OMV und Gazprom einigen sich auf günstige Gaspreise

Die Verhandlungen sind abgeschlossen. Österreichs OMV konnte sich mit Gazprom über neue Rabatte für den Bezug von Gas aus Russland einigen. Zudem soll eine gemeinsame Pipeline gebaut werden, die Gas an der Ukraine vorbei nach Österreich liefert.

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV hat sich einem Zeitungsbericht zufolge bei Gazprom ein weiteres Jahr günstige Gasbezugspreise gesichert. Dabei handle es sich erneut um eine Zwischenlösung. Eine langfristige Einigung strebten beide Seiten bis zum Sommer an, berichtete das „Wirtschaftsblatt“ am Donnerstag unter Berufung auf einen Insider. Die OMV wollte sich dazu nicht äußern.

Der österreichische Konzern bezieht einen Teil seines Gases von dem russischen Staatskonzern und hatte dafür bereits lang im Voraus einen Preis vereinbart. Die tatsächlichen Marktpreise sind seither jedoch deutlich gesunken, was bei OMV und anderen Versorgern zu hohen Verlusten geführt hatte (mehr hier). Der österreichische Konzern hatte sich daher Ende 2013 auf neue Bezugspreise geeinigt: Sie galten rückwirkend von April 2013 bis April 2014.

Die OMV hatte bereits in den vergangenen Tagen durch eine Vereinbarung mit Gazprom für Aufsehen gesorgt. Ungeachtet der Ukraine-Krise unterzeichnete der österreichische Konzern eine Absichtserklärung, die russische Pipeline South Stream bis nach Österreich zu bauen. Zudem verhandeln die beiden Firmen über einen Einstsieg Gazproms bei der wichtigen Gashandelsplattform in Baumgarten. Unternehmenskreisen zufolge könnte Gazprom einen Anteil von 25 Prozent erwerben. Die OMV besitzt bislang 65 Prozent.

Baumgarten ist für Gazprom von großem strategischem Interesse: Die Plattform zählt zu den wichtigsten Drehschreiben für Gas aus Russland. Rund ein Drittel des russischen Exports nach Westeuropa läuft über diesen Knotenpunkt in Österreich und gelangt von hier nach Ungarn, Italien, Kroatien, Slowenien, Deutschland und Frankreich.

Gazprom unternimmt bereits den zweiten Anlauf, sich an der Gashandelsplattform zu beteiligen. Bereits vor einigen Jahren wollte sich Gazprom Anteile an Baumgarten angeln. Damals war sogar ein 50-Prozent-Einstieg geplant. Der Deal wurde jedoch schließlich von der EU-Kommission blockiert – die Behörde befürchtet eine zu große Marktmacht des russischen Staatskonzerns. Inmitten der Ukraine-Krise werden Geschäfte mit Russland im Westen derzeit besonders kritisch beäugt. Die Europäische Union und die USA haben Sanktionen gegen Russland verhängt, es drohen weitere härtere Strafmaßnahmen (hier).

EU-Kommissar Günther Oettinger sprach sich zuletzt nicht grundsätzlich gegen den Bau der von Russland vorangetriebenen Gaspipeline South Stream aus. Bislang stand die EU dem Projekt kritisch gegenüber, weil es die Abhängigkeit Europas von russischem Gas nicht reduziert, sondern lediglich die Ukraine als Transitland umgeht. OMV und Gazprom arbeiten seit Jahren zusammen.

Der österreichische Gaskonzern hat derzeit auch an anderen Fronten zu kämpfen: Den Wienern machen weiter Produktionsausfälle in Libyen zu schaffen (hier). Da die Ölförderanlagen in dem krisengebeutelten nordafrikanischen Land seit März still stehen, musste OMV das Produktionsziel über Bord werfen. Zudem leidet das Unternehmen unter dem schwachen Raffineriegeschäft. Der um Lagereffekte bereinigte Betriebsgewinn schrumpfte im ersten Quartal um ein Fünftel auf 668 Millionen Euro.

Für 2014 erwartet der Konzern nun eine Förderung von 310.000 bis 330.000 Barrel pro Tag. Das untere Ende nimmt keine weitere Produktion in Libyen an, das obere Ende stützt sich auf ein normales Produktionsniveau in Zukunft. Ursprünglich hatte OMV damit gerechnet, dank neuer Quellen in Norwegen und Großbritannien die Produktion steigern zu können und eine Förderung von 320.000 bis 340.000 Barrel pro Tag in Aussicht gestellt.

Libyen kommt auch mehr als zwei Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi nicht zur Ruhe. Zuletzt brachten Rebellen immer wieder Ölhäfen unter ihre Kontrolle. Vor dem Sturz des Gaddafi-Regimes im Jahr 2011 erhielt die OMV etwa ein Zehntel ihrer Förderung aus dem Land. Aber auch Jemen wird immer wieder von Anschlägen erschüttert, eine wichtige Erdöl-Pipeline wurde wiederholt unterbrochen. Die Produktion der OMV sei aber nur wenige Tage stillgestanden.

OMV geht davon aus, dass die Renditen im Geschäft mit der Weiterverarbeitung von Rohöl zu Treibstoffen weiterhin unter Druck bleiben werden. Das Unternehmen begründete dies mit der schleppenden wirtschaftlichen Erholung und den bestehenden Überkapazitäten auf den europäischen Märkten.

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