Starker Euro drückt Gewinn von SAP trotz Cloud-Höhenflug

Zahlreiche Anbieter von Cloud-Dienstleistungen machen Verlust mit dem neuen Geschäftsfeld. SAP kann den Gewinn mit der Cloud um 32 Prozent steigern. Die Gesamtbilanz fällt dennoch ernüchternd aus. Der starke Euro führt dazu, dass das Gewinnziel nicht erreicht werden konnte.

Der starke Euro überschattet die Fortschritte von SAP beim Ausbau des Geschäfts mit Mietsoftware aus dem Internet. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte im ersten Quartal um zwei Prozent auf 919 Millionen Euro, währungsbereinigt waren es sieben Prozent, wie Europas führender Softwarekonzern am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Betriebsgewinn von 961 Millionen Euro gerechnet. Besserung ist nicht in Sicht: Im zweiten Quartal könnten sich die Belastungen durch die Euro-Stärke gegen Yen, Rupie und Dollar noch verstärken auf acht Prozentpunkte, warnte SAP. Auch der Umsatz lag im Auftaktquartal unter den Erwartungen: Er stieg um zwei Prozent auf 3,7 Milliarden Euro, während Analysten im Schnitt 3,78 Milliarden Euro erwartet hatten. Die Aktie des Dax-Konzerns verlor vorbörslich mehr als zwei Prozent.

Die Aktien von SAP waren am Donnerstag mit einem Abschlag von 2,4 Prozent einer der größten Dax -Verlierer. „Die Wechselkurseffekte hinterlassen deutliche Spuren,“ sagte ein Händler. Dadurch falle die Bilanz nicht gerade erfreulich aus.

Sprudelnde Gewinne mit Cloud-Geschäft

Der Konzern sei auf gutem Weg, der weltweit führende Cloud-Anbieter zu werden, erklärten die beiden Vorstandschefs Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe. Mit 36 Millionen habe SAP die meisten Anwender. In der als zukunftsträchtig geltenden Cloud-Sparte konnte SAP im ersten Quartal die Erlöse um 32 Prozent auf 221 Millionen Euro steigern. Der Anteil am Gesamtumsatz liegt damit noch immer bei nur knapp sechs Prozent, wächst aber stetig. Da die Kunden des Marktführers für Software zur Firmensteuerung nun stärker auf die Mietsoftware setzen, die SAP gegen jährliche Gebühren über das Internet anbietet, kaufen sie allerdings weniger Software-Lizenzen. Der Software-Umsatz ging um fünf Prozent auf 623 Millionen Euro zurück.

Einen Vorteil erhofft sich das in Walldorf ansässige Unternehmen auch von der Kombination des Cloud-Geschäfts mit seiner Plattform für Echtzeit-Anwendungen Hana, die riesige Datenmengen in kürzester Zeit verarbeiten kann (mehr zum Thema Big Data Analyticshier und hier). Für 2014 peilt SAP weiterhin einen währungsbereinigten operativen Gewinn von 5,8 bis 6,0 Milliarden Euro an.

SAP Konkurrenz macht Verlust

SAP gelinge das Kunststück, auf Cloud-Produkte umzustellen und gleichzeitig sein angestammtes Software-Geschäft zu erneuern, ohne Abstriche beim Gewinn machen zu müssen, betonte McDermott. Bei Cloud-Software müssen Kunden keine Lizenzen mehr kaufen und bei sich installieren, sondern können flexibel über das Internet Programme nutzen oder Daten speichern. Die Erlöse kann SAP anders als im angestammten Software- und Wartungsgeschäft nicht auf einen Schlag verbuchen, vielmehr verteilen sie sich auf mehrere Jahre. Zudem werden weniger Wartungsdienste von SAP gebraucht.

Trotz der Umstellung auf das noch weniger rentable Cloud-Geschäft hielt SAP die Gewinnspanne im ersten Quartal stabil bei 24,8 Prozent. Während im Cloud-Geschäft im vergangenen Jahr 14 Prozent vom Umsatz als Gewinn hängen blieben, waren es im traditionellen Software-Geschäft 52 Prozent.

Bisher ist SAP im Cloud-Markt weltweit die Nummer zwei hinter dem auf Einkaufs- und Vertriebssoftware spezialisierten US-Anbieter Salesforce. Dieser will in diesem Jahr umgerechnet 3,8 Milliarden Euro Umsatz machen, während SAP im Cloud-Geschäft nach wie vor Erlöse von rund einer Milliarde Euro anpeilt. McDermott zufolge steht SAP aber besser da als die Rivalen: So habe Salesforce in den vergangenen vier Quartalen 250 Millionen Dollar Verlust gemacht. Im Vergleich zu seinem Erzivalen Oracle, der im vergangenen Jahr bei der Mietsoftware nur knapp hinter SAP lag, steigere SAP das Cloud-Geschäft anderthalb Mal so schnell.

In den vergangenen Jahren hatten die Walldorfer sich durch milliardenschwere Übernahmen von US-Firmen in den aufstrebenden Markt eingekauft. Zuletzt hatten sie mit Fieldglass einen Spezialisten für das Management von Zeitarbeitskräften gekauft. Inzwischen setze SAP aber stärker auf organisches Wachstum, sagte McDermott, der ab Ende Mai alleiniger Chef von SAP wird. Weitere Akquisitionen verfolge er nicht mehr besonders, ergänzte er.

Kommentare

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  1. Ingenieur sagt:

    Auch bei Software gibt es ein „uns reicht das, was wir haben, mehr brauchen wir nicht“. Marktsättigung nennt sich das.

  2. Iomio sagt:

    Oh man …

    schuld ist nicht der „starke Euro“ – der ist gar nicht stark – sondern der abschmierende Dollar, der nur noch mitTricks am Leben erhalten wird. Nicht umsonst wird verzweifelt nach einer Möglichkeit gesucht, ihn per Krieg zu stützen und dafür die EU finanziell und politisch so einzuspannen, dass hier die gesamte, auch die finanzielle Last bleibt.
    In was für einem schäbigen Spiel befinden wir uns hier? Und wer sagt eigentlich, dass wir dieses Spiel mitmachen müssen?