Frankreich sucht heimische Alternative zu GE und Siemens

Frankreich Wirtschaftsminister Montebourg sucht nach einer heimischen Lösung für den angeschlagenen Alstom-Konzern. Um dessen Übernahme durch den US-Rivalen GE zu verhindern, hatte Frankreich Siemens um Hilfe gerufen. Doch es wachsen die Zweifel am Interesse der Deutschen.

In Frankreich schwindet offenbar die Hoffnung auf eine Übernahme von Alstom durch Siemens. Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg tüftelt an einer heimischen Lösung, um die Industrie-Ikone vor dem Kauf durch den amerikanischen Rivalen GE zu bewahren. „Plan A ist GE, Plan B ist Siemens und Plan C ist eine einheimische Lösung“, sagte der Politiker. Er brachte eine rein französische Variante ins Spiel, an der sich auch staatliche Fonds beteiligen könnten.

Zuvor hatte Paris dem US-Konzern die Verlängerung seines gut zwölf Milliarden Dollar schweren Übernahmeangebots abgerungen, um mehr Zeit für Verhandlungen zu haben. GE muss sich nun drei Wochen länger als ursprünglich vorgesehen gedulden – bis zum 23. Juni. Die längere Frist diene Gesprächen mit der Politik, begründeten die Amerikaner ihren Schritt.

Die Verlängerung dürfte auch den Zeitdruck auf Siemens verringern. Auf Bitten der französischen Regierung hin feilen die Münchner an einem Gegenangebot zu GE und prüfen die Alstom-Bücher. Frankreich fürchtet einen Job-Abbau (mehr hier).

Zwischenzeitlich ist es aber zum Zwist zwischen Siemens und der Alstom-Führung um Vorstandschef Patrick Kron gekommen, nachdem die Deutschen mehr Informationen verlangt hatten. Kron, der sich lieber mit GE verbünden will, wies das Ansinnen zurück. Siemens bekomme genauso viel zu sehen wie GE, ließ er ausrichten.

Medienberichten zufolge will Siemens mehr Informationen über mögliche Strafen in der Folge von Korruptionsermittlungen bekommen, die gegen Alstom in den USA, Brasilien und Großbritannien laufen.

Während in Frankreich die Forderung als übliches Verhandlungs-Geschacher betrachtet wird, vermuten andere, dass die heikle Compliance-Frage für Siemens-Chef Joe Kaeser eine willkommene Sollbruchstelle in den Verhandlungen werden könnte. Während Kaeser zuletzt betonte, es sei ihm absolut ernst mit dem Vorstoß, herrschen unter Investoren und Mitarbeitern Zweifel, ob er Alstoms Energietechnik mit aller Kraft an sich reißen will.

Der französische Staatskonzern Areva macht sich Insidern zufolge jedenfalls schon auf eine Abspaltung der Windturbinensparte von Alstom im Fall eines GE-Erfolgs gefasst. Interessant sei vor allem der Auftragsbestand für Offshore-Anlagen, sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Die Technologie von Alstom würde Areva indes nicht übernehmen.

Alstom verfügt über eine Bestellung des heimischen Versorgers EdF für Windparks mit einer Gesamtleistung von 1.500 Megawatt. Alstom will nach bisheriger Planung dafür seine großen, sechs Megawatt starken und getriebelosen Turbinen einsetzen. Areva will dagegen weiterhin an Windrädern mit Übersetzung festhalten. Die getriebelose Technik zieht weniger Wartungskosten nach sich, ist aber teurer im Bau. Siemens bietet beide Technologien an.

Areva würde die Offshore-Technik von Alstom in sein geplantes Gemeinschaftsunternehmen mit der spanischen Gamesa einbringen. An den weniger lukrativen Windrädern für den Einsatz an Land habe der französische Staatskonzern kein Interesse. Siemens hat für den Erfolgsfall bislang keine konkreten Pläne für die Windenergiesparte von Alstom vorgelegt.

Die Bahntechnik gehört indes zur Verhandlungsmasse von Kaeser. Dass er womöglich bereit sei, die eigene Zugsparte den Franzosen im Tausch gegen die Kraftwerkstechnik zu überlassen, sorgt für Unruhe in der Belegschaft.

Bei den Protesten gegen seine Sparpläne im Zuge des anstehenden Konzernumbaus tun sich insbesondere die Mitarbeiter des Eisenbahnsegments hervor. Sie fürchten, dass viele Arbeitsplätze verloren gehen, wenn sie als Teil eines Alstom-Deals an die Franzosen abgegeben würde. Kaeser hatte sich zuletzt nur dazu bekannt, zunächst in der Bahntechnik engagiert zu bleiben.

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