ZEW: Ukraine-Krise bremst Konjunktur-Entwicklung

Dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zufolge dämpft die Entwicklung in der Ukraine die Konjunktur-Erwartungen in Deutschland und Europa. Wirtschaftsminister Gabriel prognostiziert „wirtschaftlich erfolgreiche Jahre“, droht Russland aber mit Wirtschafts-Sanktionen.

Der Ausgang der Ukraine-Krise ist unklar, ihre Folgen unberechenbar. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im April 2014 leicht verschlechtert. Der Indikator geht um 3,4 Punkte auf 43,2 Punkte zurück (langfristiger Mittelwert: 24,6 Punkte). Dass die Finanzmarktexperten im April vorsichtigere Prognosen abgeben, dürfte mit dem Ukrainekonflikt zusammenhängen, der nach wie vor für Verunsicherung sorgt.

Einen Tag nach Ablauf des Ultimatums an die Separatisten hat die ukrainische Führung ihren Anti-Terror-Einsatz im Osten des Landes nach eigenen Angaben begonnen. Die Operation werde in einer sehr verantwortungsvollen Weise geführt, sagte Übergangspräsident Alexander Turtschinow am Dienstag. Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew warnte, die Ukraine stehe „am Rande eines Bürgerkriegs“.

Der Ausgang dieser Entwicklung ist nicht vorhersehbar. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat Russland in der Ukraine-Krise zur Deeskalation aufgefordert und mit weiteren Sanktionen gedroht. Wenn die Regierung in Moskau sich nicht um Entspannung in dem Konflikt bemühe, seien Deutschland und Europa bereit, die dritte Stufe der Sanktionen in Gang zu setzen, sagte Gabriel am Dienstag. „Niemand will Wirtschaftssanktionen, aber klar ist auch, dass die Bundesregierung im europäischen Kontext keine Angst davor hat.“

Der leichte Rückgang der Konjunkturerwartungen erfolgt allerdings vor dem Hintergrund einer insgesamt positiv bewerteten Konjunkturlage in Deutschland. Gabriel sprach am Dienstag bei der Vorstellung der Frühjahrsprojektionen von „wirtschaftlich erfolgreichen Jahren“, die vor Deutschland lägen.

So steigt der ZEW-Lageindiktor in der aktuellen Umfrage noch einmal um 8,2 Punkte auf jetzt 59,5 Punkte. Er markiert damit den besten Stand seit Juli 2011.

Wirtschafts-Sanktionen zwischen der EU und Russland könnten diese guten Werte jedoch schnell wieder relativieren. Das dürfte zum Teil erklären, weshalb ein Teil der Finanzmarktexperten ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate etwas zurückgenommen haben.

Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone gehen im April leicht zurück. Der entsprechende Indikator verringert sich um 0,3 Punkte gegenüber dem Vormonat und steht nun bei 61,2 Punkten, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit.

 

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