Konzern in der Cloud: SAP baut weltweit Stellen ab

Der Trend zum „Cloud-Computing“ kostet bei SAP Jobs. Der Konzern will weltweit in allen Arbeitsfeldern Stellen abbauen. Zu kleine Standorte werden geschlossen, die zentrale Kundenberatung ausgebaut. Kundenberater vor Ort sind nicht mehr so stark nachgefragt.

Mit der Umstellung auf das als zukunftsträchtig geltende „Cloud“-Geschäft fallen beim Software-Konzern SAP Arbeitsplätze weg. „Es wird zu Stellenabbau kommen, dieser ist aber sehr gezielt“, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch. Massenentlassungen seien nicht geplant – am Ende des Jahres werde SAP unter dem Strich erneut mehr Mitarbeiter beschäftigen. Derzeit arbeiten knapp 67.000 Menschen bei Europas größter Software-Schmiede. Wie viele Stellen überflüssig werden, wollte der Sprecher nicht beziffern. „Es sind nicht Tausende“, sagte er. Betroffen seien alle Regionen weltweit und alle Arbeitsfelder – ob Entwicklung, Vertrieb oder Kundendienst.

Der Marktführer für Firmensoftware stellt sich schon länger darauf ein, dass die Kunden zunehmend Mietsoftware gegen Gebühren über das Internet nutzen statt sie gegen eine Lizenzgebühr zu kaufen. Das hat Folgen beim Personalbedarf – so werden im Service weniger Mitarbeiter gebraucht, die den Kunden vor Ort beraten. Das wird stattdessen zentral und aus der Ferne geleistet. Zu kleine Standorte sollen wegfallen oder verlagert werden, wie der Sprecher erläuterte. Konzernchef Bill McDermott, der bald alleine an der Spitze von SAP steht, hatte Mitte April die Devise „Vereinfachen und Optimieren“ ausgegeben. Das Cloud-Geschäft und der Handel mit der klassischen, beim Kunden installierten Software sollen verschmolzen werden.

Seit der Umstellung auf die Cloud-Technologie herrscht bei SAP auch an der Spitze ein reges Kommen und Gehen. Einige Führungskräfte von Cloud-Anbietern, die SAP übernommen hat, verließen den Konzern nach kurzer Zeit. So ging vor wenigen Tagen Shawn Price, der erst zu Jahresbeginn als Dritter an dieser Stelle zum Cloud-Chef ernannt worden war. Da den Kunden Mietsoftware und traditionelle Software nun aus einer Hand angeboten werden, sei dieser Posten überflüssig geworden, erklärte der Sprecher. Vergangene Woche war außerdem überraschend Entwicklungschef Vishal Sikka aus dem Vorstand ausgeschieden – er ist der Vierte innerhalb eines Jahres, der das Top-Management verlassen hat.

 

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