Verband: Mindestlohn und EEG-Umlage belasten Einzelhandel

Mittelständische Einzelhändler müssen sich auf höhere Personal- und Energiekosten gefasst machen. Für das laufende Jahr rechnet der Handelsverband Deutschland mit einer Mehrbelastung von 300 Millionen Euro. Preissteigerungen und gedämpfte Kauflaune werden dem Einzelhandel zusätzlich zu schaffen machen, so der Verband.

Der Einzelhandel befürchtet durch die Einführung des Mindestlohns und die Ökostrom-Umlage einen Dämpfer. So bestehe die Gefahr, dass durch die gesetzlich festgelegten 8,50 Euro je Stunde viele Arbeitsplätze verloren gingen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Donnerstag in Düsseldorf. „Wir werden im Einzelhandel eher Jobs verlieren.“ Dies gelte besonders für geringfügige Beschäftigung und Mini-Jobs. Die Händler seien verunsichert. Nur acht Prozent von ihnen wollten im ersten Halbjahr ihre Mitarbeiterzahl erhöhen. Das sei der schlechteste Wert seit fünf Jahren. Insgesamt sind im deutschen Einzelhandel rund drei Millionen Menschen beschäftigt, weniger als die Hälfte von ihnen arbeiten Vollzeit.

Auch der Kompromiss beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zur Ökostrom-Förderung erhöhe die Kosten der Händler. „Mit der EEG-Reform ist die Chance für eine gerechte Verteilung vertan“, sagte Genth. „Die Zeche zahlen die Bürger und der Mittelstand.“ Sie würden weiter überproportional belastet.

Stromintensiven Branchen werden hingegen Rabatte bei der Umlage eingeräumt (hier). Für den Handel – den drittgrößten Energieverbraucher in Deutschland – bedeute dies 2015 eine Belastung von 2,5 Milliarden Euro, ein Plus von 300 Millionen Euro zum laufenden Jahr. Dies sei kaum über Preissteigerungen reinzuholen, zumal die Branche sehr wettbewerbsintensiv sei. Die höheren Stromkosten würden zudem bewirken, die Konsumenten weniger Geld in der Tasche hätten. Das wiederum werde der Handel zu spüren bekommen.

Trotz aller Risiken sei die Stimmung im Einzelhandel derzeit aber ganz gut. Insbesondere Lebensmittel- und Möbelhändler sähen die Lage recht rosig. Eine niedrige Arbeitslosenzahl, steigende Einkommen und niedrige Zinsen stützten den Konsum, sagte Genth. 2014 würden die Verbraucher preisbereinigt wohl 1,3 Prozent mehr Geld ausgeben. In den ersten beiden Monaten sei der Umsatz im Einzelhandel nominal um 2,7 Prozent und preisbereinigt um 1,4 Prozent gestiegen. Der HDE bekräftige deshalb seine Prognose für das Gesamtjahr, wonach der Umsatz nominal 1,5 Prozent auf 440 Milliarden Euro zulegen soll, nach einem Plus von 1,1 Prozent 2013. Preisbereinigt dürften die Erlöse in etwa stabil bleiben.

Wichtigster Wachstumstreiber bleibe der Online-Handel. Der HDE erwartet, dass sich das Umsatzvolumen in diesem Jahr um 17 Prozent auf 38,7 Milliarden Euro erhöht (mehr hier). In sechs Jahren solle der Anteil des Online-Umsatzes an den Gesamterlösen dann bei 20 Prozent liegen. Derzeit sind es neun Prozent. Während der Online-Anteil etwa bei Büchern und anderen Medien, Bekleidung und Schuhen schon recht groß sei, sieht Genth etwa bei Kosmetik oder Lebensmitteln noch erhebliches Potenzial. Derzeit ziehe auch der Online-Verkauf bei Baumärkten an. Doch der Umsatz werde wohl insgesamt keine großen Sprünge machen, lediglich der Weg des Vertriebs werde sich verschieben. Deshalb sei es für den stationären Handel wichtig, auf den Zug des E-Commerce aufzuspringen, um keinen Boden zu verlieren (mehr zum Thema E-Commerce – hier). Viele Anbieter hätten die Herausforderung bereits angenommen: Ein Viertel der Händler biete seine Produkte bereits über Läden und im Internet an. Drei Viertel dieser sogenannten Multi-Channel-Händler erwarteten 2014 ein Umsatzplus.

 

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  1. Jupp Hirsenkoetter sagt:

    wo liegt der Mindestlohn beim Oeffentlichen Dienst mit seiner ueppigen Alters- und Zusatzversorgung?

    Wer als ungelernte Kraft nicht innerhalb von 6 Monaten mehr verdient als den Mindestlohn, weil er nicht will oder kann, der soll besser als Akten-Austrager oder Pfoertner beim Oeffentlichen Dienst anfangen, die Zahlen garantiert mehr als 8.50 Euro pro Stunde, 30 Tage Urlaub, 13. Monatsgehalt als Verguetung und Urlaubsgeld, bei geregelter Arbeitszeiten:

    –> fuer ca. 1360.00 Euro pro Monat, ist dort keiner anwesend..und wir alle muessen diese Wuesten-Dienstleistung ertragen….und bezahlen….!

    Richtwert fuer Mindest-Stunden-Lohn ist und bleibt der Gegenwert von 10 gezapften Pils im 0.2 lt-Glas in der Eckkneipe!