E.ON fordert Hilfe vom Staat: Gewinn bricht um 65 Prozent ein

Milder Winter und die niedrigen Preise belasten das Ergebnis von E.ON. Der Energieriese musste einen Gewinn-Einbruch von 65 Prozent verkraften. Der Staat habe die Rahmenbedingungen für die Energiekonzerne verschlechtert und soll nun Hilfestellung leisten, so E.ON.

Der größte deutsche Energiekonzern E.ON dringt wegen seiner wegbrechenden Gewinne immer stärker auf staatliche Hilfe. Er hoffe, dass die Bundesregierung kurzfristig einen Weg einschlage, um die Stromerzeugung aus ständig verfügbaren Kraftwerken durch eine angemessene Vergütung abzusichern, erklärte Vorstandschef Johannes Teyssen am Dienstag. Die Konkurrenz durch den Ökostrom und der Preisverfall bei den Strom-Großhandelspreisen ließen die Gewinne im ersten Quartal weiter purzeln. Am Wochenende waren Überlegungen der Energieriesen E.ON, RWE und EnBW bekannt geworden, die milliardenschweren Risiken für die vor dem Aus stehenden Atomkraftwerke auf den Staat abzuwälzen (mehr hier).

Teyssen beklagte einmal mehr, dass der Staat die Rahmenbedingungen für die Energiekonzerne verschlechtert habe und den Unternehmen nun aus der Patsche helfen müsse. „Deutschland ist unser wichtigster Markt, aber auch der mit den größten Herausforderungen durch Politik und Regulierung“, erklärte der Manager, der das Unternehmen seit 2010 führt. E.ON sei überzeugt, dass die Energiewende effizient und sicher gestaltet werden könne.

Die Quartalszahlen machten den Frust der Versorger erneut deutlich. Unter dem Strich brach bei E.ON der Gewinn um 65 Prozent auf 762 Millionen Euro ein. Operativ ging er um zwölf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zurück. Teysssen bekräftigte die Prognose für 2014, wonach der operative Gewinn im Gesamtjahr auf 8,0 bis 8,6 Milliarden Euro von 9,3 Milliarden im Vorjahr fallen wird. Im ersten Quartal machte dem Konzern – wie bereits dem Konkurrenten EnBW – der milde Winter zu schaffen. Die E.ON-Aktie gab am Dienstag zeitweise fast zwei Prozent nach. Der deutsche Branchenzweite RWE legt am Mittwoch seine Zahlen vor. Analysten erwarten einen Gewinneinbruch.

Den großen Erzeugern E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall macht in Deutschland die Konkurrenz durch den Ökostrom zu schaffen. Diese lässt die Börsenpreise purzeln und drängt die Gas- und Kohlekraftwerke aus dem Markt. Die Versorger fordern, dass ihre rund um die Uhr laufenden Anlagen im Vergleich zu den Ökostromanlagen gestärkt werden. Sie treffen aber bei der Bundesregierung auf wenig Gegenliebe.

„Der deutsche Energiemarkt ist nach wie vor aus dem Gleichgewicht“, klagte E.ON-Finanzchef Klaus Schäfer in einer Telefonkonferenz. Dies zeige auch die Entscheidung des Konzerns, sein Atomkraftwerk Grafenrheinfeld 2015 einige Monate früher stillzulegen als von der Bundesregierung verlangt. Insgesamt hat E.ON für den Abriss seiner Kernkraftwerke und den Atommüll Rückstellungen in Höhe von 14,6 Milliarden Euro gebildet. Auf die Frage, ob diese ausreichten, sagte Schäfer: „Das basiert auf sehr, sehr detaillierten Kalkulationen und Erfahrungen.“ Die Zahlen würden von Wirtschaftsprüfern testiert.

Zu den jüngst bekanntgewordenen Erwägungen der Konzerne, ihre Atomlasten in eine öffentlich-rechtliche Stiftung auszulagern, wollte sich der Konzern nicht äußern. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters prüfen E.ON, RWE und EnBW die Möglichkeit, ihre Meiler an den Staat abzugeben und damit die Risiken für Restlaufzeit, Abriss und Atommüll abzuwälzen. Die Überlegungen hatten zum Teil für scharfe Kritik gesorgt. Die Bundesregierung hatte erklärt, solche Vorschläge nicht zu kennen, andere – wie etwa das Wirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen – wollen sie prüfen.

 

Kommentare

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    siehe Kaiser, König, Bettelmann – an der Feudalgesellschaft hat sich nichts geändert, siehe Thomas Piketty: http://orf.at/stories/2227463/2227493/
    DARAUS FOLGT: BAUERNAUFSTÄNDE!

  2. StefanBode sagt:

    Wenn Konzerne über öffentlich rechtliche Stiftungen nachdenken um teile des Vermögens und der Risiken darauf zu übertragen, heißt das im Klartext das die Risiken wohl deutlich höher eingeschätzt werden, als das vorhandene Vermögen hinreichend wäre. 40 Jahre sehr gute Gewinne machen und jetzt bei gesunkenen Gewinnen (8 – 8,6 Mrd. € als 8.000 – 8.600 Millionen EURO) nach dem Staat/Allgemeinheit zu rufen ist eine Frechheit.
    Gruß aus Hannover

  3. Dziber sagt:

    Wir reden von gewinn!
    Das bedeutet, die steuern + Gehälter sind schon bezahlt!!
    Wollen die uns verarschen?
    Denen bleiben „nur“ 760mio€ über…. Hallo?
    Allein schon um hilfe zu fragen, ist eine beleidigung an den verstand.
    Es wird ums erzählt, es fehle überall geld und dann verlangt ein multimilliarden unternehmen staatliche hilfe, weil der gewinn zu klein ist?
    Wie wäre es denn, wenn diese energiekonzerne die verseuchten fässer aus der asse auf eigene kosten rausholen und den müll anständig endlagern?

  4. Petra sagt:

    Der Steuerzahler soll wohl jetzt für alles in Haftung genommen werden.Sogar schon für den milden Winter.

    Wir haben hier schon amerikanische Verhältnisse und das TTIP wird uns Bürger für jeden „Dreck“ in Mithaftung für die Gewinne von Konzerne nehmen.

    Was ich allerdings nicht verstehe, ich habe meinen Stromverbrauch um 30% gesenkt, muss aber einen höheren Abschlag zahlen – wegen Preiserhöhung.

  5. PETER sagt:

    762 Millionen EURO Gewinn!!! Wer braucht den da Hilfe und wofuer? Die Welt steht Kopf!

  6. T.Körner sagt:

    Davon merke ich nichts . Miete Strom Geld Lohn weg