Wirtschafts-Wachstum in Euro-Zone verlangsamt sich

Die schwachen Konjunkturdaten aus Italien und Frankreich führen dazu, dass sich das Wachstum der Euro-Zone verlangsamt. Die Krisenländer erholen sich nur langsam von der Rezession. Die Ukraine-Krise hat das Wachstum in Russlands sogar halbiert.

Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist zu Jahresanfang nur halb so stark gewachsen wie erwartet. Grund dafür waren vor allem schwache Konjunktur-Daten aus Frankreich und Italien, während die deutsche Wirtschaft so kräftig anzog wie seit drei Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt in den 18 Ländern des Währungsraums stieg zwischen Januar und März um 0,2 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten jedoch mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet. Zudem fiel das Wachstum Ende 2013 mit 0,2 Prozent etwas schwächer aus als ursprünglich gemeldet. Für Schwung zum Jahresanfang sorgte Deutschland als größte Volkswirtschaft im Euroraum: Hier gab es dank der anziehenden Binnenkonjunktur ein Plus von 0,8 Prozent (mehr hier).

Das zweite Schwergewicht Frankreich hingegen enttäuschte, da die Wirtschaft nur stagnierte. Frankreichs Notenbank erwartet auch im Frühjahr keine kräftige Belebung. Die Wirtschaft soll dann um 0,2 Prozent wachsen. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit, die den privaten Konsum belastet. Nach Prognose der EU-Kommission wird das Wachstum in diesem Jahr mit 1,0 Prozent und auch 2015 mit 1,5 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Dadurch kommt auch der Abbau der Neuverschuldung des Staates nicht voran (hier).

In Italien schrumpfte die Wirtschaft sogar überraschend um 0,1 Prozent. Italien steckt immer noch in einer Wirtschaftskrise, es gehört zu den am höchsten verschuldeten Ländern der Welt. Regierungschef Matteo Renzi will einen Reformkurs einleiten. Unter anderem hat er Steuererleichterungen für Arbeitnehmer und Firmen auf den Weg gebracht. Ende April hatte sich die Regierung auf Sparpläne geeinigt (hier).

Auch in den Krisenländern setzte sich die Erholung nicht überall fort. Während die spanische Wirtschaft um 0,4 Prozent zulegte, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt in Portugal und Zypern jeweils überraschend um 0,7 Prozent zum Vorquartal.

Für Griechenland liegen nur Vergleichszahlen zum ersten Quartal 2013 vor, die nicht um jahreszeitliche Schwankungen bereinigt sind. Nach dieser Rechnung sackte die Wirtschaft zwar um 1,1 Prozent ab, aber deutlich weniger als in den Quartalen zuvor. Anfang 2013 war die Konjunktur noch um sechs Prozent eingebrochen. Seitdem verlangsamt sich die Talfahrt stetig. Griechenland und seine internationalen Geldgeber aus EU und IWF sagen der Wirtschaft nach sechs Jahren Rezession für 2014 erstmals wieder ein Wachstum von 0,6 Prozent voraus.

Das Wachstum in der Euro-Zone hinkt derzeit der Konjunktur in Japan deutlich hinterher (mehr hier). Dort wuchs die Wirtschaft im ersten Quartal um 1,5 Prozent. Allerdings sorgte die Mehrwertsteuererhöhung im April dafür, dass die Japaner zuvor ihre Konsumausgaben ungewöhnlich deutlich erhöhten. Die US-Wirtschaft hingegen stagnierte wegen des harten Winters fast.

BIP Russlands halbiert

Inmitten der Ukraine-Krise hat sich das Wachstum der russischen Wirtschaft im ersten Quartal mehr als halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März nur noch um 0,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt am Donnerstag in Moskau mitteilte. Ende 2013 hatte es noch ein Plus von 2,0 Prozent gegeben. Im Vergleich zum Vorquartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt nach früheren Schätzungen des Wirtschaftsministeriums sogar um 0,5 Prozent geschrumpft sein. Minister Alexej Uljukajew sagt für das Frühjahr eine Stagnation oder ein Minus von 0,1 Prozent voraus, was gleichbedeutend mit einer Rezession wäre.

Russland leidet wegen der Ukraine-Krise unter einem massiven Kapitalabfluss und einer Abwertung des Rubel. Nach Strafmaßnahmen gegen einzelne Russen drohen wegen des Vorgehens im Konflikt in der Ost-Ukraine zudem harte Wirtschaftssanktionen, die allerdings auch Deutschland schaden würden (hier).

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