Deutsche Chemiebranche bekommt Konkurrenz aus Asien

Acht von zehn Chemieunternehmen sind Mittelständler. Die Branche bekommt starke Konkurrenz aus China, dessen Weltmarktanteil an der Chemie-Industrie sich seit 1992 verdreifacht hat. Um gegen die aufstrebende Konkurrenz zu bestehen, setzen deutsche Firmen zunehmend auf den wachsenden Markt der Spezialchemikalien.

Die deutschen Chemieunternehmen bleiben mit einem Marktanteil von 29% sowohl europäischer Klassenprimus als auch Exportweltmeister der Branche. Der Vorsprung schmilzt jedoch: Deutschland liegt mit 11 Prozent der weltweiten Chemieexporte nur einen Prozentpunkt vor den USA (10%) und noch 3 Prozentpunkte vor China (8%).

Der Weltmarktanteil der chinesischen Unternehmen wächst rasant und hat sich seit 1992 verdreifacht, während die deutsche Chemiebranche zunehmend an Boden verliert und einen Rückgang von 16 Prozent im Jahr 1992 auf 11 Prozent im Jahr 2012 verzeichnete. Dies ergab die jüngste Branchenstudie von Euler Hermes, weltweit führender Warenkreditversicherer.

Deutsche Chemieunternehmen, die mit insgesamt 436.000 Arbeitsplätzen Deutschlands drittgrößten Industriezweig darstellen, mit durchweg hohen Gewinnmargen sind gut positioniert – obwohl fehlende natürliche Rohstoffe in der Bundesrepublik und steigende Energiepreise der Branche zu schaffen machen.

Energie- und Rohstoffkosten belasten Branche

„Deutsche Chemieunternehmen sind aufgrund fehlender Bodenschätze von den Weltmarktpreisen fossiler und mineralischer Rohstoffe abhängig“, sagte Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes. „Auch steigende Energiepreise stellen eine große Herausforderung dar. Dennoch haben sie sich in den vergangenen Jahren durch kontinuierliche Effizienzsteigerungen und massiven Energieeinsparungen erfolgreich im Preiskampf behauptet. Sie erzielen solide Umsatzsteigerungen und sogar einen meist zweistelligen Zuwachs bei den operativen Gewinnmargen.“

Die angekündigte weitere Befreiung eines Großteils der Chemiefirmen von der EEG-Umlage schafft zusätzliche Planungssicherheit für den energieintensiven Sektor: Der jährliche Energiebedarf der Branche liegt bei rund 50 Terrawattstunden (TWh) – das ist mehr als vier Mal so viel wie die Jahresproduktion des leistungsfähigsten deutschen Atomkraftwerks.

Mit Spezialchemikalien gegen die Konkurrenz

„Die Umsatzsteigerungen liegen zum einen an der Innovationskraft der deutschen Marktteilnehmer, zum anderen an deren Spezialisierung und der Nutzung von Synergien durch die enge Zusammenarbeit einzelner Firmen in den großen Chemiezentren der Republik“, sagte Krings. „Dennoch wächst die Konkurrenz aus Asien, vor allem aus China. Um in diesem Wettbewerb zu bestehen und weiterhin erfolgreich zu sein, müssen die deutschen Chemieunternehmen vor allem konsequent auf die in Zukunft stark wachsende Sparte der Spezialchemikalien setzen.“

Der Bereich der Spezialchemikalien entwickelt sich nach Ansicht von Experten in den kommenden Jahren dynamisch, insbesondere bei den Hightech-Produkten, die nur in geringen Mengen, dafür aber mit hohen Gewinnmargen hergestellt werden. 2011 machten diese Spezialprodukte 54 Prozent des Weltmarkts aus, in 2020 soll ihr Anteil auf rund 58 Prozent wachsen. Die chemischen Massenprodukte hingegen verlieren in der Zukunft an Bedeutung, ihr Anteil geht nach Ansicht von Branchenexperten von 46 Prozent im Jahr 2011 auf 42 Prozent im Jahr 2020 zurück. Zudem wird sich die Massenproduktion zunehmend in rohstoffreichen Ländern mit niedrigen Energiekosten konzentrieren.

Chemiemarkt besteht zu 80 Prozent aus Mittelständlern

Mit dieser Spezialisierungsstrategie sowie einer weiteren Steigerung der Energieeffizienz erwarten die Euler Hermes Experten im laufenden Jahr einen Anstieg der Gewinnmargen von 14 Prozent bei den deutschen Marktführern (Tier 1 & 2 Hersteller), die zusammen rund 20 Prozent des Markts in der Bundesrepublik ausmachen. 80 Prozent der sehr diversifizierten Branche sind mittelständische Unternehmen. Auch sie steigern ihre Margen von 2013 auf 2014 voraussichtlich um rund 12 Prozent. Beim Umsatzplus liegen sie mit einem prognostizierten Anstieg um 4 Prozent sogar vor den großen Konzernen, bei denen die Umsätze 2014 nach Einschätzung der Euler Hermes Studie um 4 Prozent sinken werden.

 

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