Hapag-Lloyd wird zur viertgrößten Linien-Reederei weltweit

Durch Fusion von Hapag-Lloyd mit der chilenischen Reederei CSAV schließen die Hamburger zur Weltspitze der Linienreedereien auf. Das neu-geformte Unternehmen verfügt etwa über 200 Schiffe und einen Jahresumsatz von rund neun Milliarden Euro. Damit ist es die viertgrößte Reederei weltweit.

Die Fusion von Deutschlands größter Container-Reederei Hapag-Lloyd mit ihrem chilenischen Konkurrenten CSAV bringt die ganze Schifffahrtsbranche in Bewegung. Angesichts des scharfen Preiskampfs auf See setzen die Reedereien immer größere Schiffe ein, die Platz für mehr als 18.000 Container haben. In diesem Wettlauf können kleinere Reedereien kaum noch mithalten. Zugleich sinken die Gewinnmargen, weil die Reeder ihre großen Frachter um jeden Preis auslasten wollen. „Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen“, prognostiziert Thomas Wybierek, Schifffahrtsexperte der NordLB. Er rechnet mit weiteren Zusammenschlüssen.

Durch die Fusion von Hapag-Lloyd mit der Compania Sud Americana de Vapores (CSAV) entsteht die viertgrößte Linienreederei der Welt mit rund 200 Schiffen und einem Jahresumsatz von etwa neun Milliarden Euro. Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden soll das Containergeschäft von CSAV vollständig in Hapag-Lloyd aufgehen. Die Chilenen würden dafür zunächst mit 30 Prozent an Hapag-Lloyd beteiligt. Nach dem Vollzug der Transaktion ist eine Kapitalerhöhung von 370 Millionen Euro vereinbart, die CSAV zu 70 Prozent zeichnen will. Dadurch soll der Anteil an Hapag-Lloyd auf 34 Prozent steigen.

Die Chilenen wären damit die größten Anteilseigner, denn die Anteile der Stadt Hamburg und des Unternehmers Klaus-Michael Kühne sinken bei der Fusion. Zusammen wollen CSAV, Kühne und die Hansestadt einen Aktionärsvertrag schließen, wonach sie künftig mit einer Stimme sprechen und Beschlüsse gemeinsam tragen wollen. Das neue Bündnis wird drei Viertel der Anteile halten. Bei einer weiteren Kapitalerhöhung binnen eines Jahres soll Hapag-Lloyd an die Börse gebracht werden. Firmensitz soll Hamburg bleiben, die Zentrale für Lateinamerika soll in Chile angesiedelt werden.

Hinter CSAV steht maßgeblich die Holding Quinenco der chilenischen Familie Luksic. Sie ist in der Lebensmittelindustrie sowie der Finanzbranche engagiert und gehört zu den einflussreichsten Familien in dem südamerikanischen Land. Zum Firmenimperium gehören auch Beteiligungen an Minen und Eisenbahn-Gesellschaften.

Großaktionär Kühne kündigte an, zusätzlich zu seinem auch die Anteile der anderen Altgesellschafter an der Kapitalerhöhung bei Hapag-Lloyd zu übernehmen. Auf diese Weise nehme er ingesamt 111 Millionen Euro in die Hand. Hamburg und die TUI beteiligen sich somit nicht an der Kapitalaufstockung. „Diese Fusion entspricht meinem lang erhofften Ziel, Hapag-Lloyd in die weltweite Spitzengruppe der Linienreedereien zu führen“, begründete der Hamburger Milliardär und HSV-Mäzen sein zusätzliches Engagement.

Der Vorstandschef der Kühne-Holding, Karl Gernandt, sagte Reuters, er halte weitere Allianzen für möglich. „Die können entweder in Asien oder in Hamburg zu finden sein.“ Er rechne jedoch nicht damit, dass die Reederei Hamburg Süd sich dem Bund anschließen werde. „Mir fehlt im Moment der Glaube, dass sich die grundsätzliche Einstellung der Familie Oetker zur Schifffahrt durch den Zusammenschluss ändert“, sagte Gernandt. Hamburg Süd hatte unlängst Interesse an einer Dreier-Allianz mit Hapag-Lloyd und CSAV gezeigt. Vor einem Jahr waren Verhandlungen mit Hapag-Lloyd über einen Zusammenschluss ergebnislos abgebrochen worden. Grund soll ein Streit in der Gesellschafterfamilie von Oetker gewesen sein (mehr hier).

Die Fusion ist vor allem eine Reaktion auf die seit inzwischen sechs Jahren anhaltende Krise der von Überkapazitäten gebeutelten Containerschifffahrt. Immer mehr Reedereien schließen sich zusammen, um ihre Kapazitäten zu bündeln und so die Kosten zu senken. Im Sommer soll das Bündnis der dänischen Maersk Linie mit der in der Schweiz ansässigen Mediterranean Shipping (MSC) und der französischen CMA CGM an den Start gehen. Diese so genannte P3 Allianz könnte dann mehr als ein Drittel des Marktes kontrollieren. In China gibt es die so genannte Green Alliance. Hapag-Lloyd gehört bereits der G6 Allianz mit mehreren Reedereien aus Asien an.

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