Gewerkschaften wollen Mindestlohn auf 10 Euro anheben

Nachdem der Mindestlohn beschlossene Sache ist, fordern die Gewerkschaften dessen Anhebung. Verdi-Chef Frank Bsirske spricht sich für eine Anhebung auf 10 Euro pro Stunde aus. Mit 8,50 sei ein sorgenfreies Leben nicht möglich.

Deutschlands Gewerkschaften warnen vor der Aufweichung des geplanten gesetzlichen Mindestlohns und fordern noch mehr Geld für die Arbeitnehmer. „Keine Stunde Arbeit darf billiger sein als 8,50 Euro“, sagte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer auf der zentralen Kundgebung zum 1. Mai in Bremen.

Nach dem Beschluss der Regierung, den Mindestlohn ab 2015 einzuführen, mussten die Gewerkschaften den Bedeutungsverlust fürchten (mehr dazu – hier). Doch nun geht die Debatte um den staatlich festgesetzten Lohn weiter.

„Es darf keine Ausnahmen wegen des Alters oder Geschlechts, der Herkunft oder der sozialen Lage geben.“ Verdi-Chef Frank Bsirske forderte die baldige Anhebung auf zehn Euro pro Stunde. Insgesamt nahmen an den traditionellen Kundgebungen nach Gewerkschaftsangaben 403.000 Menschen teil.

Die Bundesregierung hatte Anfang April den Gesetzentwurf für den Mindestlohn gegen den Widerstand aus Teilen der Union und aus der Wirtschaft auf den Weg gebracht (hier). Demnach sollen Arbeitnehmer ab 2015 mindestens 8,50 Euro bekommen. Ausnahmen gelten für Langzeitarbeitslose, Lehrlinge und Menschen unter 18 Jahren sowie bis Ende 2016 für einige Tarifverträge. Das Handwerk wie auch der Wirtschaftsflügel der Union forderten, das Mindestalter höher anzusetzen. Die Wirtschaft warnt, durch den Mindestlohn werde es zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen (hier).

In Frankfurt am Main sagte Bsirske, die geplanten Ausnahmen beim Mindestlohn seien nicht hinnehmbar: „Es droht ein Drehtür-Effekt, bei dem ältere Arbeitnehmer gegen Jugendliche ausgespielt werden.“ Auch die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) forderte eine rasche Erhöhung des Mindestlohns. „8,50 Euro sind immer noch ein Niedriglohn. Davon kann man kein sorgenfreies Leben führen“, sagte NGG-Chefin Michaela Rosenberger der Rheinischen Post.

IG Metall und DGB bekräftigten zudem ihre Forderungen nach staatlichen Investitionen in Bildung und Infrastruktur. „Wer Generationengerechtigkeit fordert, der muss vor allem eines gewährleisten: Dafür sorgen, dass die Jüngeren sichere und gut bezahlte Arbeit bekommen und nicht mit unsicheren, prekären Jobs abgespeist werden“, sagte IG-Metall-Chef Detlef Wetzel.

DGB-Chef Sommer forderte mit Blick auf die Europa-Wahl am 25. Mai einen Kurswechsel in der EU: „Wenn man die Krise in Europa wirklich bekämpfen will, muss man dafür Milliarden bereitstellen für Investitionen in die Infrastruktur, die Erneuerung der industriellen Basis, eine echte Energiewende und den Ausbau des Sozialstaates.“

Die IG BCE machte sich für Steuersenkungen stark. „Tarifliche Entgeltsteigerungen werden zunehmend von heimlichen Steuererhöhungen aufgefressen“, sagte ihr Vorsitzender Michael Vassiliadis. Untere und mittlere Einkommen müssten entlastet werden (mehr zum Thema kalte Progression – hier).

 

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Kommentare

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  1. Jupp Hirsenkoetter sagt:

    Der Mindestlohn je Stunde muss einen Wert Haben der dem Aequivalent von 10 gezapften Bieren @ 0.2L in einer Eck-Kneipe entspricht.
    z.B. war das 1973: 6.00 DM , netto!

    –> heute muss der Mindeststundenlohn, brutto, dementsprechend bei ~ 16.00-18.00 Euro/h liegen!
    Wer keinen Gegenwert in Form von Leistung bringt, der taugt nix zur Maloche…..auch nicht @ 6.00 Euro/h, der hat’s nicht drauf!

    Zweiter Gesichtspunkt zur Mindestlohnbildung:
    Der Mindestlohn in der freien Wirtschaft muss an den Brutto-Mindestlohn im oeffentlichen Dienst angepasst sein, oder diese Verguetung muss entsprechend gesenkt werden.

  2. Ich sagt:

    Ein sorgenfreies Leben gibt es nicht.

  3. deralternde sagt:

    Komisch, mein Kommentar vom 03.05.2014 wurde gar nicht Veroeffentlicht

  4. Gustav sagt:

    Dies Minestlohnforderung werden wir jetzt jedes Jahr von Neuem erleben. Unsere linkslastigen Regierungen werden diesen Forderungen nachgeben. Die Deutsche Wirtschaft wird schweren Schaden nehmen, denn viele Beschäftigte sind den Mindestlohn nicht wert.

    • Timmy Turner sagt:

      Moin,
      ein sorgenfreies Leben ist nach Aussage des Arbeiterführers mit 8,50€ also nicht möglich!
      Hat sich schon mal jemand von den gutbezahlten Brandstiftern überlegt, dass der Sinn des Wirtschaften in der Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen liegt und nicht in dem Schaffen von Arbeitsplätzen.
      Diese Waren und Dienstleistungen müssen nun vom Endverbraucher gekauft werden. Wenn diese nun aber aufgrund der staatlich festgelegten Löhne zu teuer werden, und der Kunde den Preis dafür nicht bezahlen will, was ist dann vermutlich die Folge?
      Oft wird als Argument der niedrig qualifizierten Arbeitnehmer gebracht, dass diese davon nicht leben können. Aber sind in diesen Jobs nicht oft Frauen beschäftigt, die als Zweit- oder Nebenjob etwas zum Familieneinkommen beisteuern wollen.
      Außerdem hat es der überwiegende Teil der Menschen in unserem Land selbst in der Hand, sich in der Schule zu bilden, eine qualifizierte Ausbildung zu machen oder sich Fortzubilden. Auch sollte es mittlerweile bekannt sein, dass bestimmte Jobs nur schlecht bezahlt sind. Also: Augen auf bei der Berufswahl!
      Ich habe täglich mit jungen Berufsanfängern und Menschen die kurz vor dem gewerblich / technischen Berufsleben stehen zu tun. Die meisten sind sich ihrer kommenden Einkommen nicht bewusst, die wenigsten sind in der Lage zu erkennen, dass 1500€ Brutto im Hotel Mama viel Geld ist, in Eigenverantwortung lebend aber nur zum Nötigsten reicht.
      Noch weniger setzen die Erkenntnis zielgerichtet um. Nochmal: Augen auf bei der Berufswahl!
      Gruß aus Celle