Lohnkürzungen stärken spanische Firmen im Wettbewerb

Im Verlauf der Schuldenkrise senkten spanische Unternehmen drastisch die Löhne. Das hat ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert. Der Export steigt, der Konsum schwächt sich jedoch deutlich ab. Derzeit entsteht in Spanien eine neue Unterschicht, die von den niedrigen Löhnen kaum noch leben kann.

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Spanien stand vor zwei Jahren finanziell am Abgrund. Strukturreformen und ein harter Sparkurs brachten die Wende und kurbelten den Export wieder an. Firmen erhielten per Gesetz die Chance, Löhne zu kürzen und Arbeitsverträge zu ändern. Diese Reformen – auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in der Euro-Zone von Politikern gern als alternativlos bezeichnet – haben in der spanischen Gesellschaft zu tiefgreifenden Veränderungen geführt. Sie könnten zudem langfristig ihre Spuren hinterlassen und die konjunkturelle Erholung bremsen.

Denn Niedriglöhner und Arbeitnehmer mit kurzfristigen Verträgen haben die Hauptlast der Gehaltskürzungen getragen. Damit entstand in Spanien eine neue Unterschicht, die wohl für den Rest des Lebens kämpfen dürfte, um stabile Jobs zu bekommen.

Nach Daten des Internationalen Währungsfonds öffnete sich die Lohnschere zwischen 2007 und 2012 in keinem EU-Staat so stark wie in Spanien. Dies hat bereits zu sozialen Spannungen geführt und zuletzt wegen des harschen Sparkurses der Regierung auch zu Straßenschlachten. Dabei hatte das Land nach Ende der 36 Jahre währenden Diktatur 1975 lange gebraucht, um seinen sozialen Frieden zu finden.

Umfragen zufolge dürften die beiden großen Parteien – Sozialisten und Konservative – bei der Europa-Wahl im Mai einen Denkzettel erhalten: vor allem wegen ihres Umgangs mit der Schuldenkrise. Schwindet das Vertrauen der Menschen weiter, könnte die konservative Volkspartei bei der Parlamentswahl 2015 ihre absolute Mehrheit verlieren.

Mehr Export –  Weniger Konsum

Nach zwei Rezessionsjahren dürfte Spaniens Wirtschaft 2014 zwar wieder um ein Prozent wachsen, in den Jahren zuvor war sie allerdings um sieben Prozent geschrumpft. Der Export-Anteil am gesamten Bruttoinlandsprodukt stieg binnen fünf Jahren von einem Fünftel auf ein Drittel. Doch das Wohl und Wehe der Wirtschaft hängt auch von den Ausgaben der Verbraucher ab. Und diese sanken seit dem Platzen der Immobilienpreisblase 2008 um mehr als elf Prozent.

Kritiker warnen, dass Spanien dank sinkender Löhne zu sehr auf Export-Erfolge nach deutschem Vorbild schielt und zu wenig den Konsum und Investitionen fördert. Ökonomen bezweifeln ohnehin, dass Spanien auf den Weltmärkten langfristig mit seinen Produkten gegen noch billigere Waren aus der Türkei und Marokko mithalten kann. „Der Ausweg wird schmerzhaft sein“, sagt Santiago Carbo Valverde von der Bangor Universität in Wales. „Alles in allem wird Spanien auf kurze Sicht ein ärmeres Land sein.“

Ende vorigen Jahres arbeitete schon jeder sechste Beschäftigte Teilzeit, Mitte 2007 war es nur jeder neunte. Zudem laufen immer mehr Menschen Gefahr, trotz eines Arbeitsplatzes in Armut abzurutschen. Als jüngst Ikea 400 Jobs für ein neues Möbelhaus in Valencia ausschrieb, bewarben sich binnen weniger Tage über 20.000 Menschen und brachten die Computer-Server des schwedischen Konzerns zum Absturz.

Jobs, die früher verschmäht wurden, stehen mittlerweile hoch im Kurs. Daniel Gismero verdient als Straßenfeger in Madrid 1.100 Euro im Monat. Mit seinen Kollegen konnte er nach einem längeren Streik Lohnkürzungen von 40 Prozent verhindern.

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Kommentare

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  1. Greg sagt:

    „doofe“ neoliberale Kakofonie zum Wohle der 1% ….

    Warum lässt man sich das bieten? Empört euch!

  2. georg sagt:

    also wer am meisten kürzt gewinnt ? irgendwann bringen die beschäftigten geld mit damit sie beschäftigt sind ? so ein quatsch

  3. TC sagt:

    China ist eh viel zu teuer geworden. Bald werden die neuen Niedriglohnmarken in Europa gesetzt. Wichtig ist nur, dass die Unterehmen profitieren. TTIP/TAFTA zeigt den Weg. Wer das Zeug dann kaufen soll? Na China, wer sonst?

    Ich bin zwar schon älter, aber ich denke, ich werde noch erleben, dass die Firmen hier im EU-Knast ihren Mitarbeiten Arbeit gegen Kost und Logis anbieten, damit sie überhaupt irgendwie überleben können.

    Das ist auch ungefähr das Agenada 21-Snenario: Wohnen in den bis zum Himmel aufeinandergetürmten Pappschachteln der Konzerne und, da alles in Mega-Monster-Super-Citys konzentriert ist, arbeiten um die Ecke, und fressen, was der Konzern einem vorsetzt. GMO natürlich.

    Willkommen in unserer geliebten EUdSSR, willkommen im Mega-Monster-Faschismus. Danke EU, Danke!!