Japans Defizit auf Rekordhoch: Exportsektor schwächelt

Die Exporte in Japan steigen nur leicht um 1,8 Prozent. Die Importe hingegen steigen um 18 Prozent. Auch für deutsche Firmen ist der Absatzmarkt jetzt interessant, bevor die Zentralbank die Währung weiter in den Keller drückt, um den Export zu stärken.

Der schwache Yen und teure Energie-Importe lassen in Japan das Defizit in der Handelsbilanz immer weiter ansteigen. Im Fiskaljahr bis Ende März stieg das Defizit auf den Rekordwert von umgerechnet rund 97 Milliarden Euro, wie das Finanzministerium am Montag bekanntgab. Es war zugleich der 21. Monat in Folge, dass Japan mehr Waren und Dienstleistungen importierte als exportierte. Vor allem die Einfuhr von Energie, auf die das Land seit der Stilllegung seiner Atomkraftwerke nach der Fukushima-Katastrophe vor drei Jahren angewiesen ist, macht Japan zu schaffen. Die von der Regierung forcierte Yen-Schwäche verteuern diese zusätzlich.

Die enttäuschenden Daten schürten Sorgen vor einer größeren Flaute der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt nach den USA und China. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer Anfang April dürfte auch den Binnenkonsum dämpfen. Viele Verbraucher haben Anschaffungen wegen der höheren Abgabe, mit der die Regierung die hohe Staatsverschuldung in den Griff bekommen will, bereits vorgezogen. Das wiederum dürfte den Druck auf die japanische Notenbank erhöhen, die ohnehin sehr laxe Geldpolitik noch weiter zu lockern (mehr hier).

„Sollten die Exporte weiter stocken und der Konsum im April und Mai schwächer ausfallen als erwartet, könnte die Notenbank bereits im Juni oder Juli handeln“, sagte Analyst Naoki Iizuka von Citigroup Global Markets. Die Zentralbank berät am 30. April das nächste Mal über ihre Politik. Dann steht auch der halbjährliche Wirtschaftsausblick an.

Die Daten zeigen auch die Kehrseite der Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe. Der Regierungschef setzt auf einen schwachen Yen, um die Exportwirtschaft anzukurbeln. Hersteller wie Toyota oder Sony können ihre Produkte im Ausland günstiger anbieten. Auf der anderen Seite bewirkt die schwächere Landeswährung aber auch, dass in Dollar abgerechnete Importe teurer werden. Zudem kommen die Exporte nicht wie erhofft in Schwung.

Im März legten die Ausfuhren mit einem Plus von 1,8 Prozent überraschend wenig zu. Experten hatten einen Zuwachs von 6,3 Prozent erwartet, im Februar gab es noch ein Plus von 9,8 Prozent. Dabei bekam die Wirtschaft der Exportnation vor allem die Konjunkturabkühlung in China zu spüren. Das Wachstum der Ausfuhren in die Volksrepublik verlangsamte sich auf 4,3 von 27,6 Prozent im Februar. Die Industrie gerät ins Stocken (hier).

Zugleich wuchsen die Importe mit 18,1 Prozent überraschend kräftig. Nach der Fukushima-Katastrophe nahm die Regierung zahlreiche Atomkraftwerke vom Netz, weshalb Japan derzeit auf Energie-Einfuhren angewiesen ist. Vor kurzem vollzog das Land jedoch die Kehrtwende und steigt wieder in die Kernenergie ein. Die Regierung verabschiedete einen mehrjährigen Plan, der Atomstrom als wichtige Energiequelle für die Grundversorgung ansieht. Konkrete Vorgaben, wie hoch der Anteil der Atomkraft in Zukunft haben soll, macht der Plan aber nicht.

 

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