Fünf Risiken beeinflussen das Wachstum in Deutschland

Die deutsche Wirtschaft wuchs im ersten Quartal um 0,8 Prozent. Finanzminister Schäuble spricht von einem Aufschwung. Dennoch gibt es fünf große Risiken, die die Konjunktur in den nächsten Wochen bremsen werden: Die Ukraine-Krise, das schwache Wachstum in China, der starke Euro, die Deflation in einigen Ländern der Euro-Zone sowie die hohen Preise am deutschen Aktienmarkt.

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal so kräftig gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr. Höhere Investitionen, mehr Konsum und der milde Winter trugen zu einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent zum Vorquartal bei, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Das ist doppelt so viel wie der Zuwachs von 0,4 Prozent Ende 2013. Von Reuters befragte Ökonomen hatten diesmal nur mit einem Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet. Allerdings dürfte der Frühjahrsaufschwung diesmal schwächer als gewohnt ausfallen, sagen Experten.

„Bei diesem kräftigen Wachstum zum Jahresbeginn spielte allerdings auch die extrem milde Witterung eine Rolle“, erklärte das Statistikamt. Dadurch blieb vor allem der Bau von den sonst üblichen Unterbrechungen verschont. Aber nicht nur der Bau boomte, auch der Konsum zog an: Sowohl die privaten Haushalte als auch der Staat gaben mehr Geld dafür aus. Die Unternehmen investierten „deutlich mehr“ als zuletzt. „Dagegen bremste der Außenhandel das Wirtschaftswachstum“, erklärte das Statistikamt. Es wurden weniger Waren exportiert, aber deutlich mehr Waren importiert als Ende 2013. Europas größte Volkswirtschaft bleibt damit Wachstumsmotor der Währungsunion (mehr hier). Die französische Wirtschaft etwa stagnierte zu Jahresbeginn lediglich.

Fünf große Risiken

„Es deutet alles auf einen breiten Aufschwung hin“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer in Berlin. Deutschland befinde sich im Augenblick in einer „relativ guten Situation „Die Finanzmärkte kümmern sich derzeit überhaupt nicht um geopolitische Risiken“, sagte der Minister. Dennoch bestehen fünf großen Risiken, die das Wachstum der deutschen Wirtschaft in den kommenden Monaten dämpfen könnte.

Ukraine-Krise:

Die Ukraine-Krise ist eine vonDie deutschen Exporte nach Russland sind im Januar/Februar um 16 Prozent eingebrochen (mehr hier), die in die Ukraine um ein Fünftel. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schätzt, dass die Ausfuhren nach Russland in diesem Jahr auch ohne weitere Eskalation des Konflikts mit dem Westen um acht bis zehn Prozent sinken dürften. Das wäre ein Minus von mindestens drei Milliarden Euro. Sollte es zum Handelskrieg mit Russland kommen, könnte die deutsche Wirtschaft gar „einen Einbruch erleben“, warnen Volkswirte der Postbank. Gefahr droht auch, wenn Osteuropa in den Abwärtssog geraten sollte. Die ehemaligen kommunistischen Länder gehören zu den am schnellsten wachsenden Absatzmärkten Deutschlands.

Hoher Euro-Kurs

Der starke Euro macht dem Export zu schaffen. „So stark wie in den letzten eineinhalb Jahren hat der Euro in den vergangenen zehn Jahren nie zugelegt“, sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Vor Kurzem kletterte der Euro nahe an 1,40 Dollar – Ende 2012 lag er noch knapp über 1,30 Dollar. Für die deutsche Wirtschaft mag das zwar noch verkraftbar sein. „Damit kann man leben“, sagt etwa der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner. Doch der gestiegene Euro-Kurs macht den europäischen Krisenländern zu schaffen, die mit schmerzhaften Lohnkürzungen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht und dank der Exportbelebung gerade erst die Rezession beendet haben. Der Höhenflug des Euro bedroht diesen Erfolg. Das wiederum gefährdet auch die deutsche Wirtschaft, die rund 40 Prozent ihrer Exporte in die Währungsunion schickt (hier).

Abschung in China

Die Regierung in Peking erwartet 2014 das schwächste Wachstum in China seit 24 Jahren (hier). Einige Volkswirte befürchten sogar einen Einbruch der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Eine Immobilienpreisblase, Überkapazitäten in einigen Industriebranchen, die enorme Verschuldung von Unternehmen und privaten Haushalten sowie der große Markt der Schattenbanken zählen zu den Risiken in China. Als viertgrößter deutscher Exportkunde und wichtiger Taktgeber der Weltwirtschaft hätte eine Krise dort auch gravierende Folgen hierzulande.

Deflation

In fünf der 18 Euro-Länder fallen die Preise, darunter in Griechenland und Spanien. In der gesamten Euro-Zone liegt die Teuerungsrate aktuell mit 0,7 Prozent weit unter dem Wert von knapp zwei Prozent, bei dem die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht. Kommt es zu einem Preisverfall auf breiter Front, hätte das verheerende Folgen für die Wirtschaft: Die Unternehmen würden nicht mehr investieren und einstellen, Verbraucher große Anschaffungen hinauszögern, die Konjunktur in die Knie gehen – auch in Deutschland (mehr zum Thema Deflationhier).

Preisblasen

Befeuert von billigem Notenbankgeld erklomm der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag ein neues Rekordhoch. Damit steigt die Gefahr, dass Preisblasen entstehen – und die können platzen, wie das jähe Ende des Neuen-Markt-Booms um die Jahrtausendwende gezeigt hat. Auch am Immobilienmarkt kann es zu Übertreibungen kommen. Die Bundesbank warnte schon 2013, dass die Preise in einigen Großstädten zu hoch seien (hier). Auf der Flucht vor niedrigen Zinsen stecken nach wie vor viele Deutsche ihr Geld in Betongold, was die Preise befeuert. Die globale Finanzkrise begann 2007 mit dem Platzen einer Immobilienblase in den USA und trieb die Weltwirtschaft in ihre schwerste Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

 

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  1. Gustav sagt:

    Es gibt noch mehr Risiken für Deutschland:
    Die EZB mit der unverantwortlichen Geldpolitik, die Euro-Rettungsfonds, das TTIP zwischen EU und USA und nicht zuletzt die ungebremste Armutszuwanderung, das vielleicht grösste Problem. Ghettobildung und Slums in den Städten. Heute schon sitzen Bettler an jeder Strassenecke auch in kleinen Städten. Kriminalfälle, besonders Raub und Diebstahl sind stark steigend. Der Wohlfühlfaktor der deutschen Bevölkerung ist stark sinkend.
    Und die Politiker tun nichts. Alles wird schön geredet und rosarot gemalt und dies ist derzeit gut zu beobachten vor den Europa- und Kommunalwahlen.