Polen fordert Energie-Union: Bundesregierung reagiert zurückhaltend

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk will die Einkäufe von Öl und Gas der EU-Mitgliedstaaten bündeln und diese damit unabhängiger von russischem Gas machen. Die so entstehende Energie-Union soll nach dem Vorbild der Bankenunion aufgebaut werden. Der Vorschlag löste bei der Bundesregierung Zurückhaltung aus. Der Gaspreis ist derzeit wieder leicht gesunken.

Die Bundesregierung hat sich zurückhaltend zu polnischen Vorschlägen einer EU-Energieunion mit zentralen Einkäufen von Gas und Öl geäußert. Man werde die Vorschläge des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk ernsthaft prüfen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. „Es ist allerdings auch klar, dass alle Maßnahmen und Lösungen im Rahmen unserer marktwirtschaftlichen Ordnung stattfinden müssen“, sagte er. Tusk hatte mit Blick auf die Ukraine-Krise unter anderem eine EU-Zentrale gefordert, die Gas für alle 28 Mitgliedsländer einkaufen solle.

Seibert verwies darauf, dass die EU-Kommission bereits beauftragt sei, Vorschläge zu machen, wie sich die EU unabhängiger von russischen Gas- und Öllieferungen machen könne (mehr hier). Das Thema werde auch beim Arbeitsbesuch Tusks bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin am Freitag angesprochen.

Als Reaktion auf die Ukraine-Krise hatte Tusk den Aufbau einer Europäischen Energieunion nach dem Vorbild der Bankenunion vorgeschlagen. Ziel müsse es sein, dass die EU-Staaten in der Energiepolitik und bei der Versorgung mit Öl und Gas enger zusammenarbeiteten. Vor allem der gemeinsame Ankauf von fossilen Energieträgern ist aber umstritten. Die EU deckt rund ein Drittel ihres Öl- und Gasbedarfs mit Lieferungen aus Russland.

Gaspreise geben leicht nach

Innerhalb der letzten sechs Monate sind die Preise für Erdgas im Durchschnitt um 2,6 Prozent gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Gaspreisvergleich des Bundesverbandes der Energie-Abnehmer e.V. (VEA), der insgesamt 50 große Netzgebiete in Deutschland umfasst. Der VEA stellt zudem einen wachsenden Wettbewerb zwischen den einzelnen Gaslieferanten fest. Vertragsfreie und wechselbereite Gaskunden können davon profitieren. Voraussetzung ist ein objektiver Marktüberblick.

 „Versorger geben Vorteile aufgrund gesunkener Großhandelspreise häufig nicht freiwillig an ihre Kunden weiter“, sagt. Volker Stuke, Geschäftsführer des VEA. „Es lohnt sich daher für Unternehmen, Auktionen oder Ausschreibungen für ihre Gaslieferverträge durchzuführen – wie zum Beispiel über die Plattform VEA-Online. Sich auf eigene Faust einen Marktüberblick zu verschaffen, ist heute aufgrund der zunehmenden Komplexität des Gasmarktes – wenn überhaupt – nur mit erheblichem Aufwand möglich.“

Der aktuelle Preisvergleich zeigt: Zwischen den einzelnen Netzgebieten gibt es erhebliche Preisunterschiede. Die Differenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter beträgt 0,51 Cent/kWh bzw. 16,7 Prozent (im VEA-Preisvergleich). Die günstigsten Netzgebiete sind derzeit swb Netze in Bremen, Stadtwerke Bielefeld Netz und STAWAG Netz in Aachen. Die Netze mit den höchsten Durchschnittspreisen sind die 24/7 Netze mit dem Teilnetz Mannheim, Stadtwerke Leipzig Netz und Stadtwerke Kiel Netz.

 

Kommentare

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  1. bate sagt:

    Soso, Polen fordert… Und was wenn nicht, wird dann wieder England ins Boot geholt?

    Dann fordere ich erstmal die Autos zurück! 😉

  2. Peter G. sagt:

    Au ja, wir kaufen Energie gemeinsam ein, bezahlt wird aus einem gemeinsamen Fond, der zu 30 % von Deutschland finanziert wird. Die anderen steuern nach Haushaltslage dazu bei. Im „Energierat“ hat D. eine Stimme, genau wie alle anderen. Kommt einem irgendwie bekannt vor.

  3. Gustav sagt:

    Die Polen sind schlau, fast zu schlau! Da wollen sie eine Energieunion, damit sie selbst billigere Energie erhalten. Wir kaufen heute günstig ein, vor allem in Russland und haben eine Pipeline direkt nach D über die Ostsee. Die war den Polen ein Dorn im Auge und diese könnten sie jetzt mit einer Energieunion gewissermassen „anzapfen“. Natürlich auf unsere Kosten. Zudem würde eine Energieunion ein neuer EU-Verwaltungsmoloch, der umverteilt, unflexibel auf Veränderungen reagieren würde. Energie würde sich noch weiter verteuern. Jedes Land soll seinen Energiebedarf selbst besorgen. Andere Länder um uns herum scheren sich ja auch einen Dreck um AKW,s, die nur wir abschalten, in völliger Blödheit und Kapitulation vor unseren „guten“ Umwelt-Diktatoren.