EY: Mehr Unternehmen planen Verlagerungen ins Ausland

Jedes fünfte Unternehmen will dieses Jahr Geschäftsbereiche von Deutschland ins Ausland verlagern, so Ernst & Young. Diese Verlagerung in kostengünstigere Regionen sei Teil der ständigen Bemühungen um Effizienzsteigerung. Eine breite Abwanderungswelle gebe es derzeit nicht. Deutschland sei einer der Top-Standorte weltweit.

Erstmals seit Jahren wollen wieder mehr Unternehmen Geschäftsbereiche aus Deutschland ins Ausland verlagern. Der Anteil der Firmen mit solchen Plänen habe sich in diesem Jahr von 11 auf 20 Prozent erhöht, teilte die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) am Dienstag mit. Zuvor war er acht Jahre in Folge gesunken.

„Das ist ein erstes Alarmsignal“, sagte EY-Experte Peter Englisch zu der Umfrage unter Managern von 808 international tätigen Unternehmen. Besonders Großbritannien mit seiner starken Finanzbranche sowie China mit vielen Großprojekten würden dem Standort Deutschland zunehmend Konkurrenz machen.

EY sieht in dieser Entwicklung aber kein Misstrauensvotum. „Deutschland ist vollständig in die globalisierte Wirtschaft integriert – das Abspalten oder Outsourcen von Geschäftsbereichen und die Verlagerung in kostengünstigere Regionen sind da an der Tagesordnung und Teil der ständigen Bemühungen um Effizienzsteigerung“, sagte Englisch.

„Von einer breiten Abwanderungswelle ist zumindest aktuell nichts zu spüren“, so der EY-Experte. Deutschland müsse aber den Reformkurs beibehalten und dürfe seine Wettbewerbsfähigkeit nicht durch Wahlgeschenke wie die Rente mit 63 gefährden.

Gleichzeitig steht Deutschland bei Managern immer höher im Kurs. In der Standort-Rangliste verbesserte sich die Bundesrepublik in diesem Jahr vom sechsten auf den vierten Platz. Nummer eins ist China, gefolgt von den USA und Russland. Die Befragung der Manager erfolgte vor der Ukraine-Krise und der anschließenden Kapitalflucht aus Russland.

18 Prozent der Manager nannten Deutschland als einen der Top-Standorte weltweit. 2013 waren es 14 Prozent, 2009 nur zehn Prozent. Kein anderes Land verbuchte einen stärkeren Zugewinn an Attraktivität. „Deutschland ist heute eindeutig die robusteste und wettbewerbsfähigste unter den großen Volkswirtschaften Europas“, sagte Englisch.

Auch in der Rangliste der Schweizer Business School ist Deutschland das wettbewerbsfähigste Land der EU. In Europa steht nur die Schweiz aufgrund der wettbewerbsorientieren Mentalität der Bevölkerung und der Anpassungsfähigkeit der Unternehmen besser da (mehr hier).

Knapp die Hälfte der von EY Befragten prognostiziert, dass Deutschlands Attraktivität noch steigen wird. Besonders schätzen ausländische Investoren das ebenso stabile wie transparente politische und rechtliche Umfeld, die Infrastruktur und qualifizierte Arbeitskräfte.

Die Zahl ausländischer Investitionsprojekte in Deutschland stieg der Studie zufolge 2013 um 12 Prozent auf den Rekordwert von 701. Das ist Platz zwei in Europa hinter Großbritannien mit 799 Projekten.

„Während Großbritannien von US-Investoren bevorzugt wird, entscheiden sich Unternehmen aus den übrigen Weltregionen vorrangig für Deutschland.“ Allerdings planen weniger ausländische Unternehmen, sich in Deutschland neu anzusiedeln oder zusätzliche Geschäftsbereiche hierher zu verlagern: Ihr Anteil sank von 36 auf 27 Prozent.

Ausländische Investoren haben sich 2013 so zahlreich in Deutschland angesiedelt wie nie zuvor. Neben der guten Infrastruktur und der günstigen Lage in der Mitte Europas spielt seit dem Beginn der Eurokrise auch der soziale Friede hierzulande eine entscheidende Rolle (mehr hier).

Kommentare

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  1. Rumpelstilzchen sagt:

    Die arbeitenden Sklaven werden so lange ausgebeutet und unterdrückt bis sie sich erheben und Revolution machen !! Leider war das in allen vergangenen Kulturen so auch unsere Kultur wird an der Gier der Mächtigen zugrunde gehen.
    Wir hatten Demokratie Wohlstand und das Land Prosperierte !!
    Aber unfähige selbstsüchtige lügende Politiker die Volksabstimmungen fürchten wie der Teufel das Weihwasser führen uns unaufhaltsam in den Abgrund!!
    Es ist zu Hoffen das sie die Rache des Volkes noch erleben!!

  2. Yato sagt:

    Na zum Glück wird bald TISA durchgewunken. Die gebeutelten Unternehmen müssen dann nicht mehr teure Fabriken in Fernost hochziehen, um ihre Produktion dahin zu verlagern, sondern können durch die anstehende de-Regulierung im Bereich der internationalen Leiharbeit billiges Arbeitsvieh aus aller Herren Länder bei uns schuften lassen – für ortsübliche, chinesische Dumpinglöhne versteht sich. Die Effizienz- und Gewinnsteigerungen der Manager werden traumhaft sein, die Arbeitsbedingungen und Löhne der Skla.. ähm „Arbeitnehmer“ eher weniger.