Euro zu stark: Frankreich fordert EZB zum Handeln auf

Frankreich macht sich Sorgen um den hohen Kurs des Euro. Die starke Währung verteuert die Warenausfuhren und kann Deflationstendenzen verstärken. Ministerpräsident Valls fordert die EZB zum Handeln auf. Die Inflationsquote für den Euro-Raum lag zwischenzeitlich bei 0,5 Prozent. In Deutschland sind die Preise im April hingegen wieder stärker gestiegen (1,3 %).

Frankreich dringt auf Schritte zur Schwächung des Euro. Es müsse eine angemessenere Geldpolitik geben, denn die Gemeinschaftswährung sei derzeit zu hoch bewertet, sagte Ministerpräsident Manuel Valls am Dienstag im französischen Parlament. Darüber werde Präsident Francois Hollande mit der Europäischen Union (EU) verhandeln, nachdem Ende Mai das neue EU-Parlament gewählt sei. Auch müsse die EU wachstumsfördernde Maßnahmen beschließen.

Der Euro ist in den vergangenen zwölf Monaten langsam, aber stetig von etwa 1,28 auf 1,38 Dollar gestiegen. In den Jahren 2009 und 2011 mussten allerdings zeitweise mehr als 1,45 Dollar pro Euro gezahlt werden.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hatte jüngst für den Fall eines weiteren Euro-Anstiegs eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt. Das liegt vor allem daran, dass die Euro-Stärke der EZB im Kampf gegen das aus ihrer Sicht zu niedrige Preisniveau ungelegen kommt. Ein starker Euro macht Importe aus anderen Währungsgebieten billiger. Das erhöht die Gefahr einer konjunkturschädlichen Deflation (mehr hier). Die Inflationsrate war im März auf 0,5 Prozent abgesackt und liegt damit weit unter dem Ziel der EZB von knapp zwei Prozent.

In Deutschland ist die Inflation hingegen auf den höchsten Stand seit Januar geklettert. Grund dafür waren vor allem steigende Preise bei Pauschalreisen über die Osterfeiertage. Insgesamt kosteten Waren und Dienstleistungen im Schnitt 1,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im März war die Jahresteuerung noch auf 1,0 Prozent gesunken und damit auf den niedrigsten Stand seit rund dreieinhalb Jahren. Experten gehen davon aus, dass sich die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) trotz des Preisanstiegs im größten Euro-Land weiter Sorgen um die geringe Inflation im Währungsraum machen. „Der Druck auf die EZB bleibt hoch“, sagte BayernLB-Ökonom Stefan Kipar.

In Deutschland sorgte vor allem ein Statistikeffekt für eine höhere Inflation. Denn die Osterfeiertage fielen diesmal in den April und nicht wie im Vorjahr in den März. „Dies ließ die Inflation im März nach unten purzeln und nun wieder leicht nach oben hüpfen“, erklärte Jens Kramer von der NordLB. So kosteten Pauschalreisen in einigen Bundesländern rund zehn Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Dies zeigt sich auch daran, dass Dienstleistungen bundesweit um 2,3 Prozent teurer wurden, nachdem sie zuletzt nur um 1,5 Prozent zugelegt hatten. Die Preise für Nahrungsmittel hingegen stiegen nur noch um 1,8 Prozent, zu Jahresbeginn hatten sie noch doppelt so stark zugelegt (mehr hier). „Der Preiskampf bei den Discountern macht sich hier bemerkbar“, betonte Kramer. Für die nächsten Monate dürfte die Inflation in Deutschland trotz der anziehenden Konjunktur eher gedämpft bleiben. Erst mittel- bis langfristig erwartet Kramer wegen steigender Löhne wieder einen spürbaren Anstieg.

 

Mehr zum Thema
Kaum Inflation in der Euro-Zone: Preise in Krisenländern fallen bereits
Volkswirte erwarten steigende Inflation durch hohe Lohn-Abschlüsse
Weidmann: Preise steigen bald wieder schneller

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Hans von Atzigen sagt:

    Das können nur noch Blind übersehen.
    Das ist faktisch Krieg Wirtschaftskrieg. Der erbitterte Kampf um den nun einmal Begrenzten Globalen Absatzmarkt.
    Die Waffe ist die ,,Notenpresse,,.