Insolvenzverwalter: Prokon-Gläubiger erhalten bis zu 60 Prozent ihres Geldes

Das Pleiteunternehmen Prokon soll umstrukturiert und weiter geführt werden. Prokon-Gläubiger können auf bis zu 60 Prozent ihres Geldes hoffen. Die meisten Arbeitsplätze bleiben erhalten. Der insolvente Windparkbetreiber will einen Teil seiner Schulden begleichen und das Kerngeschäft sanieren. Anleger mussten bislang mit einem Totalausfall ihrer Investition rechnen.

Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin macht den Mitarbeitern und Gläubigern des zahlungsunfähigen Windkraftbetreibers Prokon Hoffnung. Die Firma solle saniert und der größte Teil der Arbeitsplätze erhalten werden, kündigte er am Freitag in Hamburg an. „Nach aktueller Planung behalten so mehr als 300 der zuletzt 450 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz“, sagte Penzlin. Zudem müssten die Gläubiger keinen Totalausfall fürchten. Die Höhe der Insolvenzquote sei zwar noch ungewiss. Er rechne aber derzeit damit, dass Prokon 30 bis 60 Prozent der Schulden begleichen könne, sagte Penzlin.

75.000 Anleger hatten in der Hoffnung auf hohe Renditen Prokon insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Genussrechtskapital zur Verfügung gestellt und zittern nun um ihr Geld. Denn Halter von Genussscheinen müssen sich in der Insolvenz hinter anderen Gläubigern anstellen.

Das Amtsgericht Itzehoe hatte am Donnerstag drei Monate nach der Pleite das Insolvenzverfahren über die Prokon Regenerative Energien GmbH wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet; die übrigen Konzerngesellschaften mit über 800 Mitarbeitern sind nicht betroffen. Vor allem gekündigte Genussrechte in Höhe von 368 Millionen Euro hatten die fälligen Verbindlichkeiten auf rund 391 Millionen Euro in die Höhe gekurbelt, denen lediglich 19 Millionen Euro Liquidität gegenüber stehen. Das Gericht bezifferte zudem das Vermögen von Prokon mit rund 1,052 Milliarden Euro und die Verbindlichkeiten mit 1,526 Milliarden, womit die Überschuldung bei 474 Millionen Euro liegt.

Kernbereich wird saniert

Insolvenzverwalter Penzlin will bis zur ersten Gläubigerversammlung im Juli Eckpunkte für die Sanierung festgezurrt haben. „Mein Team und ich arbeiten an einem Insolvenzplan, mit dem der Kernbereich von Prokon saniert werden kann“, sagte er in Hamburg. Ziel sei es, das Unternehmen „in einer angepassten Form zu erhalten und, betriebswirtschaftlich vertretbar, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten.“ Die Fortführung des Kerngeschäfts von Prokon – Betriebsführung und Projektierung von Windparks – sei gesichert und laufe in vollem Umfang weiter. Auch die Stromversorgung werde weitestgehend fortgeführt.

Die Gläubigerversammlung könne dann am 22. Juli über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden und darüber, ob der Insolvenzverwalter mit der Erstellung eines Insolvenzplans beauftragt wird. Eine weitere Gläubigerversammlung könnte im Frühjahr 2015 über den Insolvenzplan abstimmen. Bis dahin kann das Unternehmen fortgeführt werden.

Das 1995 gegründete Unternehmen mit insgesamt 1.300 Mitarbeitern hatte Mitte Januar Insolvenz angemeldet (mehr hier). Vorangegangen waren Wochen, in denen Firmengründer Carsten Rodbertus die Anleger aufforderte, ihr Geld im Unternehmen zu lassen. Er drohte damit, dass andernfalls die Insolvenz unausweichlich sei. Die Pleite der Firma fachte die Diskussion um Maßnahmen zur Verbesserung des Anlegerschutzes neu an.

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  1. Thomas Fischer sagt:

    Jedem, der sein Geld augenblicklich in diesen Irrsinn investiert, ist nicht mehr zu helfen. Hoffentlich hält nicht der Steuerzahler hierfür wieder seinen Kopf hin…