Gabriel und BDI gehen gegen Waren-Kennzeichnung der EU vor

Die EU will für mehr Produktsicherheit und Verbraucherschutz die Herkunft aller Waren kennzeichnen. Doch die im Ausland produzierten Waren deutscher Firmen wären dann nicht mehr „Made in Germany“. Das Gütesiegel droht, seine Bedeutung zu verlieren. Wirtschaftsministerium und Industrieverband wollen gegen die Pläne der EU vorgehen.

Die deutsche Wirtschaft und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel lehnen die EU-Pläne zur Verschärfung und Änderungen der Produkt-Herkunftsbezeichnung ab. „Das Europäische Parlament setzt mit einer verpflichtenden Made-in-Regel das falsche Signal. Bewährte Siegel wie ‚Made in Germany‘ würden aufgegeben“, kritisierte Stefan Mair von der BDI-Hauptgeschäftsführung das Votum des Europäischen Parlaments. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte am Mittwoch, Deutschland wolle das Gütesiegel „Made in Germany“ erhalten. „Das Gütesiegel hat sich als Qualitätszeichen in den letzten Jahrzehnten herausgestellt“, sagte er.

Das Parlament hatte am Dienstag beschlossen, für Güter auf dem EU-Binnenmarkt mit dem „Made in“-Herkunftssiegel verpflichtend anzugeben, wo eine Ware herkommt. Damit folgten die Abgeordneten Vorschlag der EU-Kommission. Für Kritik in Deutschland sorgt vor allem, dass bei Waren, die in mehreren Ländern hergestellt werden, als Ursprungsland das Land gelten soll, in dem sie der „letzten wesentlichen und wirtschaftlich gerechtfertigten Be- oder Verarbeitung unterzogen worden“ sind. Ein in Mexiko endmontiertes Auto eines deutschen Konzerns würde damit womöglich nicht mehr als „Made in Germany“ bezeichnet werden können.

Das Parlament führt mehr Produktsicherheit und Marktüberwachung im Sinne des Verbraucherschutzes als Argumente an.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet dagegen nicht, dass der Verbraucher durch die Neuregelung besser informiert und die Produktsicherheit erhöht würden. „Es erhöht lediglich den bürokratischen Aufwand gerade für kleine und mittelständische Unternehmen„, sagte Mair. Gabriel teilt diese Auffassung. Es ist fraglich, ob die Initiative von Kommission und Parlament die Rückendeckung der EU-Regierungen erhält.

 

Kommentare

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  1. ichweissnix sagt:

    wenn man bedenkt, dass damals die Alliierten zur Deklassierung, Deutschland gezwungen haben, auf alle Ausfuhrprodukte „Made in Germany“ zu installieren, Hut ab, dass es sich weltweit zu Qualität erster Güte entwickelt hat. Dies darf nicht kaputt gemacht werden.

  2. brasil sagt:

    Von tausenden von Gesetzen welche in der Buerokraten EU verbrochen wurden ist damit mal ein einziger Lichtblick, auch wenn ich da einige Leser ennteuschen muss!
    Es kann ja wohl nicht angehen, dass „Made in Germany“ draufsteht, wenn Klamotten von Kindern in Bangladesch (nur mal als Bdispiel) hergestellt werden, nur weil das ein deutscher Sklavenhalter (der da -noch- nicht in Deutschland machen darf) veranlasst hat!

  3. Helmut sagt:

    Die EU produziert zwar dauernd Mist, aber hier hat sie Recht. Es ist klarer und wahrer, wenn man weiß wo das Produkt hergestellt (made) ist. Billig in Südostasien produzieren (sh., Addidas) und nur in D ein Preisschild draufkleben berechtigt nicht zur Aussage hergestellt in D !

  4. nadann sagt:

    wenn deutsche politiker gegen etwas in der EU vorgehen dann bedeutet das im endeffekt einen nachteil für Michel.

  5. Leopold sagt:

    Die Wirtschaft arbeitet mit vielen Siegeln, die nur Werbung für die Wirtschaft sind, ohne jeglichen Mehrwert für den Verbraucher. Denn über Qualität sagen die schon lange nichts mehr aus. Ob das eines der vielen Bio-Siegel betrifft oder das Made in Germany. Der Herr Gabriel kann sich also den Aufwand sparen!

  6. BBop sagt:

    Wenn sie einen (chinesischen) Kugelschreiber in D zusammenschrauben (Endmontage) ist der aber heute schon „Made in Germany“ – Warum soll das bei einem montierten Auto in Mexico nicht auch so sein?

    • Syssiphus sagt:

      Besonders ärgerlich ist diese Täuschung bei Textilien,die nach der ersten Wäsche krumm und schief sind,dass man sie nicht mal richtig zusammenlegen kann.Welch ein Müll !

  7. Matthes sagt:

    Made in Germany?
    Dem Verbraucher sagt das schon lange nichts mehr. Weil er weiss, dass meistens kein deutsches Produkt dahinter steckt. Nur die Wirtschaft meint damit noch ein paar Dumme fangen zu können. Dieses „Gütesiegel“ ist wie viele anderen nur noch Etikettenschwindel. Ich kann leicht darauf verzichten!

  8. Bernhard sagt:

    Es gibt wenige politische Entscheidungen, die von der EU kommen; diese ist absolut richtig.

  9. thomanski sagt:

    WAS RECHT IST FUER DIE SCHWEIZ, SOLLTE GUT SEIN FUER DIE EU.
    MADE IN SWITZERLAND GILT NUR WENN MINDESTENS 50% EINES PRODUKTES
    IN DER SCHWEIZ HERGESTELLT WIRD. SYSTEM HAT SICH VOLL BEWÄHRT.

    WUERDE VERTRAUEN IN DIE EU UND IN DIE EINZELNEN LÄNDER ERHÖHEN.
    UND WIRTSCHAFT ANKURBELN – DENN EIN FAHRRAD KANN DANN NICHT
    MEHR IN CHINA HERGESTELLT WERDEN MIT DEM LABEL „MADE IN GERMANY“
    WÄRE ALSO NUR POSITIV ZU WERTEN

    • brasil sagt:

      „Made in“ bedeutet gemacht in, fertig!
      Entweder 100% oder NICHTS!
      Dann „Ordered from Germany“, ok!