„Schwaches Frühjahr“: Deutsche Firmen exportieren weniger Waren

Die exportierten Waren der deutschen Unternehmen gingen im März um 1,8 Prozent zurück. Das ist der stärkste Rückgang seit zehn Monaten. Experten begründen den Rückgang mit der Unsicherheit durch die Ukraine-Krise, dem starken Euro und der schwachen Nachfrage aus den Schwellenländern.

Die Ukraine-Krise, der starke Euro und eine schwächere Entwicklung in vielen Schwellenländern machen der deutschen Wirtschaft zu schaffen. Nach Produktion und Industrieaufträgen fielen im März auch die Exporte (mehr hier). Sie schrumpften überraschend um 1,8 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das war nicht nur der zweite Rückgang in Folge, sondern zugleich der stärkste seit Mai 2013. „In ein eigentlich intaktes Umfeld mit dem Aufschwung in den USA und der Erholung in der Euro-Zone mischen sich erste Störelemente“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier.

Dazu gehört der Ukraine-Konflikt, der zu Sanktionen des Westens gegen Russland geführt hat. „Das wird unsere Exporte nach Russland in diesem Jahr um acht bis zehn Prozent drücken, das wären mindestens drei Milliarden Euro weniger“, so Treier. Im Januar und Februar waren die Ausfuhren nach Russland sogar um 16 Prozent eingebrochen, die in die Ukraine um mehr als ein Fünftel (mehr hier).

Russland ist der elftgrößte deutsche Kunde. Der starke Euro verteuert zudem deutsche Waren in Übersee. Dort schwächelt die Nachfrage vor allem in einigen Schwellenländern. So droht China in diesem Jahr das geringste Wachstum seit 24 Jahren (hier). „Das alles gibt Anlass zur Sorge“, warnte Treier.

Ökonomen von Banken sehen das ähnlich. „Die jüngsten Daten sind relativ schlecht“, sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. „Das könnten erste Anzeichen dafür sein, dass die Weltkonjunktur tatsächlich ein wenig an Schwung verloren hat.“ Einzelhandel und Investitionen dürften dagegen gut gelaufen sein, der Bau wiederum habe vom milden Winter profitiert (hier). Schmieding rechnet deshalb mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,0 Prozent im ersten Quartal, das wäre mehr als doppelt so viel wie Ende 2013. In diesem Tempo dürfte es aber nicht weitergehen. „Wir kommen schwach heraus aus dem ersten Quartal“, sagte der Europa-Chefanalyst von Nordea, Holger Sandte. „Das ist ein Argument dafür, dass wir ein nicht so tolles Frühjahr sehen werden.“

Die deutschen Unternehmen verkauften im März Waren im Wert von 96 Milliarden Euro ins Ausland und damit 1,9 Prozent mehr als im März 2013. Besonders stark legten dabei mit 10,4 Prozent die Exporte in EU-Länder zu, die nicht Teil der Euro-Zone sind – etwa Polen und Großbritannien. Die Ausfuhren in die Euro-Zone kletterten nur minimal. Die Exporte außerhalb der EU-Länder – etwa in die USA, China und Russland – fielen um 0,4 Prozent.

Im ersten Quartal übertrafen die Exporte ihr Vorjahresniveau um 3,1 Prozent. Der Branchenverband BGA rechnet im Gesamtjahr mit einem Wachstum von drei Prozent, nachdem die Ausfuhren 2013 noch leicht geschrumpft waren.

Die Importe sanken im März überraschend um 0,9 Prozent zum Vormonat (hier). Analysten hatten hier ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. Der Handelsüberschuss – die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren – lag bereinigt bei 14,8 Milliarden Euro. Er fiel damit um fast zwei Milliarden Euro geringer aus als erwartet.

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  1. hullefutz sagt:

    …exportieren weniger…

    das klingt gut. dann wird wenigstens nicht so viel verschenkt. Target 2 lässt grüßen.