Jeder vierte Deutsche fühlt sich finanziell gefährdet

Nur eine von zehn Personen in Deutschland fühlt sich finanziell ausreichend abgesichert. Dabei werden die aktuelle Wirtschaftslage, die Arbeitslosigkeit und die künftige finanzielle Entwicklung in die Einschätzung mit einbezogen.

Ein Viertel der Deutschen (25 %) schätzt sich selbst als finanziell gefährdet ein – ein Wert vergleichbar mit der Einschätzung in Spanien und Frankreich (je 25 %). Einer von vier Umfrageteilnehmern berichtet (24 %), sein Haushalt hätte in den letzten zwölf Monaten „eher mehr als weniger“ mit finanziellen Problemen kämpfen müssen. Dieser Anteil ist höher als in Italien und Spanien (je 21 %) und deutlich höher als in Großbritannien (15 %).

Das sind die Ergebnisse der 6. Ausgabe des Genworth Index, einer jährlichen Erhebung des internationalen Versicherers zur Wahrnehmung von finanzieller Sicherheit und Gefährdung in Europa und weltweit. Der Bericht basiert auf einer Befragung von 21.000 Verbrauchern in 20 Ländern.

Deutschland belegt den 6. Rang. Das ist die beste Platzierung seit Beginn der Umfrage im Jahr 2007. Grund für die Verbesserung in der Rangfolge ist unter anderem der  Optimismus in Bezug auf die zukünftige finanzielle Entwicklung. Nur 10 Prozent erwarten, dass ihre finanzielle Lage sich in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird, während 23 davon überzeugt sind, sie würde sich verbessern. Am ausgeprägtesten ist der Optimismus in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen (18-35 Jahre), wo der Wert auf 39 Prozent ansteigt.

Die Mehrheit der befragten Deutschen (57 %) hat keine ausreichenden Rücklagen, um ihren Lebensstandard im Fall eines plötzlichen Ausfalls oder einer Reduzierung ihres Haushaltseinkommens aufrechtzuerhalten.

56 Prozent der Befragten halten eine Kombination aus staatlicher und privater Vorsorge zur eigenen finanziellen Absicherung für notwendig. Diese Meinung wurde über alle demografischen Strukturen hinweg vertreten, ohne signifikante Unterschiede in den verschiedenen Einkommensgruppen, Regionen oder Bildungsstrukturen.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass es keine völlige Immunität vor finanzieller Gefährdung gibt. Die Risiken, finanziell in Not zu geraten, bestehen weiterhin, trotz gesunkener Arbeitslosenquote und Wirtschaftswachstum”, sagt Oliver Nauth, Country Manager von Genworth Lifestyle Protection in Deutschland und Österreich. Diese Erkenntnis wird auch im Vergleich der verschiedenen Bundesländer bestätigt. Beispielsweise bezeichnet mehr als jeder Vierte (27 %) in Nordrhein-Westfalen und Bayern seine Lage als finanziell gefährdet, während in Hessen und im Saarland – Regionen, die ein signifikant niedrigeres BIP ausweisen – nur 17 % dieser Ansicht sind.

Laut eines kürzlich veröffentlichten Berichts der OECD steht Deutschland außerdem vor herausfordernden demografischen Veränderungen.1 Im Jahr 2050 wird nahezu jeder dritte Deutsche (32,3 %) 65 Jahre oder älter sein. Nach der aktuellen Beschäftigungsstruktur wird der Anteil der berufstätigen Bevölkerung (15-64 Jahre) voraussichtlich auf 14,8 Millionen absinken.

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Kommentare

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  1. Steiner sagt:

    Die private Vorsorge wurde und wird von den meisten Bürgern verantwortungsvoll betrieben.Das Problem: wenn sich Herr Schäuble freut, wieder Steuern für Zinsen eingespart zu haben, werden die Bürger Ihrer Erträge auf Sparguthaben und Lebensversicherung enteignet. Alles für einen Euro der wieder und wieder gerettet werden muß.
    Außerdem werden wir noch bluten müssen. Die Regierung lügt, wenn sie Griechenland ein Haushaltsprimärüberschuß bestätigt wie gestern 7.5.2014 in Aktie at Prof.Sinn anprangert. Welchen Sinn soll eine private Vorsorge haben, wenn ich auf der anderen Seite, politisch gewollt, immer mehr enteignet werde.

  2. Hase sagt:

    Kein Wunder, daß in Regionen mit niedrigem BIP die Angst vor finanzieller Gefährdung gering ist. Da leben alle von Harz4 und brauchen sich deshalb keine Sorgen um den Verlust des Einkommens zu machen.

  3. jakob sagt:

    oh ja, weil diese ganzen wachkoma michel angst haben, sich den nächsten benz nicht mehr von den rippen absparen zu können.

    solche aussagen kann man ja wohl nicht wirklich ernst nehmen!!!

    • M.Krispin sagt:

      Diese Statistik passt wohl nicht so recht in die offizielle Staatsmeinung unserer Regierung und deren speichelleckenden Dackeln der Mainstream Medien oder? Ich habe noch nie auf einen Benz gespart. Wie auch bei einem Reallohnzuwachs von weniger als 2 Prozent in den letzten 20 Jahren.
      Erst hier in Asien erlebe ich so etwas wie ein einfaches, gerechtes (Merz’sches) Stufen-Steuersystem mit 26% Spitzensatz, einen staatlichen Rentenfond mit zur Zeit mickrigen 6%Zinsen, Diesel unter 50cent. Sonstige staatliche Abgriffe – negativ! Hier kann ich jetzt doppelt so viel fuer meine Rente sparen in 10 Jahren, als in ueber 35 Jahren in DE, zum heutigen Zeitpunkt. Gut, die deutsche Rente ist sicher — fuer viele spaeter zu klein zum Ueberleben. Ich stimme Ihnen aber zum Wachkoma zu, aber wegen Dummheit des Michel

  4. dparvus sagt:

    „Deutsche arbeiten so viel wie zuletzt vor 20 Jahren “

    Wenn man sich an die 50er erinnert:
    Damals ginges uns richtig gut, zweimal drei Wochen Urlaub, oft im Ausland, mit Kindern: Kein Problem.

    Ein (ja, nur einer!) guter und gut bezahlter „Job“ (sagt man ja wohl heute…), im erlernten Beruf meist, die stabile D-Mark und keinerlei Zukunftsängste, auch den sog. Südländern ging es gut, mit mehr oder weniger häufigen Abwertungen ihrer Währungen, aber niemanden hat das gestört, mit viel weniger Banken, keine mußte gerettet werden, sie konnte höchstens pleite gehen.

    Und viel Zeit für schöne Dinge. Und kein Multikulti- und Gerchtigkeitsgefasel von grün- roten Spinnern.

    Es war wirklich viel, viel schöner als heute, auch wenn wir auf Handy, Smartphone und manchen Spielkram verzichten mußten, den aber im Grunde niemend braucht.

    Ich möchte mein Deutschland zurück haben.