Porsche SE findet Übernahme von Zulieferern derzeit zu teuer

Die Porsche-Holding hat eine Reihe von Übernahmen geprüft, um ihr Vermögen von 2,6 Milliarden Euro anzulegen. Doch die Preise der Unternehmen sind den Stuttgartern derzeit zu hoch. „Es befindet sich viel Liquidität im Markt“, sagte Vorstandschef Winterkorn.

Der Volkswagen-Großaktionär Porsche SE würde gerne auf Einkaufstour gehen und Autozulieferer übernehmen. Doch die Preise sind den Stuttgartern derzeit zu hoch. Grund ist nach den Worten von Vorstandschef Martin Winterkorn die Geldschwemme an den Finanzmärkten.

„Es befindet sich viel Liquidität im Markt. Daher sind die Bewertungen für Beteiligungen derzeit sehr hoch“, sagte Winterkorn, der zugleich Vorstandschef von Volkswagen ist, am Dienstag auf der Hauptversammlung in Stuttgart. Die von den Familien Porsche und Piech kontrollierte Porsche-Holding sei nicht bereit, jeden Preis zu zahlen.

Im vergangenen Jahr habe die Porsche SE zwei Dutzend Unternehmen unter die Lupe genommen, um ihr Vermögen von 2,6 Milliarden Euro anzulegen. Als interessante Investitionsmöglichkeiten nannte Winterkorn die Produktion von Anlagen und Werkzeugen für den Automobilbau oder Dienstleistungen rund ums Auto.

Porsche schaut sich demnach Zulieferer an, die auf neue Antriebskonzepte, Werkstoffe, Sicherheits- oder Kommunikationstechnik für Fahrzeuge spezialisiert sind. Der Vertrag des dafür zuständigen Vorstandsmitglieds Philipp von Hagen verlängerte der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Wolfgang Porsche bis März 2018.

Allerdings könnten nicht nur die hohen Preise für Firmenbeteiligungen Porsche von milliardenschweren Übernahmen abhalten, sondern auch die Schadensersatzforderungen von Dutzenden Klägern über insgesamt 5,7 Milliarden Euro, gegen die das Unternehmen noch jahrelang vor Gericht kämpfen dürfte.

Offiziell bestreitet die Holding allerdings jeglichen Zusammenhang und hat aus Überzeugung, alle Klagen abwehren zu können, zuletzt auch nur 36 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt. Porsche weist alle Vorwürfe zurück und will bis zur letzten Instanz gehen. „Wir sind nicht vergleichsbereit“, sagte Winterkorn.

Die Prozesswelle ist das Nachspiel des Übernahmepokers in den Jahren 2008 und 2009, als Porsche mitten in der Finanzkrise den viel größeren Volkswagen-Konzern übernehmen wollte. Porsche versackte dabei in Schulden und musste von Volkswagen gestützt werden.

Seit 2012 gehört der Autobauer Porsche deshalb als eine von zwölf Marken zu VW und spült den Wolfsburgern den Löwenanteil ihrer Gewinne in die Kasse. Die Porsche SE Holding ist wiederum mit gut 50 Prozent Hauptaktionär von Volkwagen.

An den Landgerichten Braunschweig und Stuttgart konnte die Porsche SE im Streit mit Investoren Etappensiege erringen, die unterlegenen Hedgefonds gingen allerdings in Berufung. Das Landgericht Stuttgart hatte die Schadensersatzklagen wegen Marktmanipulation zurückgewiesen. Nach Ansicht der Kläger hatte der Stuttgarter Konzern die Anleger bei dem Übernahmeversuch hinters Licht geführt.

Porsche hatte sich seit 2005 schrittweise bei VW eingekauft und im März 2008 noch bestritten, den Wolfsburger Autokonzern beherrschen zu wollen. Als die Porsche Holding im Oktober 2008 dann jedoch bekanntgab, dass sie sich fast drei Viertel der Stimmrechte gesichert hatte, schoss der VW-Kurs in die Höhe. Institutionelle Anleger, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt und erlitten Verluste.

Doch das Landgericht Stuttgart urteilte, die Hedgefonds, darunter Branchengrößen wie Glenhill Capital und Viking, hätten nicht nachweisen können, dass sie 2008 ihre Anlageentscheidungen aufgrund von Dementis von Porsche zu dem VW-Übernahmeplan trafen. Zudem sei nicht erkennbar, dass Porsche von den spekulativen Leerverkäufen der Fonds wusste und diese gezielt in die Irre führte, um ihnen zu schaden.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.