„Tragfähige Leistungskultur“: Anforderungen an Arbeitnehmer steigen

Jeder zweite Arbeitnehmer empfindet, dass der Arbeitsalltag sich in den vergangenen fünf Jahren beschleunigt hat. Gleichzeitig werden die Aufgaben immer komplexer. Die Informationsflut in einer globalisierten Welt führt zu einer Überschneidung von Arbeits- und Freizeit. Die Herausforderungen an die Arbeitnehmer steigen, ebenso wie die des HR-Managements auf der Suche nach einer tragfähigen Leistungskultur.

Seit 2009 hat sich der berufliche Alltag von 48 Prozent der deutschen Arbeitnehmer spürbar beschleunigt. Dadurch bleibt weniger Zeit für die einzelnen Arbeitsprozesse. Gleichzeitig sind die Aufgaben nach Einschätzung von 53 Prozent der Arbeitnehmer komplexer geworden. Als weitere wichtige Veränderung empfinden 43 Prozent von ihnen die sogenannte Verdichtung – also mehr Arbeit mit weniger Kollegen. Das sind Ergebnisse der Studie „Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg“ der Personalberatung Rochus Mummert. Dazu wurden HR-Führungskräfte sowie 1.000 Arbeitnehmer befragt.

„Die Globalisierung und die Digitalisierung haben die Arbeits- und Lebensumwelt rasant und tiefgreifend verändert“, sagt Hans Schlipat, Studienleiter und Managing Partner der Rochus-Mummert-Gruppe. „Die Folgen werden wir erst in Zukunft voll erkennen. Unsere Studie zeigt aber schon jetzt ganz klar: Ein höheres Tempo bei gleichzeitig schwierigeren Aufgaben – das sind große Herausforderungen für  Arbeitnehmer. Damit der Weg nicht ins Hamsterrad führt, sind die Arbeitgeber daher zum Handeln aufgefordert.“

Die befragten HR-Führungskräfte sind sich der starken Veränderungen durchaus bewusst. Befragt nach belastenden Einflüssen sehen sie die Globalisierung an erster Stelle, gefolgt von der Beschleunigung und der multimedialen Kommunikationsüberflutung. Daneben machen die Personalverantwortlichen zwar auch positive Veränderungen aus, die jedoch die wachsenden Belastungen nicht kompensieren können. Nach Einschätzung der HR-Chefs gibt es heute beispielsweise mehr Aufstiegstransparenz und realistischere Zielsetzungen als noch vor fünf Jahren. Dem folgen allerdings nicht alle Arbeitnehmer. 40 Prozent von ihnen meinen, die Vorgabe unrealistischer Ziele habe in jüngster Zeit sogar zugenommen.

Zusätzlich kommt es im modernen Berufsleben – etwa durch Smartphones und Tablet-PCs – immer mehr zu einer Überlappung von Arbeit und Freizeit. In dieser Entwicklung sehen 36 Prozent der Arbeitnehmer einen wichtigen Veränderungsfaktor. Und jeder Dritte sieht sich konkret dem Wunsch nach einer „Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit“ ausgesetzt. Diese Veränderungen benennen auch die für die Studie befragten Personalmanager als relevante negative Tendenzen.

„Die Abnahme der Privatheit zählt zu einer der Herausforderungen der modernen Arbeitswelt“, sagt Rochus-Mummert-Partner Schlipat. „Diese Veränderungen sind aber nicht sofort mit Stress gleichzusetzen – der entsteht erst, wenn Unternehmen unangemessen reagieren. Sie müssen ihren Mitarbeitern geeignete Strategien an die Hand geben. Hier sehe ich Unternehmensleitung und HR-Abteilung in der Pflicht, eine gesunde und tragfähige Leistungskultur zu etablieren.“

Kommentare

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  1. Antisozialist sagt:

    Ja früher gab’s auch eine 48Stunden Woche oder für „Führungskräfte“ gar 60Stunden. Ja und? Ist mit heute nicht mehr vergleichbar. Man muß ja immer erreichbar sein und die Verantwortung der mittleren und oberen Führungsebene wird auch immer mehr auf die untere Führungsebene abgewälzt, damit sich die Bonzen nur noch im strategischen Elfenbeinturm spielen können. Nein, Danke!

    All-In Verträge, Überstundenpauschale und Arschkriecherkurse können sich die Bonzen sparen. Lieber verzichte ich auf etwas Kohle und hab meine Ruhe.

  2. wolf sagt:

    Na klar, wir stehen doch im Wettbewerb mit der ganzen Welt.
    Übrigens haben wir Oldtimer schon vor langer Zeit eine 48 Stundenwoche gehabt.
    Und der Mittelmanager kommt ohne 60 Stundenwoche erst gar nicht zu Potte.
    Schwierige Zeiten!
    Wer sich dieser Herausforderung nicht stellen will, muß Beamter werden.

  3. bate sagt:

    Leistung? Für immer weniger bedruckte Baumwolle? Pah!

    Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps! Übirgens haben Lohnnebenkosten noch nie eine finanzielle Rolle gespielt, aber wir werden seit Jahrhunderten verarscht.