Drohnenhersteller Titan erschließt für Google neue Märkte

Die Internetkonzerne Google und Facebook kämpfen um Erschließung neuer Märkte. Google kauft mit Titan Aerospace einen Drohnenhersteller, mit dem auch die entferntesten Ecken der Welt mit einem drahtlosen Internetzugang ausgestattet werden sollen. Auch Facebook wollte den Drohnenhersteller kaufen.

Im Rennen um die Ausweitung der Geschäftsimperien hat Google dem Rivalen Facebook ein Schnippchen geschlagen. Google kaufte einen Drohnenhersteller, mit dem Presseberichten zufolge auch Facebook Übernahmegespräche geführt hatte. Die unbemannten Fluggeräte sollen dabei helfen, riesige unerschlossene Regionen mit dem Internet zu versorgen. Der am Montagabend mitgeteilte Kauf der kleinen Firma Titan Aerospace mit 20 Beschäftigten dürfte für den führenden Suchmaschinenbetreiber finanziell ein Klacks sein.

Strategisch könnte der Deal aber sehr interessant werden. Auch Facebook will sein Drohnengeschäft ausbauen, um die ganze Welt zu vernetzen (mehr hier).

Letztlich geht es um die Geschäftschancen in Ländern der Dritten Welt, wo in vielen Teilen eine Infrastruktur für Internetzugänge fehlt. Abgelegene Weltregionen sind weder mit Fest- noch mit Funknetzen erschlossen. Um dort drahtlose Verbindungen zu schaffen, prüfen Google und Facebook Sendestationen in der Luft. Dazu hatte Google im Sommer vergangenen Jahres ein Pilotvorhaben (Loon) mit Ballons gestartet, die mit Solarstrom betrieben werden. Facebook hingegen machte vor einigen Wochen unter dem Projektnamen Internet.org Pläne zum Bau von Drohnen und Satelliten bekannt. Zuvor hatte der Technologie-Blog „TechCrunch“ von Verhandlungen mit Titan Aerospace berichtet. Demnach ging es um eine Übernahme durch Facebook für 60 Millionen Dollar (mehr dazu – hier).

Google drängt aus den Stammbereichen Software und Datenwelt immer stärker in die Felder Hardware und Vernetzung, um seine Umsatzpalette zu erweitern (mehr zu den Bemühungen Googles in der Haustechnik – hier). Als Vorbild dient mitunter der Apple-Konzern, der allerdings eher den umgekehrten Weg beschritt. Der Computerbauer erschloss sich einen Großteil seiner Einnahmen mit Internetshops und -services.

Google und Facebook führen gerne humanitäre Gründe für ihr Drohnen-Engagement an. Mit der neuen Technologie könnten viele Millionen ärmere Menschen Zugang zur Online-Welt bekommen, lautet das Argument. Auch andere Probleme ließen sich damit angehen, erklärte Google nun. So könnte die Katastrophenhilfe verbessert und Umweltzerstörung wie die Abholzung der Wälder eingedämmt werden.

Auch die Drohnen von Titan werden mit Solarenergie betrieben. Laut Firmenwebseite bewegen sie sich in rund 20 Kilometern Höhe und können dort fünf Jahre bleiben. Ihre Spannweite ist mit 50 Metern etwas kürzer als die einer Boeing 777. Die sogenannten „Atmosphäre-Satelliten“ sollen 2015 erstmals kommerziell in Betrieb genommen werden. Titan-Chef Vern Raburn wollte sich nicht dazu äußern, wie viel Geld Google für die Firma bezahlt. Raburn ist in der Technologie-Branche kein Unbekannter. So leitete er den Sicherheitssoftware-Produzenten Symantec und war Präsident der Microsoft -Sparte für Verbraucherprodukte.

Auch für einen weiteren Internetkonzern bieten Drohnen neue Einnahmemöglichkeiten. So prüft der Versandhändler Amazon den Einsatz solcher Fluggeräte zum Transport der Waren (hier). Damit könnte das Unternehmen erhebliche Kosten einsparen. Ähnliche Tests laufen bei der Deutschen Post.

 

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  1. Christian Stroetmann sagt:

    Aber erst einmal müssen diese Solarflugzeuge in einer Höhe von 20 Kilometern fliegen, was aber nicht nur aufgrund der geringen Luftdichte nicht so gut funktioniert. Des Weiteren ist diese Technologie immer noch wetterabhängig.

    Außerdem schreiben sämtliche Medien nur über „Sendestationen in der Luft“. Doch was ist am Boden für die entgegengesetzte Richtung? Hier benötigt man im Grunde ein Satellitentelefon, das eine höhere Sendeleistung bietet und deshalb relativ unhandlich, energieintensiv und teuer ist. Das können sich aber in den Zielgebieten wohl nur die oberen Gesellschaftsschichten leisten, jedoch sind die schon auf anderen Wegen mit dem Rest der Welt vernetzt. Bodenstationen aufzubauen, um vom Boden zu der Drone zurückzusenden oder auf gewöhnlichem Weg die Rückleitung zu realisieren, wirft das Gesamtkonzept schlichtweg über den Haufen, denn dann kann man es gleich auf konventionelle Art und Weise realisieren.

    Das Technikmärchen solcher Kommunikationsdronen auf der Basis von Ballons, Blimps, Zeppelinen und Flugzeugen ist einige Dekaden alt und auch diese Generation der Technologie wird wohl im wahrsten Sinne des Wortes nicht abheben.auch wirklich fliegen.
    Letztendlich sind diese und ähnliche Wide-Area-Network-(WAN-)Varianten im Vergleich zu den kabelbasierten Netzwerkvarianten einfach viel zu teuer.

    Mit besten Grüßen
    Christian Stroetmann