Lufthansa kann Verluste kaum eindämmen

Das erste Quartal war saisonal bedingt dürftig aus. Die Lufthansa konnte den operativen Verlust jedoch auf 245 Millionen Euro verringern. Die größte deutsche Airline hat sich in den vergangenen Jahren ein Sparprogramm auferlegt und will 3.500 Stellen streichen. Ein drohender Streik der Piloten könnte der Fluglinie wieder teuer zu stehen kommen.

Der neue Lufthansa -Chef Carsten Spohr startet mit Rückenwind ins Amt. Zwar flog die Kranich-Airline im ersten Quartal die saisonüblich roten Zahlen ein. Doch dank einer kleineren Tankrechnung und Erfolgen bei der Konzernsanierung schrumpfte der operative Verlust um knapp ein Drittel auf 245 Millionen Euro, wie der größte Luftfahrtkonzern Europas am Dienstag mitteilte. Anleger reagierten begeistert: Das Papier schnellte um knapp fünf Prozent nach oben und setzte sich an die Spitze des Leitindex Dax.

Doch zurücklehnen kann sich der neue Mann im Cockpit nicht: Der Tarifkonflikt mit den Piloten schwelt nach dem spektakulären Drei-Tagesstreik vor einem Monat weiter, Fluggäste buchen derzeit nur zögerlich und die Konkurrenz rückt der deutschen Traditions-Airline immer mehr auf die Pelle (mehr hier).

Die arabischen Fluglinien Qatar Airways und Etihad nehmen noch dieses Jahr die ersten Airbus A380 mit luxuriöser Innenausstattung in Dienst. Beim Air-Berlin -Partner Etihad können Passagiere bald sogar in einem eigenen Appartement inklusive Butler um die Welt düsen – für Zehntausende Dollar. Zusammen mit Emirates bringen sich damit drei finanzkräftige Fluglinien vom Persischen Golf mit ihren Riesen-Jumbos gegen die Lufthansa in Stellung. Spohr sieht in den staatlichen Konkurrenten – neben Billigfluglinien wie Ryanair – eine der größten Herausforderungen für seine Amtszeit.

Der 47-jährige Spohr, der am 1. Mai offiziell das Ruder von Christoph Franz übernommen hatte, kennt jede Ecke der Lufthansa: Vor der Berufung an die Spitze führte der Manager mit Pilotenschein die umsatzstarke und prestigeträchtige Passagiersparte.

Um der Offensive aus dem Nahen Osten zu trotzen, hat sich die Lufthansa eine Rosskur auferlegt, der unter anderem 3.500 Jobs zum Opfer fallen. Lohn der Mühen: Die Kosten fielen in den ersten drei Monaten des Jahres um vier Prozent. Daneben wirkten sich noch andere Faktoren positiv aus. Die Tankrechnung, einer der größten Kostenposten bei Airlines, soll dieses Jahr etwa mit 6,7 Milliarden Euro rund 100 Millionen Euro niedriger ausfallen als bislang. Zudem bringt eine längere Abschreibungsdauer für Flugzeuge über das Jahr gesehen 350 Millionen Euro mehr operativen Gewinn. Im Gesamtjahr strebt der Vorstand weiterhin einen operativen Gewinn von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro an.

Die Suche nach Verstärkung im hartumkämpften Asien-Geschäft zieht sich hin. Seit längerem verhandelt die Lufthansa mit Air China über eine tiefere Partnerschaft. Die Gespräche liefen, aber es sei noch nicht absehbar, wann eine Einigung erreicht werden könne, sagte Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne. Details zur Art der Partnerschaft wollte sie nicht nennen, verwies aber auf bestehende Joint-Ventures auf bestimmten Strecken, die als Vorbild für das Projekt mit den Chinesen dienen könnten. Nach Japan etwa betreibt die Kranich-Linie mit der Fluglinie ANA ein Gemeinschaftsunternehmen, bei dem die Flugpläne abgestimmt und die Umsätze geteilt werden. Die Art der Kooperation geht damit weit über Codeshare-Abkommen hinaus, bei denen Flüge lediglich gemeinsam genutzt werden.

Ungelöst ist der Streit mit den gut 5.000 Piloten. Derzeit werde verhandelt, sagte Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne. „Falls die Gespräche scheitern, können weitere Streiks nicht ausgeschlossen werden.“ Hinter den Kulissen laufen die Verhandlungen über den Hauptstreitpunkt, die betriebsinterne Altersversorgung der Flugzeugführer auf Hochtouren. Ein weiterer Streik kann schnell teuer werden. Allein die Arbeitsniederlegung der Piloten im April kostete 45 Millionen Euro operativen Gewinn. Ingesamt kosteten alle Arbeitsausstände in diesem Jahr Airline bislang 70 Millionen Euro. Das mache sich auch bei den Buchungen bemerkbar. „Top-Priorität hat jetzt, den Buchungsrückstand, der durch Streiks entstanden ist, wieder aufzuholen.“ Das dürfte aber noch bis zum Juni dauern.

 

 

Kommentare

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  1. Rentner sagt:

    Die LH hat Verträge bezüglich der Betriebsrente gekündigt.

    Der Grund ist einfach. Seit 1978 hat die LH den Arbeitnehmeranteil zur Betriebsrente für ALLE übernommen, auch nach dem Umbau des VBL Nachfolgesystems. Somit fallen der LH frühere Entscheidungen voll vor die Füße, da man 1994 ( nach dem Ende der VBL ) versäumt hat, im Nachfolgemodell Sicherheitsklauseln einzubauen.
    Die Summen für das Cockpit sprengen mittlerweile den Rahmen, zeigt aber, was diese hoch bezahlte Egoistentruppe unter Solitarität innerhalb des Konzern versteht. Denen ist der Rest der Firma scheißegal. Der Clou ist, dass das Cockpit nicht bereit ist, einen Eigenanteil an ihrer exorbitanten hohen Betriebsrente zukünftig zu leisten. Das diese hohen Rücklagen, und das üppige Salär von dem Rest der Firma erwirtschaftet werden muss, blenden diese Herren aus. Was macht das Cockpit eigentlich dann, wenn einige der vielen Bodendienste nicht funktionieren, die überwiegend auch im Schichtdienst beschäftigt sind, und viele davon am Flieger rum schrauben? Ist ein Techniker am Gate oder in der Werft, der den Flieger checkt, nicht genau so verantwortungsvoll, bei wesentlich geringeren Bezügen? Bekommen diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen aus dem Schichtdienst scheiden müssen, auch solche Extrawürste serviert? Ist es nicht so, dass alle am Boden sich den Arsch aufreißen, damit diese Herren von A nach B fliegen können? Merken diese eigentlich nicht, dass sich im internationalen Luftverkehr die Winde gedreht haben? Mir ist kein anderer Konzern bekannt, wo eine so elitäre Gruppe, in dieser Größenordnung, auf dem Rücken der restlichen Belegschaft, Konzernpolitik betreibt, und eine so hohe Leistungen beziehen, und das ohne einen Eigenanteil. Im Falle einer Fluguntauglichkeit, wäre es auch denkbar, dass diese extrem hochqualifizierte Mitarbeiter (laut Cockpit Jargon) im Konzern weiter beschäftigt werden könnten. Dieses hat nur einen Nachteil, sie müssten arbeiten lernen und sehen, wie andere ihr Gehalt mühselig verdienen, aber dadurch auch den Konzern kennen lernen.