mal länger.

Nach Jahren des Hoffens haben die Hersteller von Leuchtdiodenlampen (LED) den endgültigen Durchbruch ihrer stromsparenden Produkte in Sichtweite. Das Geschäft mit herkömmlichen Glühbirnen schwinde schneller als erwartet, erklärte Osram -Vorstandschef Wolfgang Dehen in dieser Woche. Der Trend habe sich im Januar und Februar noch verstärkt. Sein Haus werde die Produktion entsprechend zurückfahren und stärker auf LED-Produkte setzen.

Der Beratungsfirma McKinsey zufolge wird sich der LED-Weltmarkt bis 2020 auf 65 Milliarden Euro mehr als versiebenfachen. Der US-Hersteller GE erwartet, dass bis dahin rund 70 Prozent des 100 Milliarden Dollar schweren Lichtmarkts auf LEDs entfallen. Zuletzt waren es 18 Prozent.

Doch mit dem anstehenden Durchbruch kommen neue Herausforderungen auf die Anbieter zu. Ein Massengeschäft zwingt ihnen einen Preiskampf auf und nötigt ihnen eine Innovationsoffensive ab. „Wir kämpfen an zwei Fronten“, sagte Philips -Lichtchef Eric Rondolat auf der Branchenmesse Light & Building. Auf der einen Seite müssen die Kosten runter, auf der anderen neuartige Produkte her.

Bisher nahmen die Deutschen die früher teuren und oft noch leuchtschwachen Dioden nur schleppend an. Lediglich drei Prozent aller verkauften Lampen waren 2012 LEDs, schätzt die Deutsche Energieagentur. „Im Wohnumfeld werden die Kosten noch als relativ hoch angesehen“, räumt Osram-Technikchef Peter Laier ein. „Aber man bekommt ja auch ein Produkt, das zehn Mal länger hält.“ Weltweit wollen Regierungen die traditionellen Glühbirnen durch Verbote zurückdrängen und so die Verbraucher zu stromsparenderen Alternativen wie Kompaktleuchtstoffröhren oder eben LEDs drängen (mehr hier).

Die Konsumenten scheuten in der Masse häufig noch den Griff zu den wesentlich teureren LEDs. Im Durchschnitt kostet ein neuartiges Modell, das eine herkömmliche 60-Watt-Lampe ersetzt, gut 18 Euro, auch wenn einzelne Modelle bereits für gut zehn Euro zu haben sind. Dem Marktforscher IHS zufolge fiel der durchschnittliche Einzelhandelspreis in den vergangenen zwölf Monaten um fast zehn Prozent. Die Fertigung der LED-Chips ist nach wie vor kostspieliger, weil dabei teure Materialien wie Saphir und Seltene Erden zum Einsatz kommen (mehr zu Seltenen Erden – hier).

Die Anbieter sind sich bewusst, dass der Preiskampf noch einige Zeit anhalten wird. „Unser Ziel ist es, LED-Beleuchtung auf das gleiche Preisniveau zu bringen wie die herkömmlichen Leuchtmittel“, sagte Vertriebsmanager Greg Merrit vom US-Hersteller Cree auf der Messe. „Ein Weg dazu führt über Masse, ein anderer über Innovation.“ Neben wachsenden Stückzahlen versucht die LED-Branche ihre Produktion billiger zu machen, um einem Margenverfall zu begegnen. So baut Osram seine LED-Lampen inzwischen in modularer Weise, um verschiedene Teile kombinieren oder austauschen zu können, wenn es zum technischen Fortschritt kommt.

Das teure Saphirglas als Basisträger für die Chips soll durch wesentlich billigeres Silizium ersetzt werden. Allerdings bietet das graue Halbmetall bislang noch Nachteile. „Wir sehen im Moment noch einen Effizienznachteil“, sagt Aldo Kamper, LED-Chef bei Osram. „Das heißt nicht, dass wir das Thema aufgegeben haben. Die Produktion mit Siliziumsubstrat ist immer noch in der Entwicklung.“

Um den Preisdruck zu mildern, erweitern die Konkurrenten die Funktionalität der Lampen über das blanke Licht hinaus. So liefern sie sich einen Wettlauf mit LED-Birnen, die ferngesteuert Helligkeit, Farbe oder Lichttemperatur wechseln können. Die Nutzer sollen die einzelnen Lampen mit Smartphones per WLAN oder Bluetooth ansteuern können. Philips brachte intelligente Lichtsysteme bereits 2012 heraus, Osram, Samsung und LG haben in den letzten Wochen ähnliche Produkte angekündigt.

Womöglich währt der Goldrausch der Branche aber ohnehin nur einige Jahre. Analysten rechnen damit, dass der gesamte Lichtmarkt ab 2017 schrumpft, wenn mehrheitlich LED-Lampen verkauft werden. Denn sie halten deutlich länger.

Kommentare

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  1. Writing.Angel sagt:

    „…die ferngesteuert Helligkeit, Farbe oder Lichttemperatur wechseln können …“

    Farbe und Lichttemperatur sind m.E. das selbe…

    Aber die Farbtemperatur je nach Umgebungslicht oder Stimmungslage verändern zu können, ist schon eine interessante Innovation.

    Zu dem Vorteil der Langlebigkeit (24 mal länger als eine Glühlampe) kommt aber auch die Stromersparnis hinzu, die im Schnitt ca. 500 € während ihrer Lebensdauer gegenüber einer Glühlampe betragen kann!

  2. Hans- Joachim Griem sagt:

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Wir sind jetzt schon dabei uns auf die Nischen
    im Markt zu konzentrieren. Hier gibt es auf viele Jahre viel zu tun, auch wenn mit den
    Retro-fit Leuchten sicherlich in wenigen Jahren die besagte Sättigung eintritt.
    Wenn Sie mehr zu unseren Ideen wissen möchten können Sie mich erreichen unter
    0171 1232144.

    Viele Grüße aus Laatzen
    Hans- Joachim Griem
    Multilighting LED

  3. Otto Abnormal sagt:

    Ich war von den LEDs sehr begeistert und hatte spontan das ganze Haus damit ausgestattet. Verschiedene Typen, 12V und 220V. Mit extra LED Trafos die 12V. Die Bilanz: Das war die blödsinnigste Investition meines Lebens. Ich hätte erst einmal nur ein paar 220V austauschen sollen. Grund: Die LED Leuchten erreichen nicht andeutungsweise die Lebensdauer einer Glühlampe. Keine hielt 1000 Stunden durch. Die versprochenen 100.000 Stunden schon gar nicht. Ich war ständig am Auswechseln, nach einer Weile konnte ich jede Woche ein oder zwei Lampen in den Müll hauen. Inzwischen bin ich zurück zu Halogen. LED sind nur gut wo es auf extrem wenig Stromverbrauch (Taschenlampe) ankommt oder wo Wärmeentwicklung unerwünscht ist (Scheune).

    • Hans- Joachim Griem sagt:

      Keine Ahnung der Typ.

      • Freiheit möchten alle, also ist der Freiheitswunsch populistisch. sagt:

        Wäre sehr schön, wenn sie schreiben würden, warum der Typ keine Ahnung hat. Ich habe bei mir in der Wohnung auch alle „Birnen“ gegen LED-Birnen ausgetuscht und habe innerhalb eine halben Jahres schon 3 Totalausfälle und das bei Leuchtmitteln eines großen Herstellers in Europa.

    • Tom Hofmann sagt:

      Richtig..
      mag ja sein dass die eigentliche LED eine sehr hohe Lebensdauer hat. Besonders bei 220V Dingern ist aber ein Ausfall der Elektronik brutal.
      Quasi ist das ganze 220V- LED Zeugs für den Mülleimer .
      Nicht 6.- Birnen aus China bei Amazon… ich rede von 25.- teuren GX 53 und von PAR38/E27 zu 45.- . Auch GU10 und ja, meine China 6.- Maiskolbenlampen .. alle nach kurzer Zeit kaputt und immer wars die Elektronik.

      • Gerhard sagt:

        Tja, so ist das eben, mit den Konsumschafen !
        Sie laufen mit lilafarbenen Glaubensschleifchen durch die Baumärkte
        ( und lassen sich „beraten“ ) !

        Egal mit welcher Technik; man wird immer die Unwissenheit der sog. „Verbraucher“ ( in Sachen Technik ) ausnutzen !!!

        Beginnt endlich mal, eure „Denkmatrix“ umzustellen, dann wird man euch auch weniger verarschen können.