Ausbildungs-Reform der Pflegeberufe soll Nachwuchs anlocken

Bund und Länder wollen die Pflegeberufe reformieren. Die Bereiche der Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege sollen ab 2015 zu einer einheitlichen Pflegeausbildung zusammengelegt werden. Die Attraktivität des Berufsfeldes muss zunehmen, damit der Personalmangel bekämpft werden kann. Mehr Geld für die Krankenhäuser gibt es nicht: Die Finanzierung der Kliniken soll weiter von den Ländern allein getragen werden.

Bund und Länder wollen den Nachwuchsmangel in der Altenpflege mit einer Ausbildungsreform gemeinsam bekämpfen. Es bestehe Einigkeit, die Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege zu einem einheitlichen Pflegeberuf zusammenzufassen, erklärte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig am Mittwoch nach Beratungen mit den Gesundheits- und Sozialministern der Länder in Berlin. Künftig werde es eine generalistische Pflegeausbildung geben, die in den Bundesländern einheitlich sein solle. Die angehenden Pfleger könnten dann je nach Fachgebiet spezialisierte Kenntnisse erwerben. Das in einigen Ländern noch gängige Schulgeld solle entfallen.

Schwesig kündigte an, Bund und Länder wollten sich in diesem Jahr über die Finanzierung und den Inhalt der neuen Ausbildung verständigen. Am 21. Mai werde ein Finanzierungsgutachten vorliegen. Im nächsten Jahr solle das Gesetz dann auf den Weg gebracht werden.

Durch die Reform soll ein Wechsel in die unterschiedlichen Pflegebereiche erleichtert werden, wie Schwesig und Gesundheitsminister Hermann Gröhe erläuterten. Die bisherige Festlegung „Einmal Altenpfleger, immer Altenpfleger“ solle der Vergangenheit angehören. Zudem verbessere die Reform insgesamt die Kenntnisse der Pflegepersonen und somit die Qualität.

Schwesig kündigte zugleich an, das von ihr geplante Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege eines Angehörigen werde parallel zu Gröhes Pflegereform zu Beginn des nächsten Jahres in Kraft treten. Enthalten ist darin eine zehntägige bezahlte Auszeit vom Job, um die Pflege eines Angehörigen zu organisieren. Ebenfalls vorgesehen ist ein Rechtsanspruch auf eine sechsmonatige unbezahlte Auszeit sowie auf eine 24-monatige Teilzeitbeschäftigung.

Länder müssen Kliniken weiter selbst finanzieren

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe lehnt eine Finanzierung der rund 2.000 deutschen Kliniken über Steuermittel des Bundes ab. Die Krankenhausplanung und die Investitionen in die Einrichtungen müssten weiterhin von den Ländern gestemmt werden, sagte Gröhe nach Beratungen mit den Gesundheits- und Arbeitsministern der Länder am Mittwoch in Berlin. Der CDU-Politiker verwies zudem darauf, dass der Bund den Ländern im Koalitionsvertrag die Übernahme zusätzlicher Betriebs- und Behandlungskosten durch die Krankenkassen zugesagt habe.

Gröhe kündigte an, eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern werde ihre Arbeit am 26. Mai aufnehmen, um eine grundlegende Krankenhausreform zu erarbeiten. Bis Ende des Jahres müsse ein Konzept stehen, das 2015 als Gesetz umgesetzt werden solle.

In Deutschland sind seit 1972 die Bundesländer für Investitionen der Krankenhäuser verantwortlich, etwa in Gebäude oder Großgeräte. Nach einhelliger Auffassung von Bund, Kliniken und Krankenkassen kommen sie dieser Verpflichtung aber nur unzureichend nach. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat daher gefordert, Bund und Länder müssten die Investitionen in Kliniken gemeinsam aus Steuermitteln übernehmen.

Laut einer DKG-Umfrage von Ende vergangenen Jahres schreibt jede zweite Klinik Verluste. Diskutiert wird in der Politik langfristig über den Umbau von Kliniken oder einzelnen Teilen. Ländervertreter sprachen sich dafür aus, einen Umstrukturierungsfonds aufzulegen. In ihn sollen 500 Millionen Euro aus den Rücklagen des Gesundheitsfonds fließen und der selbe Anteil nochmal aus den Ländern kommen.

 

Kommentare

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  1. Isabelle sagt:

    Also da bin ich mal gespannt. Das sich hier etwas tun muss, steht außer Frage. Der
    Job Altenpfleger und sämtliche Weiter- und Fortbildungen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft, denn nicht jeder hat das Glück, auch im Alter oder im Krankheitsfall alleine zurecht zu kommen.

    Aber ich schließe mich hier genauso meinen Vorrednern an: Es muss sich in finanzieller Hinsicht etwas ändern. Unterbezahltes, frustriertes Pflegepersonal schadet den Pflegebedürftigen!

    Isabelle

  2. BBop sagt:

    Personalmangel heisst immer daß die geleistete Arbeit nicht angemessen bezahlt wird.
    Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

    • Waldi sagt:

      Ja, es ist beschämend, wie Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger bezahlt werden. Das ist der einzige Grund, weshalb noch wenige diesen Beruf erlernen wollen.

      Deshalb will man auch Krankenpfleger u. Altenpfleger aus dem Ausland anwerben, weil man glaubt, diese Leute wären bereit für einen Hungerlohn zu arbeiten.

      Und damit man z. B. auch Kinderpflegerinnen einfach in andere Bereiche versetzen kann, soll die Ausbildung von Altenpfleger, Erwachsenen-Krankenpfleger u. Kinderkrankenpfleger zusammengefasst werden.

      Das führt eher noch dazu, dass noch weniger Leute diese Berufe erlernen wollen, weil niemand, der gerne in der Kinderkrankenpflege arbeiten will, zwangsweise in die Altenpflege versetzt werden will. Außerdem wird die Ausbildungsqualität leiden, weil jeder Pflegebereich spezielle Fachkenntnisse erfordert, die dann nicht mehr in ausreichendem Umfang gelehrt werden können.

      Letztlich geht alles doch nur darum, in diesem Billiglohnbereich noch mehr Kosten einzusparen, zu Lasten der Pflegeangestellten.