Stimmung von Frankreichs Mittelstand verschlechtert sich

Frankreichs Unternehmen blicken auch nach der Amtseinführung des neuen Ministerpräsidenten Manuel Valls nicht optimistischer in die Zukunft. Der Geschäftsklima-Index sinkt. Zudem gerät das Defizit-Ziel der französischen Regierung für die nächsten Jahre in Gefahr.

Die Stimmung in Frankreichs Wirtschaft hat sich im April leicht eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex sank auf 94 Punkte von 95 Zählern im Vormonat, wie das Statistikamt Insee am Donnerstag mitteilte. Das Barometer umfasst die Industrie, den Bau, die Dienstleister sowie den Groß- und Einzelhandel. Der Index allein für die Industrie fiel von 101 auf 100 Zähler. Hier hatten von Reuters befragte Ökonomen eine Stagnation erwartet. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 100 Punkten.

Frankreich galt wegen seiner schwächelnden Wirtschaft zuletzt als Sorgenkind in der Euro-Zone. Kritiker warfen der sozialistischen Regierung mangelnden Reformeifer vor. Der neue Ministerpräsident Manuel Valls will nun mit Entlastungen für Unternehmen und Verbraucher die Wirtschaft ankurbeln. Im Gegenzug lässt die Regierung die Konsolidierung des Staatshaushaltes etwas schleifen.

Um das Defizitziel von 3 Prozent Neuverschuldung einzuhalten muss die Wirtschaft um 1,7 Prozent wachsen. Viele Ökonomen halten diese Zahl jedoch für zu hoch gegriffen. Das Defizit-Ziel ist zugleich niedriger gesteckt als in einem früheren Szenario, als die Regierung noch 2,8 Prozent veranschlagt hatte.

Auch für das laufende Jahr ist der Plan weniger ehrgeizig: Statt 3,6 Prozent peilt die Regierung nun ein Defizit von 3,8 Prozent an. Um das Haushaltsziel zu erreichen, hat Frankreich von der EU bereits zwei Jahre Aufschub erhalten und muss es somit 2015 erreichen. Finanzminister Michel Sapin räumte vor Abgeordneten die Schwere der Aufgabe ein: „Es ist eine Herausforderung, die Mut von allen erfordert.“

In dem Plan kassiert die Regierung zugleich eine frühere Ankündigung des Präsidenten Francois Hollande, bis Ende 2017 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. 2016 veranschlagt die Regierung zugleich ein Wirtschaftswachstum von 2,25 Prozent. Der mit Wirtschaftsprüfern und Ökonomen besetzte Unabhängige Hohe Rat für die öffentlichen Finanzen (HCFP) ließ Kritik an dem Regierungsszenario anklingen. Die Planzahlen für 2015 seien zwar „nicht unerreichbar“, doch das Szenario für 2016 erscheine „optimistisch„, so das Wächterorgan, das die Prognosen der Regierung regelmäßig unter die Lupe nimmt.

Kommentare

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  1. Dr. Kleinfeldt sagt:

    Die Lösung soll also mit einfachen Worten sein. Der Bürger zahlt weniger Einkommensteuer hat zunächst mehr Geld in der Tasche und die Wirtschaft erhöht die Produktpreise und schon stimmt das Defizitziel für den Haushalt. Also nichts grundlegendes. Nur Augenwischerei. Europa gab es auch ohne diktatorischen Anschluß an Brüssel. Und Krieg war auch nicht zu erwarten. Hoffentlich steigt der Euro wieder mehr. Für die Bürger gut und für Exportunternehmen schlechter. Die Mehrheit sind aber die Bürger und nicht die paar Unternehmer.

  2. doci sagt:

    zum Thema Defizitziel 3% in Verbindung mit Deflation respektive Inflation habe ich hier einen interessanten Artikel:

    http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2014/15.html

    unbedingt zu empfehlen

    Schönes Wochenende

    doci