Billig-Importe erhöhen Konkurrenzdruck für Mittelständler im Inland

Der starke Euro verteuert die Übersee-Exporte und macht den Warenimport billig. Das erhöht den Konkurrenzdruck für mittelständische Firmen im Inland. In den Euro-Krisenländern ist die Situation noch angespannter. Es wird erwartet, dass die EZB im Juni in die Preisbildung eingreifen wird.

Der starke Euro macht zunehmend auch den deutschen Firmen zu schaffen. Denn er verteuert die Exporte in viele Regionen der Welt und sorgt wegen billigerer Importe für Konkurrenzdruck im Inland. Der Euro-Kurs von derzeit rund 1,38 Dollar bereitet auch der Europäischen Zentralbank (EZB) Sorgen (mehr dazu – hier).

Die Exporteure verfallen dennoch nicht in Panik und setzen auf ihre Wettbewerbsfähigkeit: „Für Deutschland und andere starke Länder in der Euro-Zone ist dieser Kurs noch verträglich“, sagt der Chef des Branchenverbands BGA, Anton Börner. „Damit kann man leben.“ Anders sehe es für Frankreich und die Südeuropäer aus, die auch wegen mangelnder Reformen hinterherhinkten.

Just aus Frankreich kam zuletzt erneut der Vorstoß, die Geldpolitik müsse etwas gegen die Euro-Stärke tun (hier). Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte dies über ihren Regierungssprecher ab. Auch EZB-Präsident Mario Draghi verwahrte sich gegen Einmischungen und betonte die Unabhängigkeit der Zentralbank.

Der Italiener räumte aber ein, der Euro-Kurs sei im Zusammenhang mit der niedrigen Inflation ein Grund zu ernsthafter Sorge (hier). Denn der starke Euro macht viele Importe billiger. Aufseiten der EZB schürt dies Ängste vor anhaltend niedrigen Preisen. Die Notenbank strebt eigentlich eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an, ist von diesem Ziel derzeit aber weit entfernt. Manche Experten fürchten sogar einen Preisverfall, der als gefährlich gilt, weil Verbraucher dann meist weniger konsumieren und Unternehmen ihre Investitionen auf die lange Bank schieben (mehr zum Preisverfall – hier).

Bei den Firmen wächst unterdessen der Konkurrenzdruck. „Wettbewerber aus dem Ausland können ihre Waren etwa in Deutschland günstiger anbieten“, erklärt Konjunktur-Experte Dirk Schlotböller vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Knackpunkt für Exporteure wiederum ist, dass sich ihre Waren außerhalb des Währungsraums verteuern. „Die Firmen spüren die Euro-Stärke bereits“, fügt Schlotböller hinzu. Dies zeigten auch die jüngsten Quartalszahlen vieler Konzerne. Beim Software-Riesen SAP etwa bremste die Schwäche anderer Devisen den Gewinnanstieg. Für das laufende Quartal befürchtet SAP sogar noch stärkere negative Wechselkurseffekte. Hiervon erwartet der weltgrößte Autozulieferer Robert Bosch 2014 einen Dämpfer beim Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Bosch plant deshalb, seine Produktion verstärkt ins Ausland zu verlagern. Europas größter Autobauer Volkswagen will ähnlich vorgehen.

Ein Trumpf für viele deutsche Firmen ist das Gütesiegel „Made in Germany“ (mehr zur Bedrohung des Gütesiegels durch die EU – hier). „Oft ist der Preis nicht das ausschlaggebende Argument – eher die Qualität und Maßanfertigung der Produkte“, ergänzt Schlotböller. „Andere Euro-Länder, die eher über Massenfertigung und damit niedrigen Preisen punkten wollen, spüren die Euro-Stärke mehr.“ Für Spanien, Portugal und Griechenland etwa werde es schwieriger. Ähnlich sieht es Börner: „Für die ist es dramatisch, da sie wegen mangelnder Produktivitätsfortschritten immer mehr ins Abseits gedrängt werden.“ Diese Länder könnten das Ruder nur durch mehr Strukturreformen herumreißen.

 

Kommentare

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  1. Andy sagt:

    Welche Euro-Stärke? Alles Geschwätz! War nicht der Euro schon auf 1,60 und das hat die Energie- und Rohstoffpreise schön gedrückt und war die deutsche Industrie damals konkurrenzfähig? Na eben!

  2. Werner sagt:

    Ich will aber keinen „Weich-Euro“ und auch keine „2 % Mager-Zinsen“ !!!!!
    Und schon gar keine Inflation !!!!!
    Helmut Kohl hat uns versprochen dass der Euro genau so stabil ist wie einst die D-Mark ! Und Versprechen müssen gehalten werden . Amen .

  3. Bernhard sagt:

    Was regen wir uns denn so sehr auf? Es war doch absehbar, dass bei Niedrigstlöhnen und gleichzeitigem Zollverlust zur Herstellung eines fairen Wettbewerbes bei DIESER Globalisierung Druck entsteht, der zur Zerstörung des Mittelstandes führt. Und wenn der Mittelstand dezimiert ist (reduziert auf inländische Serviceleistungen) dann haben wir das, was wir heute in den USA sehen: Deindustrialisierung und Verarmung breiter Bevölkerungsschichten.