Schweizer Hotelliers wollen härtere Auflagen für Airbnb-Anbieter

Hotelleriesuisse fordert, dass Anbieter privater Wohnungen und Häuser zur Miete in der Schweiz stärkere Auflagen erfüllen müssen. So soll der Druck auf Airbnb erhöht werden. So sollen die privaten Untervermieter Kurtaxe abführen und strengere Brandschutzregeln umsetzen.

Die Vermittlung von Privatwohnungen über das Internet wird in der Schweiz immer beliebter. Die beliebtesten Online-Plattformen sind Airbnb, Wimdu und 9Flats. Sie sind vor allem für junge Reisende eine günstiger Alternative zu den teureren Schweizer Hotels und Pensionen. Auch Familien, Geschäftsreisende nutzen das Angebot aus dem Internet immer häufiger.

Wie die NZZ berichtet, hat sich die Zahl der Wohnangebote in der Schweiz bei Airbnb mit 4.500 fast verdoppelt. Allein in Zürich gibt es über 1.000 Angebote. Die Zahl der Airbnb-Touristen sei gar um 250 Prozent gestiegen. Das Angebot reicht vom WG-Zimmer bis hin zum Luxusappartement.

Der Schweizer Hotelverband Hotelleriesuisse beklagt, dass die Hoteliers durch die neue Konkurrenz der privaten Anbieter aus dem Internet ungleich behandelt werden. Die Kosten der Hotels sind höher als die der privaten Untervermieter. Sie müssen strenge Hygiene- und Brandschutzvorschriften erfüllen und jede Übernachtung den Behörden melden.

Doch vor allem in den Städten entwickle sich das Angebot von der Nische hin zur echten Konkurrenz mit gewerblichem Hintergrund. Solche Anbieter sollten sich an die gleichen Spielregeln halten, fordert Urs Raschle, Geschäftsleiter von Zug Tourismus. Airbnb wurde 2008 in den USA gegründet und zählt derzeit über 600.000 Inserate in über 34.000 Städten. In manchen Städten gibt es bereits mehr Privatbetten als Hotelzimmer.

Andererseits würden viele Touristen ohne die günstigen Angebote aus dem Internet gar nicht erst in die Schweiz reisen. Die Schweiz profitiert also auch von dem neuen Besucherstrom. Zudem wird der Druck auf die Anbieter solcher Untervermietungen noch weiter steigen. Airbnb hat bereits die Geschäftsbedingungen dahingehend geändert, dass Reisende sich dazu verpflichten, die Kurtaxe vor Ort zu entrichten.

In einigen Kantonen der Schweiz müssen Airbnb-Reisende auch schon zahlen: Ein Anbieter wird zahlungspflichtig, wenn er „regelmässig und gegen Entgelt“ Personen beherbergt, ergänzte der Zuger Kantonsrat im April das Gesetz zur Beherbergungstaxe. Es liegt nun an den Behörden, diese Regelmäßigkeit zu kontrollieren. Ein Problem dabei ist die ausufernde Bürokratie. Die Behörden sind auf die Kooperation der Online-Plattformen angewiesen, sonst scheint eine flächendeckende Kontrolle zu aufwendig. Für die genaue Kontrolle müsste ein Airbnb-Beauftragter installiert werden, der die Angebote auf der Internetseite überprüft.

Das Bundesamt für Wohnungswesen hatte angekündigt, eine Gesetzesänderung zu prüfen und Airbnb zu verbieten, so wie es in New York und Berlin geplant ist. Doch „eine Revision zum Thema Airbnb ist in den nächsten zwei, drei Jahren nicht geplant“, sagt Cipriano Alvarez, Rechtsleiter vom Bundesamt für Wohnungswesen einem Bericht Schweiz am Sonntag zufolge.

Die Schweizer Hoteliers wollen sich der neuen Konkurrenz stellen: „Wir mussten einsehen, dass es eigentlich schon heute genügend Gesetze gibt», sagt Thomas Allemann, Geschäftsleitungsmitglied von Hotelleriesuisse. „Es liegt aber an den Behörden, diese für die neuen Beherbergungsformen wie Airbnb anzuwenden.“

Viele Airbnb-Anbieter seien sich oft gar nicht bewusst, dass sie gesetzliche Auflagen zu erfüllen hätten. Dabei gelte auch für sie eine Meldepflicht der übernachtenden Gäste, sie müssten Sicherheits- und Hygienevorschriften erfüllen, ab einem Umsatz von 100 000 Franken Mehrwertsteuer bezahlen und je nach Gemeinde die Kurtaxe einziehen. Hotelleriesuisse hofft auf die Selbstregulierung der Online-Anbieter: „Sie selber haben das grösste Interesse an einem gesetzeskonformen Verhalten, um eine stärkere Regulierung zu verhindern“, sagt Allemann.

Einen effektiven Rückgang der Übernachtungen hat es im vergangenen Jahr trotz der erstarkenden Konkurrenz nicht gegeben. Gemäß den provisorischen Ergebnissen des Bundesamtes für Statistik (BFS) verzeichnete die Hotellerie in der Schweiz im März 2014 insgesamt 3,2 Millionen Logiernächte, was gegenüber März 2013 einer geringen Zunahme von 0,4 Prozent (+13’000 Logiernächte) entspricht. Insgesamt 1,8 Millionen Logiernächte gingen auf das Konto der ausländischen Gäste. Das ist ein Plus von 0,3 Prozent (+5000 Logiernächte).

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