Finanzministerium: „Rückprall-Effekt“ schwächt Wirtschaft im Frühjahr

Entgegen den Prognosen fällt das Wirtschaftswachstum in Deutschland schwächer aus, als erwartet. Das Finanzministerium spricht von einem „Rückprall-Effekt“. Rekord-Steuereinnahmen füllen indes die Staatskassen. Die Inflation bleibt niedrig.

Die deutsche Wirtschaft verliert dem Bundesfinanzministerium zufolge im Frühjahr an Schwung. Da das Wachstum von Januar bis März auch wegen des milden Winters „sehr rege“ gewesen sei, werde es im laufenden zweiten Quartal „zu einem Rückpralleffekt kommen„, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht. „Dieser technische Effekt darf allerdings nicht als eine Verlangsamung der konjunkturellen Gangart interpretiert werden.“

Das Finanzministerium rechnet mit einer anhaltend niedrigen Inflation – „trotz der zu erwartenden Nachfrageausweitung im Zuge des Konjunkturaufschwungs in Deutschland sowie der erwarteten Erholung der Weltwirtschaft“. Derzeit liegt die Teuerungsrate bei 1,0 Prozent, 2014 sollen es im Schnitt 1,4 und 2015 rund 1,9 Prozent sein. „Deflationäre Tendenzen sind somit nicht zu erkennen“, heißt es in dem Monatsbericht.

Steuereinnahmen ziehen im März kräftig an

Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern haben im März getragen von einem beschleunigten Wirtschaftsaufschwung kräftig zugelegt. Mit 55,36 Milliarden Euro lagen sie um 7,2 Prozent höher als im entsprechenden Vorjahresmonat, wie aus dem Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums hervorgeht. Für das erste Quartal summierten sich die Steuereinnahmen auf gut 140 Milliarden Euro und lagen damit um 3,7 Prozent über denen vor einem Jahr. Die Entwicklung verläuft damit etwas positiver als bei der letzten amtlichen Steuerschätzung im November 2013 vorausgesagt. Im Mai steht die nächste Schätzung an.

Vor allem die Lohnsteuer, die veranlagte Einkommensteuer und auch die Steuern vom Umsatz, wie die inländische Mehrwertsteuer, trugen zu der günstigen Entwicklung im März bei. Während der Bund 6,7 Prozent mehr einnahm, waren es bei den Ländern 7,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Dabei nahmen die allein den Ländern zustehenden Steuern, darunter die Erbschaft- und die Grunderwerbsteuer, überdurchschnittlich um 22,7 Prozent zu. Die Abgeltungsteuer auf Zins- und Veräußerungserträge, die an Bund wie Länder geht, macht gar einen Sprung um 44,3 Prozent.

Trotz der günstigen Steuerentwicklung klaffte im Zeitraum Januar bis März zwischen Ausgaben und Einnahmen des Bundes noch eine Lücke von 16,9 Milliarden Euro. Allerdings haben diese Zahlen noch wenig Aussagekraft für das Gesamtjahr.

Der Bund will 2015 erstmals seit 1969 ohne neue Schulden auskommen (mehr hier). Der deutsche Gesamtstaat aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen hat dieses Ziel bereits 2012 erreicht und 2013 wiederholt. „Auch in den Jahren 2014 bis 2016 erwartet die Bundesregierung in ihrer Projektion für die Haushaltsentwicklung einen ausgeglichenen Staatshaushalt. 2017 und 2018 werden leichte Überschüsse erzielt“, schrieb Finanzstaatssekretär Thomas Steffen im Monatsbericht.

 

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Kommentare

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  1. BBop sagt:

    Warum jubeln alle, wenn der Staat seinen Bürgern in 3 Monaten 140 Mrd. € abpresst?

  2. rene sagt:

    Wirtschaftswachstum 1.5% (glaube ich nicht) Steuerwachstum 7% (glaube ich glatt).
    Wenn das nicht gute Geschaeft fuer die Verwalter der Kolonie Deutschland ist.

    Die Arbeitnehmer und das Volk in der Kolonie haben aussern hoeheren Schulden sowieso schon lange nichts mehr davon. Das ist naemlich wegen der EU und der globalisiertem Wettbewerb „alternativlos“.

    Den Amtsschwur deutscher Regierungschef (sog. Politikdarsteller denn zu sagen haben die auch nichts) bitte ich abzuaendern: …schwoere ich dafuer zu sorgen das es immer genug Exportnarren gibt…“

    Es ginge auch anders: Plan B (googeln) und den Frieden fuer alle.

  3. nadann sagt:

    nur weil die inflation mal kurzzeitig weit unter 10%(ausser bei smartphones) liegt, jammert man von deflation. Auch ne idee den michel zu veräppeln.