Ökonomen: Harte Sanktionen gegen Russland schaden deutscher Wirtschaft

Ökonomen und EU-Kommission gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft erheblichen Schaden davon trägt, wenn die Sanktionen gegen Russland verschärft werden. Das Wachstum im laufenden Jahr könnte um rund einen Prozentpunkt geringer ausfallen. Der Handelskrieg sei vergleichbar mit der Rubelkrise von 1998.

Harte Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland dürften auch Deutschland konjunkturell treffen. Dieses Szenario entwerfen Ökonomen und auch die EU-Kommission in einem dem Magazin „Stern“ vorliegenden Bericht. Die Zeitschrift beruft sich auf ein vertrauliches Papier der Brüsseler Behörde für die Bundesregierung. Im schlimmsten Fall könnte das Bruttoinlandsprodukt demnach in diesem Jahr um 0,9 Prozentpunkte und 2015 um 0,3 Punkte geschmälert werden. Ökonomen der Deutschen Bank halten die kolportierten Zahlen für „durchaus plausibel“. Ein Sprecher der EU-Kommission wollte den Stern-Bericht weder dementieren noch bestätigen.

Die EU und die USA stehen vor einer Verschärfung der Sanktionen wegen des russischen Vorgehens im Ukraine-Konflikt. Im Gespräch ist die Ausweitung der Kontensperrungen und Einreiseverbote. Auch harte Wirtschaftssanktionen sind möglich. Es sei mit einem „größeren negativen Effekt“ für die deutsche Konjunktur zu rechnen, wenn sich Wirtschaftssanktionen und russische Gegenreaktionen aufschaukeln sollten, meint Deutsche-Bank-Ökonom Heiko Peters: „Weil unsere Energieabhängigkeit relativ hoch ist, dürften wir es besonders im Winter zu spüren bekommen.“

Auch seine Bank hat mögliche wirtschaftliche Auswirkungen in einem Szenario durchgerechnet. Dabei wird die Rubel-Krise von 1998 zum Vergleich herangezogen, in deren Verlauf die deutschen Exporte nach Russland um 57 Prozent abgesackt waren. Deutschlands größte Bank geht davon aus, dass bei einem Einbruch der Exporte nach Russland um 30 Prozent die hiesige Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozentpunkte gemindert würde. Sie veranschlagt für dieses Jahr in ihrem Basisszenario ein Wachstum von 1,5 Prozent. Rund 2,5 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen derzeit nach Russland. Die Exporte nach Russland sind bislang um 16 Prozent zurückgegangen (mehr hier).

Ökonom Heinrich Bayer von der Postbank geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft „bei einem Handelskriegs einen Einbruch erleben wird.“ Verunsicherte Unternehmen würden dann Investitionen in die Erweiterung ihrer Anlagen und ihres Maschinenparks „auf Eis legen“. Doch sei eher zu erwarten, dass das Wirtschaftswachstum in einem solchen Fall im nächsten Jahr stärker gemindert werde als 2014. Dies gelte insbesondere für den Fall, dass es im Winter zu Energie-Engpässen kommen sollte. Die EU-Kommission sieht laut „Stern“ für dieses Szenario zahlreiche Risiken auf die Wirtschaft zukommen. Wie sich etwa höhere Ölpreise auf die Haushalte und Börsen auswirkten, lasse sich kaum abschätzen.

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    POLITIKER SCHADEN MIT UNBEDACHTEN SANKTIONEN DER WIRTSCHAFT
    EU und Politiker der EU-Länder, verhängen im Interesse der USA, Sanktionen gegen Russland. Dabei nehmen diese Herrschaften nicht absehbaren Schaden für die Wirtschaft in Kauf. Die EU befindet sich in einer Krise und hätte einen Aufschwung der Wirtschaft dringend nötig! Bei Überfall auf den Irak mit zehntausenden Toten wurden merkwürdiger Weise keine „Sanktionen“ gegen die USA verhängt !
    Dies zeigt, welche Interessen von der €USA vertreten werden. (Freihandelszone)
    Bei den EU-Wahlen nur EU-Kritische Parteien wählen, es dürfte die letzte Chance sein, bevor wir total ausgeplündert, enteignet und entmündigt werden!

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Leider ist den Wenigsten die Hintergrundbrisanz der aktuellen Lage bewusst.
    Das ist die elende Allgemeine Wirtschaftliche Lage insbesondere in USA und EU.
    Der Westen gibt massiv inneren Druck nach aussen gegen Russland ab.
    Russland hat sich nach dem Zusammenbruch des Ostblockes nach dem Totaldesaster des Realsozialismus Wirtschaftlich und Politisch erholt. Russland fährt innzwischen längst einen gemässigt Nationalen Kurs. Der sog. Westen, Sieger des Kalten Krieges hat sich auf breiter Front massiv übernommen Wirtschaftlich Ideologisch Militärisch.
    Der Westen steht massiv mit dem Rücken gegen die Wand. Ein Umstand der auch den Russen bewusst sein dürfte. Den Russen stecken 2.Erfahrungswerte massiv in den Knochen. 1.Die Erfahrungen eines knapp überstandenen gewaltigen Wirtschaftsdesasters. 2. Der 2.Weltkrieg mit den massiven Verlusten von rund der hälfte der Verluste an Menschenleben des 2.Weltkrieges.
    Die Sprengstofflage:
    Ein Westen am Rande des Wirtschaftlichen Absaufens konfrontiert mit einem rasant schwindenden Bedeutungsverlust im Globalen Geschehen.
    Auf der anderen Seite ein Russland das weder ein erneutes Wirtschaftsdesaster sowie einen erneuten Krieg gegen Europa mit entsprechenden Verlusten will und braucht.
    Es stinkt gewaltig. Da stehen Beide mit einem unterschiedlichen Hintergrund mit dem Rücken gegen die Wand daraus ergibt sich die extreme Brisanz der Aktuellen Lage.
    Möglicher Ausweg.
    Gemeinsames vorgehen in der Ukraine.
    Das heisst Gemeinsame Besetzung der Ukraine zur Vermeidung eines Bürgerkrieges.
    Anschliessend sollten sich nach einer Stabilisierung des Lage die Ukrainer per Referendum entscheiden was die den wollen respektive in welchem ,,Lager,, sie die die Zukunft sehen.
    Gelingt das nicht steigt die Gefahr das sich die Lage in einen Grosskonflikt hochschaukelt. Im Extremfalle bis hin zu einem Militärischen Schlagabtausch mit letztlich verheerenden Folgen für beide Seiten.
    Ein solches Szenarium sollt, kann es doch nicht sein???

  3. Nigné sagt:

    Scheibchen für Scheibchen wird seit dem Sommer 2013 das Thema Kita-Pflicht warm gehalten. Die Herren und Damen Sozialklempner köcheln dabei mal auf höherer, mal auf niedrigerer Flamme. Hauptsache, die „Problematik“ bleibt in aller Munde. „Gewöhnung“ heißt diesmal das Zauberwort. Peu à peu wird das Wahlvolk auf diesem Wege mit bis noch vor einigen Monaten Undenkbarem vertraut gemacht:

    http://www.ef-magazin.de/2014/05/10/5315-kita-pflicht-uebergeordnete-interessen

  4. Leopold sagt:

    Ökonomen und EU-Kommission?
    Das sind die Richtigen. Diese Ukraine-Krise wurde von den Laienpolitikern aus Brüssel initiiert. Durch Unterstützung politischer Randgruppen, sie jetzt eine extreme Regierung bilden und den Rückhalt in einem großen Teil der Bevölkerung verloren haben. Und jetzt soll die USA retten. Wann macht man endlich der EU klar, dass sie für solche Aktion keine demokratische Legitimation hat?

  5. Bernhard sagt:

    „Der Handelskrieg sei vergleichbar mit der Rubelkrise von 1998“ – dieser Bewertung stimme ich ausdrücklich nicht zu! Wir haben es zutun mit einer geostrategischen Frage in Bezug zur politischen Systemfrage, die immer noch offen ist. Da die deindustrialisierte USA ein zu geringes BIP hat, wird versucht, auf Kosten von Europa (Deutschland) die alte Macht wieder aufzubauen.

    Inzwischen ist es so, dass in 20 Prozent aller US- Familien KEIN beschäftigungsabhängiges Einkommen besteht; große Teile der mittleren und unteren Schicht sind verarmt und die Gefahr eines Bürgeraufstandes wird gesehen und es wird durch Bedeutungsgewinn des Heimatschutzministeriums und dessem Kauf von 450 Millionen Hohlspitzgeschossen Aufständen vorgebeugt.

    Da innere Unruhen nicht im Sinne einer stabilen Weltmacht sind, ist es nur zu verständlich, dass die USA alle Register ziehen. Weniger verständlich ist, dass unsere Bundesregierung dieses grausame Spiel mitspielt.

    • blonde sagt:

      Sie haben (leider) völlig recht. Die VSA setzen ihre Interessen im Ukraine-Konflikt gnadenlos durch. Der Konflikt wird bewusst eskaliert – Sanktionen (die den VSA nicht weh tun) belasten zunehmend den Wirtschaftskonkurrenten EU und insbesondere Deutschland. Täglich werden neue Forderungen an Putin gestellt, eine Ende der Krise ist nicht absehbar. Die Tatsache, dass unsere Politiker langfristig gegen die Interessen von Deutschland handeln ist nicht zu begreifen.