Ölförderung in Österreich zu teuer: OMV sucht nach Alternativen

Die OMV sucht in Europa und Afrika nach neuen Quellen für die Förderung von Öl und Gas. In Österreich steigen die Kosten. Der Staat verlangt rückwirkend zum Jahresbeginn 37 Millionen zusätzlich für die Öl-Förderung. Der Konzern ist auf alternative Förderorte angewiesen, weil die Produktion in Libyen ins Stocken gerät.

Für die Förderung von Erdöl und Erdgas muss die österreichische OMV künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Abgaben an den österreichischen Staat würden rückwirkend zum Jahresbeginn um 37 Millionen Euro angehoben, teilte OMV-Chef Gerhard Roiss am Dienstag mit. Bislang musste die OMV für die Förderung in Österreich jährlich 140 Millionen Euro an den Staat überweisen. Die zusätzlichen Kosten seien in der Geschäftsplanung noch nicht berücksichtigt.

Der österreichische Staat bemüht sich derzeit um zusätzliche Einnahmen. Damit sollen die Milliardenkosten gedeckt werden, die durch die die Hilfe für finanziell angeschlagene verstaatlichte Banken entstehen (mehr zur Hypo Alpe Adria – hier).

OMV betreibt in Niederösterreich Dutzende Öl- und Gasförderstätten. Die Region ist das drittgrößte Fördergebiet des Unternehmens nach Rumänien und Norwegen. In den kommenden zwei Jahren sollen dort 400 Millionen Euro investiert werden. Roiss zufolge soll die Produktion in Niederösterreich stabil bei rund 35 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag gehalten werden.

Insgesamt fließen bis 2016 rund 80 Prozent der gesamten OMV Investitionen von jährlich rund EUR 3,9 Milliarden weltweit in den Bereich Exploration und Produktion. OMV Generaldirektor Gerhard Roiss: „Wer international wachsen möchte, braucht eine starke Basis. Diese Basis ist für uns Niederösterreich. Mehr als 13.000 Arbeitsplätze werden direkt und indirekt durch das Engagement der OMV in Niederösterreich gesichert, heißt es einer Studie vdes Economica Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge. Der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt des Bundeslandes beträgt 4,7 Prozent und ist damit gleichbedeutend mit dem Tourismus.

„Die Entscheidung für die Investitionen in Niederösterreich ist im Vorjahr getroffen worden. Um dem natürlichen Förderrückgang entgegenzuwirken, ist der Mitteleinsatz notwendig, um die Produktion in den vorwiegend reifen Feldern zu stabilisieren. Ohne diese Investitionen wäre es uns nicht möglich, das Förderniveau zu halten“, betont OMV Generaldirektor Gerhard Roiss.

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV hat auch im laufenden Jahr mit Lieferschwierigkeiten aus dem krisengeschüttelten Libyen zu kämpfen. Derzeit werde dort nicht produziert, sagte Roiss am Dienstag am Rande einer Veranstaltung. Im Februar hatte OMV noch rund 70 Prozent der sonst üblichen Fördermenge erhalten. Auch nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi wird das nordafrikanische Land immer wieder von Unruhen erschüttert, die auch die Ölförderung bremsen. Im vierten Quartal war die Produktion der Österreicher dort fast komplett unterbrochen, was den Gewinn deutlich schmälerte.

In Friedenszeiten erhielt die OMV bislang rund ein Zehntel ihres Öls aus Libyen. Um sich von politisch instabilen Förderregionen unabhängiger zu machen, hat der Konzern vergangenes Jahr Milliarden in den Zukauf von Ölquellen in Norwegen gesteckt. Eines dieser Felder – die Nordseeplattform Gudrun, an der OMV 24 Prozent hält, hat mittlerweile zu produzieren begonnen.

Im laufenden Jahr peilt OMV dank der neuen Quellen eine Fördermenge von 320.000 bis 340.000 Barrel pro Tag an – nachdem sie im Vorjahr vor allem wegen Ausfällen in Libyen um fünf Prozent auf 288.000 Fass pro Tag geschrumpft war.

OMV musste Explorationspläne südwestlich der Halbinsel Krim auf Eis legen. „Das Projekt Skifska ist on hold“, sagte ein OMV-Sprecher am Mittwoch. Die rumänische OMV-Tochter Petrom gehört einem vom US-Konzern ExxonMobil angeführten Konsortium an, das sich vor den Unruhen in der Ukraine Förderrechte für das Schwarzmeer-Gasfeld Skifska gesichert hatte. Das Gasfeld liegt im Gebiet zwischen der ukrainisch-rumänischen Grenze und der Halbinsel Krim. In dieser Region wird erhebliches Potenzial an Öl- und Gasressourcen vermutet. Die geplanten Investitionen sind wegen der Krise nun in Gefahr. Auch die großen Öl- und Gaskonzerne, wie ExxonMobil, Royal Dutch Shell und Eni haben ihre Aktivitäten in der Region gestoppt.

Die OMV sucht künftig auch vor der Küste Namibias nach Öl und Gas (mehr hier). Gemeinsam mit dem US-Konzern Murphy Oil habe der österreichische Konzern 65 Prozent an zwei Bohrblöcken gekauft, teilte die OMV am Donnerstag mit. Verkäufer ist die brasilianische Förderfirma Cowan. Damit bauen die Österreicher ihre Bohraktivitäten in der Region südlich der Sahara aus. Im vergangenen Jahr hatte OMV bereits Beteiligungen an Feldern in Madagaskar und Gabun erworben.

Die Österreicher haben künftig einen Anteil von 25 Prozent an den Förderblöcken, während Betriebsführer Murphy 40 Prozent hält. Cowan behält 20 Prozent und die restlichen 15 Prozent gehören der staatlichen namibischen Ölgesellschaft Namcor.

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