Topmanager im Mittelstand wechseln oft das Unternehmen

Ein Drittel der Führungskräfte ist auf Jobsuche. Falsche Vorstellungen vom Arbeitsverhältnis zum Chef sorgen für den erhöhten Wechselwillen der Manager. Für mittelständische Betriebe wiegen die Folgen schwer: Hohe Rekrutierungskosten, lange Vakanzzeiten und eine fehlende strategische Kontinuität können das Unternehmen schwächen.

Ein Drittel der Topmanager aus mittelgroßen Unternehmen (500 bis 1.000 Mitarbeiter) ist aktiv auf Jobsuche. Weitere 40 Prozent sind offen für neue Angebote. Über alle Firmengrößen (100 bis 5.000 Mitarbeiter) hinweg sind nur 18 Prozent der Führungskräfte konkret auf der Suche. Für die Studie „Jobwechsel im Topmanagement“ der Personalberatung InterSearch Executive Consultants wurden 150 Vorstände, Geschäftsführer sowie Bereichsleiter befragt.

Die Zahlen überraschen, da Mittelständler als Arbeitgeber generell begehrt sind. Manager, die bei mittelgroßen Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern arbeiten, sich ganz bewusst für ihre Firma entschieden haben. So geben 78 Prozent an, dass der gesellschaftsrechtliche Hintergrund bei ihrer letzten Arbeitgeberwahl eine große oder sehr große Rolle gespielt hat. „Die Kandidaten unterschätzen häufig, wie wichtig der persönliche Draht in mittelgroßen und vor allem inhabergeführten Unternehmen ist. Ein guter Kontakt zum Inhaber ist zwingende Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere“, sagt Thomas Bockholdt, Geschäftsführender Gesellschafter der auf den Mittelstand spezialisierten Personalberatung InterSearch Executive Consultants.

„Wenn der Manager mit dem Unternehmenschef auf einer Wellenlänge ist, kann es funktionieren – wenn nicht, wird der Manager auf Dauer mit den speziellen Gepflogenheiten der Firma nicht glücklich“, sagt Bockholdt. Er verweist darauf, dass im Mittelstand die Arbeitskultur deutlich stärker vom Unternehmenschef geprägt wird als in Konzernen. „Auch ein Bereichswechsel nützt hier wenig, denn der Chef mischt sich in der Regel überall ein“, so Bockholdt.

Dieses Spannungsfeld wird auch von einer vorangegangenen Unternehmensbefragung der Personalberatung belegt. Sie zeigt: 31 Prozent der Personalverantwortlichen von Unternehmen bis zu 1.000 Mitarbeitern haben sich schon von Managern getrennt, weil diese sich nicht in die Unternehmenskultur einfügen konnten.

Die ungeplanten Trennungen und häufigen freiwilligen Wechsel der Mittelstandsmanager haben gravierende Folgen für die Unternehmen. „Kosten im sechsstelligen Bereich für die Neubesetzung selbst und als Folge von Vakanzzeiten sowie eine mangelnde strategische Kontinuität belasten die Firmen“, sagt Bockholdt. So gaben in einer früheren Studie der Personalberatung 42 Prozent der Unternehmen an, dass sie ein halbes Jahr oder länger für eine erfolgreiche Rekrutierung brauchen. Nur zwölf Prozent brauchten dafür weniger als drei Monate.

Viele der frühzeitigen Arbeitgeberwechsel lassen sich aber vermeiden, wenn sich Kandidat und Unternehmen im Einstellungsprozess aufeinander einlassen. Im weiteren Verlauf helfen ein gut konzipiertes Onboarding und strukturierte Prozesse, die Manager zu halten. „Eine wohlüberlegte Begleitung in den ersten Monaten ist gerade in Führungspositionen wichtig. Durch den regelmäßigen Austausch können beide Parteien sicherstellen, dass sich die jeweiligen Vorstellungen zur Zusammenarbeit decken – oder gemeinsam dafür sorgen, dass sie sich annähern“, sagt Bockholdt.

Für die Studie wurden 150 Vorstände, Geschäftsführer, Bereichs- und Abteilungsleiter online befragt. Die Befragten kommen aus Unternehmen ab 100 Mitarbeitern in den Branchen Dienstleistung, Handel und Industrie. Befragungszeitraum: Ende 2013.

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  1. Tacheles sagt:

    Hier muss ich klar wiedersprechen, denn man muss hier zweierlei Punkte
    klar und deutlich ansprechen!

    1.) Viele sogenannte „Topmanager“ werden nur Aufgrund ihres „Dr. – Titels“
    eingestellt. Sind sie erstmals direkt mit den Problemen vor Ort konfrontiert,
    wird sehr schnell deutlich, dass die meissten keine Ahnung von der Materie
    haben. Weder von Personalführung noch von Problemlösungstechniken.
    Viele von diesen „Topmanagern“ schweben auch in anderen Sphären!
    Ihnen ist ein schönes Büro und die junge Sekräterin nebenan wichtiger als
    ihre eigene Tätigkeit.

    2.) Mangel an Fachwissen. Wenn man sieht, was ein neu eingestellter
    „Topmanager“ vorher für einen Job inne hatte, muss ich manchmal schmunzeln.
    Da glauben doch viele von einem Job einfach so in einen anderen zu hüpfen
    ohne ein Fachwissen hier mit zu bringen, geht schon irgendwie.
    Nein es geht nicht!
    Denn die untergebenen Mitarbeiter merken dass sofort und fragen sich, ob hier
    die Personalabteilung noch richtig tickt!

    „Wenn der Manager mit dem Unternehmenschef auf einer Wellenlänge ist, kann es funktionieren“ heißt, der Chef sieht schon bald, ob dejenige Ahnung hat oder
    nicht und zieht die Reißleine.

    Außerdem, welcher „Chef“ wird denn bei einer Online – Umfrage eine ehrliche
    Antwort geben?