Chemieindustrie: Kein Preisanstieg trotz Wachstum

Die Chemieproduktion legt um 4,2 Prozent zu. Die Branche baut ihren Umsatz um fünf Prozent aus. Für steigende Preise reicht das Wachstum allerdings noch nicht aus. Die Unternehmen müssen die Preise für ihre Produkte voraussichtlich leicht absenken.

Die Chemiekonjunktur gewinnt allmählich an Fahrt. Beflügelt durch ein starkes Geschäft mit der heimischen Industrie baute die Chemiebranche Umsatz und Produktion im ersten Quartal kräftig aus. Für den weiteren Jahresverlauf setzt Deutschlands drittgrößter Industriezweig nach der Autobranche und dem Maschinenbau auf eine anhaltende wirtschaftliche Erholung in Europa, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Dienstag mitteilte. „Die Stimmung in den Unternehmen ist verhalten optimistisch. Dazu trägt vor allem die positive Entwicklung der Euro-Zone bei“, urteilte VCI-Präsident und Merck -Chef Karl-Ludwig Kley.

Mit einer steigenden Industrieproduktion in Europa nehme auch die Chemienachfrage zu, sagte Kley zur Vorlage des Berichts zum ersten Quartal. „Das macht uns für unseren wichtigsten Exportmarkt zuversichtlich.“ Die Branche mit Größen wie BASF, Bayer, Evonik und Merck erzielt rund 70 Prozent ihres Auslandsgeschäfts in den europäischen Nachbarländern.

Allerdings bleibe die Dynamik der wirtschaftlichen Erholung insgesamt eher schwach. Kley rechnet daher wie bisher für 2014 nur mit einem leichten Anstieg der Chemikalien-Produktion von zwei Prozent. Beim Branchenumsatz wird ein Plus von 1,5 Prozent auf 193,5 Milliarden Euro erwartet. In den Preisen wird sich die Erholung 2014 voraussichtlich noch nicht niederschlagen: Der VCI geht davon aus, dass die Unternehmen die Preise um rund 0,5 Prozent senken müssen.

Im ersten Quartal baute die Branche ihre Produktion um 4,2 Prozent aus. Eine gute Nachfrage nach Fein- und Spezialchemikalien sorgte dafür, das die Anlagen der Unternehmen im Schnitt mit einer Auslastung von 85,1 Prozent arbeiteten. Die Produktion von chemischen Grundstoffen wie Petrochemie-Produkten war hingegen zum Jahrsstart rückläufig. Die Chemiebranche setzte von Januar bis März 46,8 Milliarden Euro um – ein Plus von fünf Prozent. Motor war das Chemiegeschäft im Inland: Die Unternehmen bauten dank starker Nachfrage aus der Industrie ihren Inlandsumsatz um sechs Prozent aus.

Kley rechnet damit, dass die Chemienachfrage im Inland in den nächsten Monaten weiter steigen wird. Das Auslandsgeschäft wuchs hingegen im ersten Quartal nur um 3,5 Prozent. Die Perspektiven seien aber auch für das Auslandsgeschäft gut, befand Kley. Die Schwellenländer in Asien und in Südamerika würden 2014 im Sog der Industrieländer ihre Schwächephase überwinden.

Der Verband der Chemischen Industrie vertritt die Interessen von rund 1650 Chemieunternehmen. Die Branche zählte im ersten Quartal 440.000 Beschäftigte. Binnen Jahresfrist entspricht dies einem leichten Zuwachs von 0,5 Prozent.

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