Finanziell fit: Mittelständler lehnen Neuaufnahme von Krediten ab

Der Mittelstand hält sich noch immer mit Investitionen zurück. Werden neue Projekte realisiert, nehmen die Unternehmen Eigenkapital dafür in die Hand. Seit 2001 sind deutsche Unternehmen zurückhaltend bei der Aufnahme von Neukrediten.

Bankkredite sind bei den deutschen Mittelständlern kaum gefragt. Zwei Drittel der Unternehmer versuchen ihre Investitionen möglichst ohne Fremdkapital zu finanzieren, wie eine Umfrage der Commerzbank unter 4000 Mittelständlern ergab. „Die Unternehmen sparen nach wie vor“, stellte der für das Geschäft mit Firmenkunden zuständige Commerzbank-Vorstand Markus Beumer bei der Vorstellung der Studie „UnternehmerPerspektiven“ am Mittwoch fest.

„Die Geldspeicher sind randvoll“, sagte Michael Huvers, einer der Autoren der jährlichen Studie. „Finanzierungsprobleme hat der Mittelstand nicht.“ Nur 17 Prozent berichteten davon. Die Mittelständler bunkerten hohe Geldbestände auf ihren Konten und nähmen ihre Kreditlinien nur wenig in Anspruch, konstatierte Beumer. „Es ist eine hohe Aversion gegen Fremdfinanzierung da“, aber nicht erst seit der Finanzkrise, sondern schon seit 2001. Die niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) verpufften deshalb. Auch eine weitere Leitzins-Senkung würde der deutschen Konjunktur nicht helfen (mehr hier).

Dabei halten Wissenschaftler die Investitionen deutscher Unternehmen ebenso für zu gering wie deren Verschuldung, wie der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, bei der Vorstellung der Studie klarmachte. „Da stellt man eine gewisse Verzagtheit fest“, obwohl die Verunsicherung aus der Finanzkrise allmählich weiche. Deutschland drohe seine Wachstumschancen wegen der geringen Ausrüstungsinvestitionen nicht auszuschöpfen, warnte Hüther. Der Mittelstand stehe auf der Investitionsbremse, betonte Beumer. Ganz oben auf der Tagesordnung stehe für die Unternehmer der Substanzerhalt, an zweiter Stelle folgten Investitionen in die Steigerung der Effizienz (hier). „Der große Wachstumsschritt steht auf der Prioritätenliste erst auf Nummer drei.“

Doch drei Viertel der Unternehmen selbst halten der Studie zufolge ihre Ausgaben in Wachstum und den Erhalt der Substanz für ausreichend. Schwankende Rohstoff- und Energie-Preise sowie der Fachkräftemangel bremsten ihre Investitionsfreude stärker als die Lage des eigenen Unternehmens. Globale Wachstumstrends betrachteten sie eher als Gefahr denn als Chance. Etwas Hoffnung macht Commerzbank-Vorstand Beumer, dass die Mittelständler nach dem Ende der Krise nicht mehr so stark auf Sicht fahren.

53 Prozent von ihnen seien nach der Umfrage bereit, auch wieder langfristig zu investieren. Vor zwei Jahren waren es nur 38 Prozent. „Die Frage ist jedoch, wann und wie sich dies in konkretem Handeln niederschlägt.“ Auch Alternativen zum traditionellen Bankkredit erfreuen sich wachsender Beliebtheit (mehr zum Thema Crowdfundinghier).

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Kommentare

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  1. Selbstverwalter sagt sagt:

    zufälligierweise bin ich auch selbständiger und für was und für wen soll oder sollte ich wieder neu verschulden!!!! ich habe keine lust mehr für die banken oder für die bananenrepublik der BRVD finanzagentur gmbh weiter den schuldsklaven bzw. den zinsneger zu spielen

    QUI BUNO!!!!!!!!!!!!!!!
    alle ob bänker oder der scheinstaat will nur unser BEESSTTEEESSSSSS!!!!!!!!!!!

    ich sage nur an diese beiden lumpen und vorteilsnehmer

    kkkiiissss mmeeeee backsiddeeeeee !!!!!!!!!!!!

  2. Axel sagt:

    Kein Wunder liebe Banken! Wer will als Unternehmer gern persönlich haften? Die Zeiten als eine GmbH ohne Probleme Kredite bekam ist vorbei. Nein heute muss die Grundschuld aufs priv. Häusl her usw. …

  3. wolfgang sagt:

    Wer will sich schon den Zufälligkeiten der Finanzmärkte aussetzen? Die Banken haben in der Vergangenheit häufig tatsächlich verraten und verkauft.

  4. Klaus Hoffmann sagt:

    Ist doch kein Wunder, die Banken „verdienen“ mit Zockerprodukten ein mehrfaches wie ein Unternehmen durch Arbeit je erwirtschaften kann. Das Ergebnis sind Kreditbedingungen die für das Unternehmen tödlich enden können. Zinsen bis 18% sind üblich.
    Also werden die nötigsten Investitionen mit Eigenkapital oder Privatdarlehen zu meist moderaten 4% Zinsen getätigt.

    Die Börsenzockerei (Geldvermehrung ohne produktive Wertschöpfung) ist nichts weiter als verdeckte Inflation. – Alle verlieren ( auch die Banken )

  5. Steuerzahler sagt:

    Man investiert doch nicht, wenn man rückläufige Umsätze und Gewinne hat. Wer ein bißchen Verstand besitzt, wird sich nicht in die Schuldenfalle treiben lassen.

    Zusätzlich werden die Mittelständler mit überbordender Bürokratie belastet. In Zukunft gibt es wohl nur noch Großbetriebe (welche dann immer öfter vom Steuerzahler gerettet werden sollen) und Kleinbetriebe unter 10 Arbeitnehmern.

    Wer in diesen Zeiten Schulden macht und nicht das Kapital auf anderer Seite liegen hat um im Notfall seine Verbindlichkeiten gleich begleichen zu können, ist verdammt wagemutig, dumm oder hat nichts zu verlieren.

    Zudem besteht nach wie vor das Risiko, dass wir alle verzypert werden.

    Schöne neue Welt?
    Verdammter Euro!