MAN verlegt Bus-Produktion von Sachsen in die Türkei

Der Fahrzeugbauer MAN will die Reisebusse der Marke Neoplan künftig in Ankara produzieren. In Europa liegt das Marktvolumen für Busse auf einem historischen Tiefstand. Daher sei die Produktion in Plauen nicht mehr wirtschaftlich, so das Unternehmen.

MAN schließt sein einziges verbliebenes Buswerk in Deutschland. Mit der Verlagerung der Produktion von Sachsen in die Türkei will der Nutzfahrzeugbauer die Dauerprobleme in dem verlustreichen Geschäftsgebiet lösen.

Ab März 2015 sollen Reisebusse der Marke Neoplan in Ankara statt in Plauen gefertigt werden, teilte der Münchner Konzern am Dienstag nach einer Betriebsversammlung in dem Werk mit. Den betroffenen 420 Mitarbeitern würden neue Arbeitsplätze beim Mutterkonzern VW in Sachsen angeboten, wo der Golf gebaut wird. Details müssten in den nächsten Tagen verhandelt werden. MAN hatte in der Vergangenheit bereits Mitarbeiter aus Plauen an das VW-Werk im nahegelegenen Zwickau verliehen.

Die Münchner leiden wie andere Fahrzeugbauer darunter, dass Busreisen in Europa enorm an Popularität verloren haben. Die Nachfrage nach Stadtbussen kann dies nicht ausgleichen. Zudem werfen – oft zeitaufwendig produzierte – Luxusreisebusse deutlich mehr Geld ab als meist schlicht gehaltene Transportmittel des öffentlichen Nahverkehrs. Die Öffnung des Fernbusmarktes hilft den Herstellern ebenfalls wenig, weil oft Gebrauchtfahrzeuge zum Einsatz kommen.

Das Marktvolumen für Busse in Europa sei auf einem historischen Tiefstand, hieß es in der Mitteilung weiter. Weil die Wirtschaftslage in wichtigen Märkten schlecht und die Nachfrage nach Luxusbussen gering sei, lasse sich eine Aufrechterhaltung der Produktion in Plauen „nicht mehr wirtschaftlich realisieren“. Im seit Jahren kriselnden Busgeschäft hatte MAN den Verlust im ersten Quartal vergrößert.

2013 wurden hier knapp 29.000 Busse verkauft, MAN setzte nach eigenen Angaben 800 Fahrzeuge ab. In wichtigen Märkten sei die Wirtschaftslage schlecht und die Nachfrage nach Luxusbussen gering, weshalb es sich nicht rechne, weiter in Plauen zu produzieren.

In dem sächsischen Werk könnten pro Jahr rund 900 Busse vom Band rollen, 2013 waren es einem Konzernsprecher zufolge lediglich 280. Das MAN-Busgeschäft schreibt seit Jahren immer wieder rote Zahlen. 2013 vergrößerte sich der Verlust auf 64 Millionen Euro.

Wie groß die Einsparungen durch die Verlagerungen von Sachsen in die Türkei sind, wollte der Sprecher nicht beziffern. In Ankara produziert MAN seit 1986 Busse. Da die Fertigung von Bussen deutlich zeitaufwendiger ist als etwa von Autos, fallen die Lohnkosten stärker ins Gewicht.

Nach mehreren Restrukturierungsanläufen samt Verlagerungen hat sich MAN darauf eingestellt, dass es mehrere Jahre dauern wird, um die Probleme im Busgeschäft in den Griff zu bekommen. Bis zur nachhaltigen Profitabilität dauere es zwei bis drei Jahre, hatte der Chef der europäischen Nutzfahrzeugsparte, Anders Nielsen, Reuters im März gesagt. Zudem betonte er damals: „Ich schmeiße keine Leute raus.“

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.