Online-Händler Zalando geht im Herbst an die Börse

Zalando hat Investmentbanken dazu beauftragt, einen Börsengang für Herbst vorzubereiten. Der Online-Händler konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um über 50 Prozent steigern, machte aber dennoch aufgrund von Investitionen 120 Millionen Euro Verlust.

Die Börsenpläne des Online-Modehändlers Zalando werden offenbar konkret. Das Berliner Unternehmen habe die Investmentbanken Credit Suisse, Morgan Stanley und Goldman Sachs mandatiert, um einen Börsengang im September vorzubereiten, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Zuvor hatte das Magazin Bilanz berichtet, das Management von Zalando habe den lange erwarteten Börsengang beschlossen. Als Handelsplatz sei die US-Technologiebörse Nasdaq im Gespräch, an der sich viele Internet-Unternehmen tummeln, hieß es in dem Bericht.

„Der Zeitplan erscheint recht ehrgeizig, das Ziel ist aber nicht unrealistisch“, sagte einer der Insider. Normalerweise engagieren Unternehmen die begleitenden Banken fünf bis sechs Monate vor der geplanten Erstnotiz. Zalando hatte immer als ein aussichtsreicher Börsenkandidat für dieses Jahr gegolten – und als eines der begehrtesten Mandate für Investmentbanken. Alle drei ausgewählten Institute haben viel Erfahrung mit Börsengängen von Online-Unternehmen.

Die schwedische Beteiligungsfirma Kinnevik, die mit 36,5 Prozent größter Zalando-Gesellschafter ist, hatte ihren Anteil zuletzt mit knapp 1,4 Milliarden Euro bewertet. Auf dieser Basis wäre der Online-Händler fast 3,8 Milliarden Euro wert. Das erst fünf Jahre alte Unternehmen steigerte 2013 den Umsatz um 52 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro, schrieb aber 120 Millionen Euro Verlust. Das Kerngeschäft in Deutschland, Österreich und in der Schweiz sei aber profitabel, die Verluste nur der Expansion in weitere Märkte geschuldet, hatte Vorstand Rubin Ritter erklärt.

Das Unternehmen, Kinnevik und die beteiligten Banken äußerten sich zu den Informationen nicht. „Wir konzentrieren und darauf, was für das Unternehmen das Beste ist – auf das operative Geschäft“, sagte ein Zalando-Sprecher. „Wir prüfen immer alle Optionen für das Unternehmen, dazu mag auch ein Börsengang gehören“, bekräftigte er lediglich. Die von den Internet-Unternehmern Marc, Oliver und Alexander Samwer gegründete Zalando war durch den Slogan „Schrei vor Glück“ populär geworden, der sich durch ihre Fernsehwerbe-Kampagnen zieht. Weitere Zalando-Miteigentümer sind der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen, Holtzbrinck Ventures und Tengelmann sowie der kanadische Pensionsfonds OTPP.

Die Aktien des britischen Zalando-Rivalen Asos haben in den vergangenen Wochen den Rückwärtsgang eingelegt, nachdem sich das Umsatzwachstum verlangsamt hatte und der Gewinn wegen steigender Investitionen um 22 Prozent zurückging.

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  1. Al Harbour sagt:

    Warum will Zalando an die Boerse?

    Schlicht einfach: Zalando geht das Geld aus…. Nachdem die Retourenquote nicht unbedingt besser wird und dem Unternehmen nur rote Zahlen beschert, ist der Gang an den Kapitalmarkt die logische Schlussfolgerung. Es wird immer schwieriger neue Investoren zu gewinnen, welche in diese Luftblase hineininvestieren. Zalando will sich, a la Amazon oder Facebook diversifizieren und besorgt sich fuer dieses Geld am Kapitalmarkt.

    Zahlt Zalando Steuern?
    Nachdem Zalando noch nie schwarze Zahlen geschrieben hat, kostet dieses Unternehmen nur dem deutschen Steuerzahler.
    Durch die angehäuften Verlustvortraege wird Zalando auch ueber die nächsten Jahre keine Steuern bezahlen. Wenn es soweit ist, dann werden Verrechnungsgesellschaften od. Gesellschaften auf Cayman Islands, Irland etc. gegruendet.

    Normal geführte Kleinunternehmen koennen sich nicht erlauben rote Zahlen zu schreiben und keinen Gewinn zu machen. Kleine Geschäfte koennen sich es nicht leisten freien Versand bzw. gratis Retouren anzubieten. Zum einen ist dieses zu kostspielig, zum anderen wird ein vielfaches an Inventar gebraucht, denn Kunden nutzten dieses schamlos aus, bestellen die Waren in verschieden Groessen und Farben, alles unter dem Motto „ich kann ja alles zurückschicken“. Somit gondelt ein Grossteil der Ware in der Welt herum. Hut ab vor den Franzosen, welche im Buchhandel keinen gratis Versand und Retoure erlauben….

    Fazit: der kleine Einzelhändler kann nicht konkurieren und wird von den grossen verdrängt und jeder schimpft darueber wieso in den Fussgängerzohnen immer nur dieselben Geschäfte zu sehen sind…. ich dachte Geiz ist Geil ist Vergangenheit???